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Zeit ist relativ! "
Kritik von ( 94 ) am 01. 12. 2014 18 Kommentare
"Interstellar" ist ein ein wirklich interessanter und anspruchsvoller Film. Nachdem ich "Gravity" bereits gesehen hatte, betrat ich mit gemischten Gefühlen den Kinosaal. Fast drei Stunden mit langsamen Bewegungen und der Ruhe des Weltalls? Nochmal würde ich das nicht durchstehen. All denjenigen, die dieselben Befürchtungen hegen, kann ich vorab schon sagen: Das wird nicht passieren!
Noch an der Kinokasse fragte ich die nette Kassiererin, um welche Uhrzeit denn wohl circa die Pause sein wird und die überraschende Antwort war: "Nach den Meinungen der bisherigen Kinobesucher, verzichten wir darauf die Spannung des Filmes zu unterbrechen. Es wird keine störende Pause geben. Diese Sätze ließen schon einmal Hoffnung aufkommen und rückwirkend kann ich nur bestätigen, dass eine Unterbrechung dem Filmfluss tatsächlich geschadet hätte. Mir fehlten am Ende sogar noch ein paar Minuten mehr Zeit, um die Details der Handlung abschließend auszuarbeiten. Wie 3 Stunden kam es mir auf keinen Fall vor.

Insgesamt ist Regisseur Christopher Nolan mal wieder ein absoluter Geniestreich gelungen. "Interstellar " vereint den Anspruch von Stanley Kubricks "2001: Odyssee im Weltraum ", den Witz der Roboter aus "Star Wars ", die Bildtechnik
von "Inception " und die Bildgewalt von "Gravity ". Nolan verzichtet dabei auf den 3D-Effekt, was mich zuerst ein wenig enttäuschte, aber im Nachhinein betrachtet würde ich dafür keinen Abzug geben, denn ich habe es zu keiner Zeit vermisst. Die unglaublichen Aufnahmen kommen auch so wunderbar zur Geltung und das nicht nur, wenn man aus dem Rückspiegel der Raumfähre auf die Erde blickt. Die Außenaufnahmen vom Raumgleiter, sind zwar oftmals die Selben, aber selbst daran kann man sich nicht sattsehen.
Großartig ist auch die Filmusik. Intensive und oftmals gewohnt aggressive Orchestermusik wurde von Hans Zimmer in angepasste schon fast sanfte Töne verwandelt. Diese betonen eher das Nachdenkliche und untermalen den Anspruch. Die ruhigen Noten unterstützen den Cineasten in seinen Gedanken, in die man notgedrungen während der Sichtung versinkt.
"Interstellar" ist kein leichtes Filmwerk. Nolan widmet sich den Theorien über Raum und Zeit. Die Menschlichkeit, Liebe, Intelligenz und die Faszination der Wissenschaft spielen eine große Rolle. Der Cineast wird zur Geisel der Aufmerksamkeit. Man wartet förmlich auf die nächste geistige Herausforderung - und diese wird kommen. Vorhersehbar ist lediglich das Unerwartete. Wenn man denkt, man könnte erahnen was nun folgt, dann kommt es oftmals doch ganz anders. Beeindruckend, wenn ein Film derartig zu überraschen weiß.

Mit Matthew McConaughey hat uns Nolan den perfekten Mann für diesen Job ins Boot geholt. Es macht wahnsinnig viel Spaß ihm zuzuschauen. Er ist keiner der typischen NASApiloten. Zwar Intelligent, ohne dabei allerdings arrogant zu sein. Menschlich und emotional - ohne dabei unprofessionell zu wirken. Die Rolle des Piloten Cooper ist es, die uns ständig fragen lässt: Was würde ich tun?
Anne Hathaway ist die Tochter des Wissenschaftlers, der diese Raumfahrtmission bis ins Detail geplant hat. Sie ist selbst eine hochintelligente Wissenschaftlerin und begleitet das Team als Expertin für die Erforschung eines neuen Planeten, auf dem die Menschen überleben können. Sie ist der Charakter, welcher den Cineasten immer wieder vor neue Herausforderungen stellt.
Diese beiden großartigen Darsteller überragen in diesem Film zwar, sind aber nur zwei Glieder der insgesamt stabilen und hochwertigen Kette aus Schauspielern und Nebendarstellern, die jeder für sich, zu überzeugen verstehen.

