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Inception ist schnell und exzentrisch. Nolan versteht sich im Umgang mit beeindruckenden Bildern, weiß als Autor, worauf es ankommt und kann eine brillante Geschichte nicht nur zu Papier bringen, sondern auch auf die Leinwand.
Kritik von ( 307 ) am 31. 07. 2010 0 Kommentare
Inmitten eines Filmjahres, in dem wir von den Remakes der Remakes sprechen, in dem die Einfallslosigkeit gepusht wird und wir mit gefühlten hundert unnötigen Fortsetzungen gequält werden, kommt ein unscheinbarer Mann daher: Christopher Nolan. Und der kommt nicht allein, sondern bringt ein Spitzenteam bestehend aus Leonardo DiCaprio, Ellen Page und Joseph Gordon-Levitt mit, das zeigt, wie es aussieht, wenn aus einer Drehbuchidee Kunst wird. Manche haben sich bei der Ankündigung und den ersten Trailern von Inception zu Recht gefragt: »Wie will er das nur inszenieren?« In seinem neuesten Streich geht es um Träume und einen Mann, der sie nutzt, um dem Träumer seine Ideen zu stibitzen. Es hat ein bisschen was von Freddy Kruger – nur dass normalerweise alle überleben.

Dom Cobb (Leonardo DiCaprio) verdient seinen Lebensunterhalt gelinde formuliert als »Traumtänzer«. Er mogelt sich während der Schlafphase in den Traum anderer Menschen und manipuliert sie. Bislang war es seine Aufgabe, ihre Einfälle mitgehen zu lassen, um sie gewinnbringend weiterzugeben. Allerdings hat er dadurch alles verloren: Seine Frau, seine Kinder, sein Leben. Man trachtet nach ihm, möchte ihn töten und er hat keine Lust mehr, weiterzuarbeiten. Doch er muss. Das lässt natürlich Verzweiflung aufkommen, die DiCaprio wie kein zweiter darzustellen weiß. Mit ernster Mimik, einer Stimme, die sich scheinbar aus Hilflosigkeit ungewollt erhebt und einem gehetzten Gang irrt er durch Inception und sucht eine Lösung. Als ihm angeboten wird, jemandem eine Idee einzupflanzen und sich danach aus der Affäre zu ziehen, willigt er widerwillig ein. Regisseur Christopher Nolan hält sich – wie gewohnt – nicht lange mit Firlefanz auf und bringt kurzerhand die gesamte Szenerie zum Brodeln. Ariadne (Ellen Page) testet im Beisein Doms aus, was im Traum möglich ist: Von einer sich zusammenrollenden Welt, fliegenden Früchten bis hin zur totalen Katastrophe ist alles ohne Konsequenzen möglich – nur sterben darf niemand, denn der wäre dann wirklich tot. Mit der sich somit abzeichnenden Vielschichtigkeit wird auch etwas anderes klar: Was für ein genialer Drehbuchautor Nolan doch ist! Nichts, das nicht bis ins kleinste Detail geplant ist. Schauspieler, die sich hervorragend abrunden. Dialoge, die besser kaum hätten sein können. Und eine tiefgründige Handlung, die großartig in sich selbst greift und über die man eigentlich keinen einzigen Satz verlieren dürfte – denn bereits der scheint zu viel des Guten. Dennoch herrscht immerzu pure Verwirrung.

Inception gestaltet sich wie ein Traum, den sicherlich jeder von uns schon hatte. Man wacht unsanft auf und fragt sich unwillkürlich: »War das jetzt echt?« Man muss überlegen, genau hinsehen- und hören, um herauszufinden, was gerade wo geschehen ist. Hat Nolan uns in eine Traumphase entführt? Oder in die Realität? Welche Folgen hat welche Ebene für Dom und/oder Ariadne? Nicht immer ist es eindeutig, dass die beiden träumen – oder es eben nicht tun. Wenn sie sich beispielsweise wilde Verfolgungsjagden liefern, beschossen werden oder Dom um seine Frau bangt, verrät Nolan erst später, was »echt« war und was nicht. Die Actioneinlagen halten sich zum Glück in Grenzen, stattdessen wird Dom Cobb früh als Charakter ausgebaut. Die Spielerei mit der Konfusion und den bildlichen Metaphern ist und bleibt aber das Highlight.
90%
Fazit:
Inception ist schnell und exzentrisch. Nolan versteht sich im Umgang mit beeindruckenden Bildern, weiß als Autor, worauf es ankommt und kann eine brillante Geschichte nicht nur zu Papier bringen, sondern auch auf die Leinwand. Mit Leonardo DiCaprio und Ellen Page hat er ein hervorragendes Duo geschaffen, die die Verwirr-Story um den Traum-Dieb Dom Cobb glaubhaft darzustellen weiß. So ist Inception nicht nur interessant und keinesfalls ein Streifen für Zwischendurch, sondern sicherlich Anwärter auf den Film des Jahres.


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