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Was ist nur aus den Gilmore Girls geworden?
Kritik von ( 91 ) am 07. 01. 2017 0 Kommentare
Was haben wir uns nicht alle über die Neuigkeit gefreut, dass nun doch noch einmal alle zusammengefunden haben, für die Fortsetzung der beliebten Serie über die Kaffeevernichtenden, stets schlagfertigen und meist spitzfindigen Gilmore Girls? Jede Aktualisierung des Produktionsstatus war ein kleiner Tropfen Hoffnung und steigerte die Erwartungen der Fans auf das, was dort kommt.

Netflix rührte zwar ungewöhnlich viel in der Werbetrommel, aber viel mehr sorgten die sozialen Netzwerke für eine blitzartige Verbreitung.
Die Gilmore Girls kommen, die Gilmore Girls kommen!

Im öffentlichen TV konnte man jede einzelne Staffel zur Einstimmung noch einmal anschauen. Die DVD Sammelbox war in kurzer Zeit ausverkauft und musste nachbestellt werden. Natürlich nicht ohne vorher den Preis anzuheben. Schließlich will ja jeder vom Hype profitieren.

Endlich war er da. Der 25 November.
Ab morgens 9 Uhr konnte man über Netflix die Serie starten. 4 Folgen die ein ganzes Jahr der Gilmore Girls abdecken sollten. Winter, Frühling, Sommer und Herbst. Da kann einiges passieren. Zu viel für 90 Minuten pro Quartal?
Einige meiner Freunde sind an diesem Tag der Arbeit fern geblieben. Ich hatte auch geplant Urlaub zu nehmen, aber es war einfach nicht möglich. Es gibt eben doch wichtigeres als eine TV Serie...

Zuhause angekommen, duschen, Chipstüte auf, Cola bereit und Netflix gestartet. Wer noch kein Abo hatte, konnte einen Probemonat nutzen. Jeder der wollte, konnte an der Fortsetzung teilhaben - und kann es noch.

Wie schreibt man nun eine Kritik über die Serie? Vor allem als Fan und dabei noch neutraler Kritiker?

Ich kann das nicht, ohne zu spoilern! Alleine schon deswegen nicht, weil ich doch einiges zu sagen habe, was mich sehr enttäuscht hat. Wer also nicht zu viel verraten bekommen möchte, sollte hier nicht weiterlesen.

Ich war gespannt: Was ist wohl aus den Charakteren geworden?
Lorelai Gilmore (Lauren Graham)- Die flippige, junge und jung gebliebene Mom vom Typ "Beste Freundin". Schlagfertig und zu jeder Zeit einen Spruch auf den Lippen, der direkt zu ihr passte. Eigentlich drehte sich eine ganze Kleinstadt nur um sie. Jeder mochte sie, einige liebten sie. Der Tratsch um Lorelai und ihre Familie war immer in aller Munde, weil jeder Lorelais Freund sein wollte.

Rory Gilmore (Alexis Bledel) - die personifizierte Mustertochter. Lieb, höflich, schüchtern, unschuldig und noch dazu eine vorbildliche Schülerin. Mit ehrgeizigen Zukunftszielen vor Augen.

Was hat Netflix daraus gemacht?

Ich bin schockiert! Die Produzenten haben zunächst einmal alles versucht, um die Klischees der Charaktere zu erfüllen. Ich sage bewusst "versucht", denn man hat förmlich gespürt wie zwanghaft die Sprüche herauskamen - ... und ihr Ziel verfehlten.

Lorelai ist in die Jahre gekommen und ihre Schlagfertigkeit ebenfalls. Oft wirkten die Antworten steiff und deplatziert. Fast schon hilflos in vielen Bereichen. Genau das passt nicht zum Charakter. Lorelai war stark! Als junge, alleinerziehende Mutter machte sie ihren Weg. Ohne Hilfe. Sie zog eine tolle Tochter groß. Energiegeladen und machte sich keine Gedanken über ihre Reputation.
Wo ist diese Frau geblieben? Übrig blieb Chaos. Zwar findet sie sich nun mit Luke wieder, aber die Schlagabtausche zwischen den beiden wirken müde. Wie zwei Greise die diskutieren. Wobei Waldorf & Stadler auf ihrem Balkon noch wesentlich lebendiger sind.
Die beste Freundin Sookie hat das gemeinsame Projekt - das Dragonfly Inn - verlassen. Insgesamt läuft das Hotel nicht so gut zur Zeit. Es ist ebenfalls in die Jahre gekommen und es fehlt an Wellnessmöglichkeiten etc. Sogar Michelle (Yanic Truesdale), der kleine, widerspenstige, französische Portier und Concierge überlegt Lorelai zu verlassen.