Um nicht allzu viel von der Handlung vorwegzunehmen, möchte ich die Handlung nur kurz anreißen.
Die Erde steht vor dem Ende. Es gibt kein Militär mehr, weil es schlicht überflüssig geworden ist. Dringender als alles Andere benötigen die Menschen Nahrung. Die Umwelt ist stark belastet. Ständige Stürme wirbeln den Sand auf, lassen nur noch wenige Pflanzen gedeihen. Korn und Weizen fällt zumeist der Mehlfäule zum Opfer. Mais hingegen erweist sich noch als einigermaßen klimaresistent. Noch, denn niemand weiß wie lange.
Die Spezies Mensch ist bedroht. Es gibt nur zwei Möglichkeiten. Plan A sieht vor einen Teil der Menschheit auf einem anderen Planeten umzusiedeln, wogegen Plan B davon ausgeht, dass die Menschheit verloren ist und es nur noch durch Retorten gelingen kann, die menschliche Rasse in einer anderen Galaxie neu entstehen zu lassen. Immer wieder sind die Astronauten im Zwiespalt zwischen diesen beiden Wahlmöglichkeiten - noch dazu hat jeder einen Teil seiner Familie zurückgelassen. Die Frage ist nicht mehr nur, wohin die Reise geht, sondern darüber hinaus auch, tiefere, allzumenschliche Gedanken nach der Existenz zu überwinden. Humane Gefühle und wissenschaftliche Erkenntnisse gegeneinander abzuwägen. Ständige Kontroversen.
90%
Fazit:
Nolan gelingt hier ein sentimentales SiFi-Epos der ungewohnt besonderen Art. Wie oft beschäftigt man sich während eines Filmes schon - mehr oder weniger freiwillig - mit wissenschaftlichen Themen wie der Quantenphysik, Relativitätstheorie und Gravitationslehre? Noch dazu, wenn dem auf der anderen Seite die menschliche Seite entgegensteht mit all den Dingen wie Sentimentalität, Sehnsucht und Liebe? Mit "Interstellar" gelingt es dem Regisseur all das zu vereinen, was man von einem Film erwarten kann. Bild, Ton, Anspruch, Action, Liebe, Drama, Thrill, Humor, SiFi, Schauspielkunst ... Filmfanherz, was willst du mehr?
Trotzdem ist es mir nicht möglich dem eigentlichen Meisterwerk die vollen 100% zu geben, denn das Ende hat mir nicht genügt und stellt für mich den einzigen Schwachpunkt dar. Damit möchte ich den Schluss auf gar keinen Fall schlecht schreiben, denn das ist er nicht. Ich finde das Ende nur nicht optimal gewählt. Vielleicht mein eigenes empfinden, aber darüber würde ich gerne mehr in den Kommentaren unserer FE-User lesen. Wie hat euch das Ende gefallen?
Ich werde mir den Film auf jeden Fall noch ein weiteres Mal im Kino anschauen, denn die Bilder kann man kaum daheim so genießen, wie auf der riesigen Kinoleinwand. Ein Kinogang ist daher sehr zu empfehlen - oder wie in meinem Fall auch zwei.


Kommentare (18)


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Filmfreak
19.10.15 - 17:30
Eine sehr interessante Kritik von dir zu dem neuesten Streich von Chris Nolan, lieber Marco. Keine leichte Kost die uns hier der begnadete Filmemacher präsentiert und dies meine ich nicht in Bezug auf Raum und Zeit oder physikalischen Theorien, nein vielmehr, was auf die Gattung Mensch in Zukunft noch zukommen könnte - lange nach dem Tod vieler Generationen von uns...aber wie sagte bereits eine bekannte Filmfigur aus dem Jahre 1991: "es liegt in unserer Natur, dass wir Menschen uns selbst zerstören."

UND wir Menschen zerstören mit unserem Wahn nicht nur uns selbst, sondern auch den damit verbundenen Lebensraum in dem wir bekanntlich leben! Die Natur hat schon lange begonnen zurück zu schlagen, wenn man sich einmal unsere Umwelt ansieht usw.

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eichi
18.03.15 - 14:12
hat es in dem film nicht geheißen, die erde wehrt sich nun langsam ...?

tja, ... ICH kann es ja wahrscheinlich nicht besser, aber andere vielleicht schon. der funke ist einfach nicht komplett übergesprungen bei mir. da kann ich nix ändern!

