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The Inevitable Defeat of Mister and Pete


Manchmal muss man früh erwachsen werden
Kritik von ( 94 ) am 10. 04. 2016 0 Kommentare
Mister ist ein 13jähriger, farbiger Junge. Er entstammt der Unterschicht einer amerikanischen Familie, wie es sie reichlich gibt. Seine Mutter kämpft jeden Tag ums Überleben. Irgendwann hat sie jedoch aufgehört mit allen Mittel ein gesellschaftsfähiges Leben anzustreben und sich dem ständigen Kampf ergeben. Sie schwimmt mit dem Strom und befindet sich bereits im Abwärtssog, der permanent und allgegenwertig ist. Für Lebensmittel prostituiert sie sich, für eine kurze Flucht aus ihrem Alltag und ihrer Verantwortung, spritzt sie sich Heroin.

Mister ist kein besonders guter Schüler. Er ist noch sehr jung und Schule gerät eher in den Hintergrund. Natürlich würde er gerne besser sein. Schlechte Noten bringen ihn zum Weinen vor Scham und vor Enttäuschung. Enttäuschungen ist Mister allerdings gewohnt. Er hat den Kopf voll mit Dingen, die ein 13jähriger noch nicht haben sollte. Er kennt bereits das Bild von seiner Mutter Gloria, die im Drogenrausch vor der Couch liegt. Er weiß was die Spritzen zu bedeuten haben, die auf dem Tisch liegen, als sei es das Normalste auf der Welt. Mit der Karte vom Sozialamt einkaufen zu gehen, anstelle von Bargeld ist eine Gewohnheit geworden. Die Kleinkriminellen, die ihm jeden Tag begegnen, gehören zu seinem Leben. Ihm ist klar, dass jeder von Ihnen nur zu überleben versucht und das keine Freunde sind. Sie würden ihn jederzeit überfallen oder ausrauben, wenn sich ihnen die Gelegenheit bietet. Jeder muss sehen, wo er bleibt.

Mister kommt von einem weiteren, enttäuschenden Tag aus der Schule. Zuhause erwartet ihn neben seiner Mama Gloria, die nahezu apathisch vor dem Fernseher hockt, der kleine Pete. Er ist der Sohn einer Freundin seiner Mutter. Pete ist noch jünger und teilt fast die selben Sorgen wie Mister. Eigentlich sind die keine Freunde. Sie kennen sich und Pete ist in Ordnung. Mehr aber auch nicht.
Eigentlich stört Pete, denn er spielt einfach ohne zu fragen an der Playstation, er isst das Essen, was eh kaum reicht und er ist im Wege.

Als Gloria von einer Hausdurchsuchung überrascht wird, verstecken sich Pete und Mister, aus Angst in ein Kinderheim zu müssen. Sie haben bereits durch Gerüchte gehört wie schlimm es dort sein soll. Kinder haben sich dort bereits vergiftet oder sind misshandelt worden. Für sie ist dieses Heim noch schlimmer, als ihr heruntergekommenes Zuhause. Denn alles was sie noch haben ist ihre Freiheit. Das Kinderheim würde ihnen auch noch das wegnehmen. Die Polizisten durchsuchen Glorias Wohnung und finden die Drogen. Normalerweise bedeutet das für Mister, das er 24 Stunden auf sich allein gestellt ist. Es hat auch schon einmal 2 Wochen gedauert, aber dann ist Gloria wieder da. Unentdeckt von den Polizisten sind Mister & Pete auf sich bis dahin alleingestellt. So versuchen die beiden Kinder zurechtzukommen. Sie teilen sich das letzte Brot und schmieren den letzten Rest Ketchup als Belag darauf. Doch die Zeit vergeht und Gloria kommt nicht heim. Als Mister sich nach einigen Wochen mit verstellter Stimme bei der Polizei erkundigt, erfährt er, das seine Mutter bereits vor einiger Zeit aus der Haft entlassen wurde. Ihm wird klar, das er nun die Verantwortung für Pete und natürlich sein eigenes Überleben übernehmen muss.

In erster Linie benötigen sie Lebensmittel. Freunde haben sie dabei keine und Hilfe ist auch nicht zu erwarten. Selbst diejenigen, die zuerst ein Hoffnungsschimmer zu sein scheinen, lassen die beiden dann doch im Stich. Verlassen können sie sich letztendlich nur auf sich selbst. Ein Hoffnungsschimmer ist ein Vorsprechen in Beverly Hills. Misters großer Traum. Er will Schauspieler werden, berühmt und reich. Der Termin ist in einem Monat. Dann wird hoffentlich alles gut. Mister & Pete sind gezwungen zu stehlen, zu betrügen und nach jedem Strohhalm zu greifen, der sich ihnen bietet. Ganz nach dem Vorbild aller anderen Menschen aus dem gleichem sozialem Umfeld. So gelingt es den beiden die kommenden Tage zu überstehen, bis sie letztendlich doch der Polizei in die Hände fallen und in das Kinderheim gebracht werden.

