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Das Leben war nach diesem Tag nichts mehr, das man lebt, sondern etwas das man nur noch erträgt.
Kritik von ( 91 ) am 19. 06. 2016 0 Kommentare
Der Film "Jane got a gun" interessierte mich von Anfang an sehr. Kam es doch zu reichlich Querelen bereits im Vorfeld und während der Produktion. Noch dazu wurde ein Drehbuch umgesetzt, welches zuvor auf der berüchtigten Blacklist der Hollywood Insider stand. Das alleine macht doch schon neugierig. Was macht das Skript aus, das es auf dieser Aufstellung zu finden ist?

Natalie Portman sehe ich allgemein gerne und ich weiß von ihr auch, dass sie in der Lage ist tiefsinnige und hintergründige Filme für ihre Arbeit auszuwählen und dann auch inspirierend umsetzen kann. Im Falle von "Jane got a gun " ist es nun sogar so, dass ihre eigene Firma mit an der Finanzierung des gesamten Projekts beteiligt war.

Mit diesem Backgroundwissen und Erwartungen gehe ich also an diesen Film heran...

Die Handlung:
1871, New Mexiko. Auf einer abgelegenen Farm lebt die Ehefrau und Mutter Jane. Sie führt ein ruhiges und friedliches Leben, nahezu alleine mit ihrer kleiner Tochter, da ihr Ehemann Bill "Ham" Hammond ein gesuchter Verbrecher ist. Ein Pelzverkäufer, der in seiner Vergangenheit der berüchtigten Bishop-Bande angehörte. Einer Bande, welche Jane früher einmal um Hilfe bat um in deren Trek mitreisen zu dürfen. Doch John Bishop (Ewan McGregor) sah in der alleinreisenden Frau eher die Möglichkeit mit ihr als Prostituierte, die niemand wirklich vermissen würde, Geld zu verdienen. Bill Hammond gehörte ebenfalls zu dieser Bande und hatte Mitleid mit Jane. Er befreite sie und floh mit ihr gemeinsam. Sie suchten sich ein Fleckchen Erde aus, welches nur von einer Seite aus zu erreichen ist. Hinter dem Haus versperrt ein steiler Bergabschnitt die Farm, links und rechts davon befinden sich Schluchten, die weder zu Pferd noch zu Fuß zu erklimmen sind. Insgesamt ist das Gebiet weit einsehbar. Dort sollen Jane und seine Tochter nun sicher sein, während er im gesamten Umland versucht seine Pelze zu verkaufen und das Geld für das Überleben zu verdienen. Ham ist dabei ständig der Gefahr ausgesetzt von den Gesetzeshütern gefasst zu werden, da auf ihn ein Kopfgeld ausgesetzt ist. Andererseits schreit sein ehemaliger Bandenchef John Bishop auch noch immer nach Rache, denn bei der Flucht von Jane & Bill wurden vier Bandenmitglieder erschossen.

Es kommt was kommen muss. Eines Tages torkelt Bill von Kugeln durchsiebt ins Haus und verkündet mit letzter Kraft, dass sie aufgeflogen sind und die Bishopbande auf dem Weg zur Farm ist. Sofort beschliesst Jane dieses Mal nicht wegzulaufen. Sie will ihren Mann gesund pflegen und um das Leben kämpfen. Hierzu wird die Tochter zunächst in Sicherheit gebracht, ein paar Stangen Dynamit und Schwarzpulver gekauft und ein Freund um Hilfe gebeten. Dieser Freund ist ihr ehemaliger Verlobter, der es in der Armee zu einem ruhmreichen Revolverheld gebracht hat - Dan Frost (gespielt von Joel Edgerton).
Ein paar Vorbereitungen werden getroffen und es kommt zum Endkampf...

Ach ja, es gibt noch eine kleine Nebenhandlung und ein paar Dinge aus der Vergangenheit, die man aber vernachlässigen kann, da sie im Grunde nur dem zu erwartendem Happy End dienlich sind.

Zum Film:
Ich hatte mich auf einen unterhaltsamen und tiefgründigen Western gefreut. Eine Frau in der Hauptrolle und als Held dieser Story? Klingt zunächst interessant.
Was dann auch gut beginnt, erreicht schnell ein gutes Niveau und die Story macht neugierig. Doch schon bald erfolgt keine weitere Steigerung mehr und jeder Handlungsstrang folgt genauso, wie man ihn erwarten würde - zu der Zeit zu dem man ihn erwartet. Das gesamte Schema ist viel zu vorhersehbar und nimmt dem Film Schritt für Schritt die Spannung. Man hätte während der Produktion in den Bereichen Emotionen, Action, Gewalt, Bildgewalt, Schnelligkeit und Spannung eine gehörige Portion drauflegen müssen, damit "Jane got a gun" im Kopf nachhallt. Leider ist es eher so, dass man nun den Film schaut und was bleibt ist, dass man sich unterhalten gefühlt hat und gut. Wenn aber jemand fragen sollte, ob man ihm einen guten Western empfehlen kann, dann würde man sich an "Jane got a gun" nicht erinnern und selbst wenn doch, dann wäre der erste Gedanke eher :"Ich fand ihn ganz gut, aber ist er auch weiterzuempfehlen?"
Ich persönlich würde dies nicht tun wollen, da ich lieber Filme nennen würde, die mit etwas Besonderem aufweisen und nicht im Durchschnitt verbleiben. Noch dazu sind die Rückblenden in die Vergangenheit oft unkontrolliert und manchmal nicht einmal zu unterscheiden. So weiß man nicht ob die gezeigte Szene letzlich zur Vergangenheit oder zur Gegenwart gehört.
Beispielsweise als Jane mit ihrer Tochter bei der Bishopbande auftaucht. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich nicht, dass sie zu noch ein zweites Kind hat/hatte. Sehr verwirrend daher. Außerdem versteht man zunächst nicht, welche Motivation den ehemaligen Verlobten treibt, Jane zur Seite zu stehen. Das alles wird viel zu dilettantisch ausgearbeitet, sowie auch einige der weiteren Motive.