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Filmosoph
18.03.15 - 12:58
da wäre ich gespannt wie du den film andere "anders erzählt/gedreht/inszeniert" hättest

der staub ist ein erstes anzeichen dafür, dass die welt ersticken wird, die erde wird "verwüstet". es sind ja noch ein paar jahre dahin, bis die erde unbewohnbar wird, aber die ersten anzeichen sind da, und es wird immer schlimmer.

"ich weiß zb nicht, warum sich die erde wehrt" ?????

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eichi
18.03.15 - 12:50
tja, vielleicht kann ich mich mit worten nicht so gut ausdrücken, damit du verstehst, was mir am film nicht gefallen hat.

es beginnt bestimmt mit den hohen erwartungen, die ich an den film hatte. mir hat einfach "etwas" gefehlt, ... so über die komplette laufzeit über hat der endgültige funke nicht überspringen wollen ... k.a. warum.

der film ist aber auf keinen fall schlecht, wie meine bewertung auch zeigt. ich muss allerdings auch gestehen, dass ich ihn nicht auf anhieb komplett sehen konnte, sondern über ein paar stunden und mit 3 anläufen... das hat sicher auch ein wenig dazu beigetragen, weil man immer wieder aus dem film gerissen wird.

aber trotzdem, die geschichte hätte aus meiner sicht anders erzählt/gedreht/inszeniert trotzdem noch deutlich mehr potenzial gehabt. wie ich erwähnt hab, kann es ja auch sein, das sich ihn nicht komplett verstanden habe... ich weiß zb nicht, warum sich die erde wehrt und woher der plötzliche staub kommt?

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Filmosoph
18.03.15 - 12:38
Deine Kritikpunkte überzeugen mich nicht eichi. Gut möglich, dass er zuhause schlechter gewirkt hat als im Kino, aber m. E. hat die Story mehr als genug Tiefe, damit der Film "dennoch" überzeugt. Ich fand auch den Anfang gelungen. Man wird langsam auf den Zustand der Erde hingeführt, die emotionale Bindung der Hauptfiguren wird gut erläutert. Sobald die Rakete startet ist der Film für mich ohnehin an Spannung kaum zu überbieten. Oder war der Film für dich in irgendeiner Weise vorhersehbar? Für mich nicht. Ist dir eigentlich die Musik aufgefallen? Der Film hat so viel mehr Gutes als Schlechtes, Letzteres ist m. E. hauptsächlich am Ende zu suchen.

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Chev
16.03.15 - 20:15
WEIL wir ihn im Kino gesehen haben. Ich glaube das ist wirklich ein reiner Kinofilm. Da bringt das beste Heimkino nix.

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eichi
16.03.15 - 07:44
echt jetzt? der war nicht in 3D im kino? na dann weiß ich auch nicht, warum er euch besser gefallen hat!

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Filmosoph
16.03.15 - 07:43
Es gibt keine 3D-Version von dem Film

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eichi
16.03.15 - 07:21
ENDLICH ... hab ich den Film gesehen.
ENDLICH ... kann ich eure Spoiler hier lesen!

Ich habe den Film NICHT in 3D gesehen und muss sagen, dass ich mir deutlich mehr von Interstellar erwartet hätte. Irgendwie gab es nur wenige Momente, die mich wirklich "etwas" fesseln konnten. Anfangs fand ich den Film ja ziemlich "uninteressant", dann wurde es etwas besser, aber überragend... das ist für mich etwas anderes. Irgendwie hinkt die Story für mich ein wenig. Entweder hab ich nur nicht alles verstanden oder das Ende hat für mich dann noch einmal alles verhaut...

Kann mir vorstellen, dass es da ein paar coole 3D Momente/Effekte im Kino gegeben hat. Aber zuhause... da war der Film zwar in Ordnung, ja sogar teilweise gut, aber nicht der tolle Film, den ich mir erhofft habe.

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Chev
11.12.14 - 08:53
So habe ich es auch gehandhabt, denn wenn man es auf drei Punkte ( Einleitung/Hauptteil/Ende) reduzieren würde, dann macht das Ende doch einen Großteil aus. Ich habe dann aber auch das Gesamtwerk gesehen und dem Schluß, den ich schon für ein wichtiges und nachhaltiges Element halte, mit 10% bewertet. Eben auch wegen der

reichlich kontroversen Auflösung durch die Dimensionen,der Kontroversität und dem Mangel an transportablen Emotionen. Anders als beispielsweise bei Inception fühlte ich mich am Ende um meinen Wow-Effekt, zumindest ein wenig, betrogen.

Insgesamt bleibt es ein sehr guter Film, der aber im Vergleich zu den Meisterwerken eben diese genannten Makel aufweist. Der Fairness halber muß man also einen Abzug machen.

