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Was Die Gefährten auszeichnet, ist die unglaublich sensible und detailreiche Inszenierung einer kolossalen Geschichte, bei der nie das Wesentliche aus dem Blick gerät
Kritik von ( 238 ) am 22. 07. 2012 4 Kommentare
Es gibt Bücher, Geschichten, die lange Zeit als unverfilmbar galten. Dies war gerade bei J. R. R. Tolkiens epischen Fantasy-Saga Der Herr der Ringe der Fall. Viele Fans waren zu Recht skeptisch, als Gerüchte über eine anstehende Realverfilmung laut wurden. Die Vorgeschichte dieser Verfilmung ist in der Tat bemerkenswert: Der neuseeländische Regisseur Peter Jackson, der 1996 gerade die CGI-gespickte Gruselkomödie The Frighteners abgedreht hatte, suchte um eine Nachnutzung der bei diesem Film eingesetzten Computer. Da kam nichts weniger als Der Herr der Ringe ins Spiel, für dessen Verfilmung Jackson bereits sehr früh an einem Drehbuchentwurf gearbeitet hatte.

Freilich, Jackson war in der Filmwelt spätestens seit The Frighteners kein unbeschriebenes Blatt mehr. Aber Der Herr der Ringe? War diese Aufgabe nicht doch noch etwas zu groß für den neuseeländischen Regisseur? Seiner ausdauernden und nachdrücklichen Überzeugungsarbeit ist es letztlich zu verdanken, dass es zur Finanzierung der Der Herr der Ringe-Trilogie kam. Mit Jackson war tatsächlich der richtige Mann am Werk – das Ergebnis sollte selbst die hartnäckigsten Zweifler überzeugen. Warum es so lange gedauert hat, die Saga würdig zu verfilmen, wird bereits nach den ersten Filmminuten klar: Ohne die enorme Rechenkraft modernster Computer und überaus potenter Geldgeber war dieses Projekt kaum angemessen zu realisieren. Bloß – die durchwegs erstklassigen CGI-Bilder wurden als Mittel, nie als Zweck an sich eingesetzt.

Was Die Gefährten dann auch folgerichtig auszeichnet, ist die unglaublich sensible und detailreiche Inszenierung der kolossalen Geschichte, bei der nie das Wesentliche aus dem Blick gerät. Das Wesentliche, der Hauptplot, kreist um den Einen Ring, einst geschmiedet vom dunklen Herrscher Sauron von Moria. „Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, Ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden.“ Bloß ist dieser Ring der Macht in die Hände eines unscheinbaren Hobbits namens Bilbo Beutlin gefallen, dessen Leben durch seinen „Schatz“ unnatürlich lange verlängert wurde. Sauron begehrt den Ring nun aber vehement zurück, um endgültig die Herrschaft über Mittelerde aufrichten zu können. Der Ring aber geht von Bilbo an einen neuen Träger über, Frodo Beutlin, der den aberwitzigen Plan durchführen soll, den Ring im Schicksalsberg zu Moria für immer zu vernichten…

Der Auftakt zur Trilogie konnte fulminanter nicht sein: Peter Jackson verband Tolkiens kontrastreiche Erzählung der großen Geschichte Mittelerdes und der eines kleinen gemütlichen Volkes aus Hobbingen nahezu perfekt in einer monumentalen Verfilmung. Gerade dem ersten Teil wohnt eine mystische Spannung inne, die im unmittelbaren Nachfolger mitunter verloren ging. Dies hat natürlich auch mit der Vorlage zu tun; gerade in Die Gefährten ist die „Gemeinschaft“ noch ungeteilt (vgl. Die zwei Türme) und zieht zielsicher durch das lebendig gewordene Mittelerde mit all seinen fantastischen Bewohnern.

Am ehesten sind Angriffspunkte bei diesem filmischen Fantasyepos in der Kürzung einiger Nebenfiguren- und handlungen zu suchen. (Im Prequel Der Hobbit war nun sogar das Gegenteil der Fall: Die Geschichte wurde von Jackson eigenmächtig „aufgefettet“, da die Vorlage kaum eine Trilogie hergibt.) Manch einer mag sich schon auf die Jacksons-Interpretation Tom Bombadils gefreut haben, welcher aber selbst in der erweiterten Schnittfassung nicht auftaucht. Doch ein Film funktioniert eben nicht in derselben Weise wie ein Buch; die unzähligen Nebenplots der literarischen Vorlage waren in einer stringenten filmischen Erzählung schlichtweg nicht zu realisieren. Man kann demgegenüber Peter Jackson sogar zugestehen, das Höchstmaß an filmisch verkraftbaren Nebenhandlungen eingearbeitet zu haben, ohne dass die Spannung darunter gelitten hätte.
98%
Fazit:
Seit der Verfilmung des ersten Teils der monumentalen Der Herr der Ringe-Trilogie, Die Gefährten, muss sich jedes engagierte Fantasyprojekt mit diesem messen. Peter Jackson legte hier nicht nur eine unglaubliche Detailverliebtheit an den Tag, sondern schuf auch eine visionäre Bildersprache und zeichnete durchwegs eigenschaftsreiche Charaktere. Bei Die Gefährten kann im Grunde nur eines empfohlen werden: Abtauchen und genießen.

Der Herr der Ringe - Die Gefährten


Kommentare (4)


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Filmosoph
23.07.12 - 10:22
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Eine tiefergehende Reflexion über dieses Meisterwerk zahlt sich durchaus aus. Danke jedenfalls!
eichi
23.07.12 - 07:45
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eine kritik, sie zu lesen, sie zu genießen, sich daran zu erfreuen und sie zu würdigen!

wirklich schöne worte, zu einem der besten filme der letzten jahre! gratulation, markus!
Filmfreak
23.07.12 - 06:54
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Mir persönlich hat diese Kritik auch sehr gut gefallen. Wunderbar formuliert und sehr gut zu lesen.
Fulci1978
23.07.12 - 02:13
REPLY
Für mich persönlich die beste Ringe verfilmung von allen. An Die Gefährten kommen die Fortsetzung zumindest aus meiner Sicht heraus nicht ran. Das fehlen von Tom Bombadil hat mich auch keineswegs gestört, da mir der Kerl mit seiner Goldbeere beim lesen mächtig auf den Nerv gegangen ist.

Eine wirkich schön geschriebene Kritik.

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