Was mich persönlich am meisten störte ist, dass ich bei dem Titel "Jane got a gun" und bei meinen vorherigen Gedanken zum Film eine Produktion erwartete, die mit reichlich Frauenpower aufwartet und eine Revolverheldin zeigt, die ihren Weg mit Leichen pflastert oder die mit List und überlegendem Intellekt in der rauchen Männerwelt des Wilden Westens überlebt.
Absolute Fehlanzeige. In Wahrheit ist Jane ohne die Hilfe eines Mannes - und dabei speziell dem Verlobten - völlig hilflos und wäre bereits zur Mitte des Films vergewaltigt und Tod im Hinterhof verendet.
Schwachpunkt des gesamten Werkes ist ausgerechnet die Hauptdarstellerin Natalie Portman, die weder schauspielerisch zu überzeugen vermag noch von der gesamten Erscheinung her eine Frau verkörpert, der man abnehmen würde im Wilden Westen zu leben und dort den Widrigkeiten zu trotzen. Sie wirkt trotz der alten und einfachen Bekleidung eher elegant. Sie wohnt in einer Art Holzschuppen irgendwo im Nirgendwo und trotzdem hat man das Gefühl eine Königin stolziert vor ihrem Palast herum. Man könnte es noch nachvollziehen, wenn es gewollt wäre. Eine Blume in der Wüste vielleicht? Das dies aber der Absicht entspricht wage ich zu bezweifeln. Sollte ich mich irren, dann ist es einfach grottenschlecht herausgearbeitet worden.

Von Anfang an unter keinem gutem Stern:
Vor Beginn der Dreharbeiten musste bereits Michael Fassbender absagen. Angeblich, weil ihn die Arbeiten zum X-Men Film zu stark beanspruchten.
Es folgte der Ausstieg von Regisseurin Lynne Ramsay noch am ersten Drehtag. Sie erschien erst gar nicht am Set. Später warf man ihr Alkoholismus vor. Sie soll Darsteller beleidigt haben und die Sicherheitsvorgaben missachtet. Was wirklich vorgefallen war, weiß aber anscheinend niemand. Umgehend sprang Regisseur Gavin O´Connor ein. Damit wohl nicht so ganz einverstanden verließ Jude Law ebenfalls die Dreharbeiten. Schnell wurde Bradley Cooper engagiert, der zunächst zusagte, dann vermeintlich das Skript las und daraufhin gleich wieder das Handtuch warf.
Es folgte Ewan McGregor. Die vierte Wahl ...

Vermutlich ist dieses ganze Durcheinander für die Mittelmäßigkeit verantwortlich. Denn genauso wirkt dieser Streifen. Schnell und lustlos abgedreht - zwischen Tür und Angel.
65%
Fazit:
Mit "Jane got a gun" kommt mal wieder ein sehenswerter Western auf unsere Bildschirme, der sich nicht zu verstecken braucht, sich allerdings auch nicht besonders hervorhebt. Diesem Western fehlt es an Spannung und an kleinen Extras, die ihn aus der Masse hervorstechen lassen könnten. Im oberen Teil des Mittelmaßes zu verweilen scheint sowohl Produzenten und Regisseur, als auch den Schauspielern zu genügen. Das ist dann auch wirklich gelungen. Sehenswert.

Jane got a gun


2015

Action, Drama, Western

Zur Filmseite

Im Handel seit 13. 05. 2016


85%

Bildqualität


Bildformat: 16:9 - 2.40:1

Das Bild ist sehr klar und scharf. Mittlerweile sollte es eben Standard sein, dass man solche Blu Ray Filme auf einem UHD TV Gerät abspielen kann. Es kommt nun noch darauf an, dass man auch die Hintergrundfarben aufmerksam ausleuchtet und selbst bei solch einem auf alt getrimmten Streifen ist hier darauf geachtet worden nicht zu viel vom Sepia-Effekt zu verwenden.
Insgesamt ein schönes und passendes Bild.
75%

Tonqualität


DIe Blu Ray kommt im Deutsch (DTS-HD 5.1) & Englisch (DTS-HD 5.1) Soundvergnügen daher. Die Tonqualität der einzelnen Schüsse ist leider nicht so gut vertont worden und an vielen Stellen hätte ich mir ein wirklich kraftvolleres Tonerlebnis gewünscht.
Die Vertonung macht einen nicht unerheblichen Teil des Filmgenuß aus. Hier jedoch empfinde ich ihn als lediglich als gut, aber nicht explizit nennenswert.
0%

Bonusmaterial


* Nicht vorhanden *

(Bis auf eine Trailershow)

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