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Filmosoph
10.12.14 - 20:19
Gute Beobachtung Marco. Ja, da ist tatsächlich einiges schief gegangen. Ich versuche aber den Film als Ganzes zu sehen, und ihn nicht nach seinem "schwächsten Glied" zu bewerten.

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eichi
10.12.14 - 17:42
freu mich schon, wenn ich endlich eure "spoiler" lesen kann...

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Chev
10.12.14 - 16:55
Ja Markus, das entspricht ganz genau meinen Kritikpunkten. Die selben Probleme hatte ich auch mit dem Schluss des Films.

Zu der Szene mit der Tochter allerdings finde ich noch zu bemerken:

Am Ende, besonders in der Wiedersehensszene am Krankenbett, fehlen fast völlig die Emotionen. Da taucht der verlorengeglaubte Vater nach Jahren wieder auf und im Krankenzimmer ist nicht nur seine Tochter zu sehen, sondern auch die gesamte Familie. Mit den Kindern seiner Tochter und ihren mittlerweile Enkelkindern. Niemand scheint aber auch nur Anteil daran zu nehmen. Das Töchterchen kann sich nicht ein paar Tränen abringen, okay, aber seine Enkelkinder sind überhaupt nicht neugierig auf den Großvater? Alles läuft so kühl ab. Anstatt die Auflösung so großspurig zu betreiben hätte Nolan in diesen Szenen etwas mehr Herzblut einbringen sollen. Mir reichten da die Emotionen nicht aus, die mit einem Satz Ich wusste das du wiederkommst, du hast es versprochen - geradezu erzwungen werden sollen.

Das hat mich schon verwirrt.

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Filmosoph
06.12.14 - 21:33
Aaalso, zum Ende:

Was mich daran gestört hat, war, dass Nolan wieder einmal die allumfassende Megaerklärung für alles zuvor Gesehene anbieten will. Und er erzählt es aus, viel zu lange. Wenn wir den Vergleich mit 2001 bemühen - ist nicht ein Reiz des Films, dass man über so vieles darin Gesehenes selber nachdenken kann? Bei Interstellar bleibt wenig Interpretationsspielraum. Freilich weiß man nicht, wie genau sich die Menschheit entwickelt hat, dass sie Macht über fünf Dimensionen hat; aber was die Geschichte unseres Helden betrifft ist alles klar. Siehst du das auch so Marco?

Dann noch ein Kritikpunkt:

Die Szene, wo unser Held seine Tochter als alte Frau am Totenbett besucht. Sie sagt sinngemäß: Ich wusste dass du wieder kommt, weil du es mir versprochen hast! Freilich: irrsinnig emotional, aber leider in völlig unglaubwürdig, fast effekthascherisch! Denn den ganzen langen Film lang behauptet sie stets das Gegenteil: Dass er nicht zurückkommen wird, ist sicher. Dafür hasst sie ihn. Und dann plötzlich, am Ende, wenn man Emotion braucht, hat sie doch an das Versprechen geglaubt...

Nicht falsch verstehen: Interstellar ist über 95% der Laufzeit ein absolutes Meisterwerk. Unglaubliche Bilder, brutal spannend, brilliante Musik und und und.... das Ende.

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Chev
01.12.14 - 14:11
Ich denke das Kino ein lohnenswertes Mehr an Filmgenuss ist. Zumal der Film auch wirklich schwierig ist. Der vielzitierte Vergleich mit "2001- Odysee im Weltraum" kommt nicht von ungefähr. Kann ohne die imposanten Bilder, die ein wenig vom Mindfuck ablenken ,bestimmt auch schleppend sein. Ich bin echt nicht so der Kinogänger, aber hier geh ich noch einmal rein.

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Anti78
01.12.14 - 11:08
Sehr schöne Kritik. Sollte mir den Film doch noch im Kino anschauen.

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Chev
01.12.14 - 09:58
Das würde mich sehr freuen. Das Ende ist sicherlich eine Diskussion wert. Die Cineasten jedenfalls sprachen alle auf dem Weg hinaus über das Ende. ( Außer einer, der über Knieschmerzen nach den drei Stunden resümierte.)

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Filmosoph
01.12.14 - 09:46
Sehr schöne Kritik! Macht mich noch heißer auf den Film, als ich schon bin.... ich schaff's sicher noch in's Kino, dann können wir uns auch gerne über das Ende austauschen

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