Erstmal ein Kompliment ans Cinemaxx:
Endlich mal die korrekte Leinwandmaskierung, ein scharfes Bild und super Ton, obwohl wir in der vorletzten Reihe in Kino 8 saßen. Das hatte ich in den letzten 10 Jahren nur in den neuen 3D-Kinos.
Zum Film “INCEPTION” selbst:
Ganz klar ein Streifen, der in der oberen Klasse mitspielt – keine Frage. Für mich aber nicht mehr als eine 8 von 10. Dafür fehlte mir dann doch der
WOW-Effekt. Weiterhin hat der Film für mich einige kleine Problemchen, bzw. nicht der Film, sondern Nolan, sein Team und der Hype.
Nolans Stil ist mir momentan zu festgefahren. Bedenkt man, dass MEMENTO und PRESTIGE auch von ihm sind und diese völlig unterschiedlich und ohne Handschrift daherkommen, um so mehr fällt auf, dass bei INCEPTION Kamera und Soundtrack nahezu identisch zu seinen beiden Batman-Filmen sind. Das mag Zufall sein, aber ich denke eher, dass hier der kommerzielle Erfolg wieder Anstoß dazu war. Wieder Hans Zimmer am Notenpult, der sich momentan nur noch selbst kopiert (das war mal anders, auch wenn der Stil natürlich
unverkennbar und leicht verdaulich und gefällig ist), wieder Wally Pfister an der Kamera. Zudem wurden aus beiden Batman-Filmen diverse Schauspieler importiert, so dass ich anfangs echt dachte, ich sitze in BATMAN 3.
Die Idee mit den Träumen ist cool und ein paar grundlegende Traumdinge wurden ja angerissen. Dennoch ist die Geschichte für Träume viel zu linear und planbar, wie ich finde. Meine Träume gestalten sich fast immer so, dass sich Umgebungen, Menschen und Wesen nach kurzer Zeit blitzartig ändern – hier fehlte mir bei INCEPTION die Spontanität und der Überraschungsmoment. Wo war da der spontane Einsatz der Architektin aus ihrer Trainigsphase? Gut, die Zielperson sollte nichts merken, aber da wurde dennoch einiges an Potential verschenkt. Ein paar Agenten zum Schutz, die in Zeitlupe irgendwo auftauchen und wie wild rumballern…kennt man schon besser. Weiterhin waren mir zu viele Elemente zu nah am Matrix-Plot – die Veränderungen in der Matrix, die Programme (z.B. die Frau an der Bar), die Agenten, das Eintauchen, das Aufwachen bei Gewalt in der anderen Welt, das Orakel, der Auserwählte, der Schlüsselmeister, die Love-Story, etc.
Ob Nolan die Story wirklich schon so lange im Kopf hatte, mag ich da doch arg bezweifeln. Die Szenen in der Schwerelosigkeit waren definitiv cool und sicher nicht einfach für das Team und die Schauspieler – was aber nochmal ordentlich etwas für den Film rausgehauen hat, waren die letzten Minuten und das Ende. Die Auflösung der INCEPTION und das … Ende waren sehr schön und haben nochmal ne gehörige Portion Emotionen freigesetzt.
Leider fehlte mir im gesamten Film die Gänsehaut, obwohl der Film ja durchaus spannend war. Dennoch fehlte mir irgendwie der Drive in der Geschichte. Ich fand eher den Anfang interessant, rasant und gelungen und später alles etwas zäh. Ach ja – und die
schlechte Yoda-Maske vom alten Saito ging auch gar nicht *lach*
Aber das klingt nun alles so dermaßen negativ, was eigentlich gar nicht so gemeint ist. Ein echt guter Streifen, der mal etwas andere Wege geht, aber auch etwas überbewertet wird, wie ich finde. Ich werde ihn mir sicher noch ein paar Mal in Ruhe auf BluRay anschauen, aber ins Kino muss ich nicht noch einmal – dafür fehlte mir einfach der letzte Kick :)
DENNOCH gibt es von mir eine klare Empfehlung für INCEPTION! Und wem der Film gefällt, der sollte sich auf alle Fälle auch mal den Directors Cut von “DARK CITY” besorgen!
Als Cliffhanger würd ich das Ende jetzt nicht bezeichnen. Man sieht deutlich, wie der Kreisel in den letzten Millisekunden anfängt zu trudeln…
Finde es aber auch schlimm, wieviele sich von Nolan blenden lassen und den Film als Meisterwerk hypen. Mir stecken auch viel zu viele Plot-Details von Matrix und Co drin, als dass ich mehr als 8 von 10 Punkten vergeben könnte. Sehr guter Film, aber kein Meisterwerk…