Eines Tages taucht Gloria dort auf um ihren Sohn abzuholen. Sie befindet sich in einem Rehabilitationsprogramm. Sie trägt einen Hosenanzug, der ihre Tattoos verdeckt. Ihre Haare sind gemacht und ihre Brüste bedeckt. Mister und Gloria stehen voreinander. Anfangs wünschte sich Mister seine Mutter würde endlich sterben. Jetzt hat er ein Bild bekommen, wie schwer es ist aus der Unterschicht emporzusteigen und gegen den ständigen Abwärtssog anzukämpfen.

Die Handlung bewegt. Auch wenn sie nicht sonderlich spektakulär, ja streckenweise sogar langatmig und bisweilen langweilig ist, ist die Aussagekraft dennoch enorm. Regisseur George Tillman Jr. hat eine Glanzleistung verbracht, indem er das Buch hier verfilmt hat. Dabei hat er sehr viel wert darauf gelegt, dass die wichtigen Punkte und handlungsprägnanten Elemente herausgearbeitet werden. Obwohl das gesamte Werk fast schon eine Art Dokumentation über das Leben der Amerikaner am gesellschaftlichen Abgrund ist, hat man zu keiner Zeit das Gefühl belehrt zu werden. Vielmehr bekommt man eine filmische Einsicht in den Alltag der Sozialschwachen und einen Eindruck davon, wie hart es nicht nur für Erwachsene ist. Der Zuschauer verliert zu keiner Zeit aus den Augen, dass in einem sogenannten, zivilisierten und wirtschaftlichen starken Land, auch Kinder von der Armut betroffen sind. Anders als in ärmeren Länder, wo die Kinder in die Armut hereingeboren werden und um sie herum schlicht die Möglichkeiten fehlen, wachsen die Kinder in Amerika mit dem Wissen auf, das um sie herum die Menschen in Wohlstand leben. Der vollbestückte Lebensmittelladen ist direkt vor ihrer Haustüre. Die leckersten Früchte und das saftigste Fleisch liegt direkt vor ihnen. Zum Greifen nahe, nicht einmal durch eine Scheibe geschützt oder irgendwie versperrt. Nein, es fehlt schlicht am nötigen Geld. Der Überfluss direkt vor Augen und doch soweit entfernt wie es nur möglich ist.
Es geht nicht darum die besten Markenklamotten zu besitzen, es geht nicht um ein neues Fahrrad mit 36 Gängen. Es geht um Lebensmittel – um darum, dass ein 13jähriger seine Kindheit nicht ausleben kann, weil er gezwungen ist, sich Sorgen darum zu machen den Tag zu überleben und das Hungergefühl zu stillen.

Hauptdarsteller Skylan Brooks kennt man bereits. Er ist trotz seines alters durchaus schon ein gekonnter Schauspieler. Was Skylan für diese Rolle nahezu perfekt macht, ist sein Körperbau. Er ist von jeher ein mit Haut überzogenes Skelett, was in diesem Werk der Hungersnot zur Untermalung dient. Als er sich nach einer körperlichen Auseinandersetzung (bei der er natürlich chancenlos unterliegt) im Spiegel betrachtet, sieht man jede einzelne Rippe und seine dünnen Ärmchen sind fast schon mitleiderregend.

Auch alle anderen Schauspieler machen ihren Job gut. Sie haben allesamt jedoch eher Nebenrollen und sind immer nur Szenenweise zu sehen. Zu bemerken ist da bestenfalls noch Jennifer Hudson als Mutter Gloria.
70%
Fazit:
Ein bemerkenswertes, filmisches Sozialdrama über einen 13jährigen Jungen der Unterschicht Amerikas. Alltag in den USA. Ein Werk, das zum Nachdenken anregt, dass solche Geschichten jeden Tag im wirtschaftsstärksten Land der Welt stattfinden. Jedem ist bewusst, dass es soetwas gibt. Jedem bekannt, dass es kein Einzelfall ist und jedem – nicht nur Amerikaner – begegnen täglich Menschen, die obdachlos oder am verhungern sind. Man verschließt viel zu oft die Augen davor, geht weiter und es ist viel zu einfach, diese Menschen aus dem Gedächtnis zu verdrängen.

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