Was ist nur aus Rory Gilmore geworden? Sie hat einen Alibifreund, mit dem sie dauernd vergisst Schluss zu machen. Ein Running-Gag, der ebenfalls nicht zündet, sondern sie einfach billig wirken lässt. Sie trifft sich mit Logan (Matt Czuchry) auch noch hin und wieder. Der ist zwar verlobt, aber das stört Rory nicht. Sie nutzt die gemeinsame Zeit um ihr Ego aufzupolieren und für eine Dosis Sex mit dem Ex. Apropos, den hat sie auch mit One Night Stands. Dabei ist es ihr auch egal ob die gerade gemachte Bekanntschaft ein albernes Wookie-Kostüm trägt. Gelegenheit macht Liebe - oder zumindest billigen Sex mit späterem schlechten Gewissen. Da sie gerade eh arbeitslos ist und sie auch eigentlich niemand so richtig engagieren will - offenkundig da sie sich für etwas Besseres hält - hat sie die notwendige Zeit um die alte Zeitung in Stars Hollow wiederzubeleben. Der Anspruch an dieses Blatt beschränkt sich nahezu auf das Gedicht der Titelseite. Das diesem das einzige Interesse gilt, lassen die Bewohner Rory schnell wissen.
Als Hoffnungsschimmer - für uns Fans - schreibt Rory zumindest noch an einem Buch über ihr Leben mit ihrer Mutter.

Stars Hollow, der Ort in dem sie wohnen, ist auch langweiliger geworden. Einst ein Ort an dem jeder von uns gerne leben würde. Familiär, schön und perfekt. Heute nur noch Beiwerk.
Die Zeit ist einfach zu kurz um alle Charaktere der Stadt wieder ins Boot zu holen und um zu erfahren wie es ihnen ergangen ist.

Luke (gespielt von Scott Gordon-Patterson) sieht verdammt alt aus. Der Look ist der Selbe geblieben, aber unpassend mittlerweile. Ein bisschen hättet ihr ihn doch verändern können liebe Produzenten von Netflix? Es muss doch nicht alles so sein wie immer? Luke hätte seinem Stil ja treu bleiben können, aber doch bitte etwas attraktiver als immernoch die selben Klamotten wie vor Jahren. Uns Zuschauern ist doch klar, das Jahre vergangen sind und man sieht es den Darstellern auch direkt an! Einzig Dean (alias Jared Padalecki) hat sich weiterentwickelt anscheinend. Er ist stolzer Vater und hat sich ein Leben aufgebaut. Schade, das er nur einen Kurzauftritt hat.

Von Emily Gilmore (Kelly Bishop) mag ich ja gar nicht reden. Ihre neue Synchronstimme hat mich durchgehend irritiert, aber auch ihr ganzes Verhalten. Das sie rebelliert nach dem Tode ihres Manns Richard finde ich großartig. Die Idee sie aus den Zwängen ausbrechen zu lassen ist klasse, jedoch auch hier hapert es imens an der Umsetzung. So schlecht und oberflächlich inszeniert, dass es einem die Freude an diesem Charakter verhagelt.

Ein dickes Lob für die tolle Einflechtung und Erinnerung an Richard. Der Schauspieler Edward Herrmann ist ja leider bereits 2014 verstorben.

Das Ende. (SPOILERALARM!!)
Hier hat Netflix die Zuschauer in Lager gespalten. Das es zwischen Luke und Lorelai kommt wie es kommen musste ist verständlich. Doch dann kommt der letzte Satz von Rory, der die Gemeinde spaltet. Die Einen erwarten nun das die Serie weiter produziert wird und sehen dies genau in diesem Satz begründet. Die anderen, zu denen auch ich mich zähle, sehen eher einen Kreislauf, der nun wieder von vorne beginnt und damit die Produktion abschließt.
Ich würde mir natürlich noch ein weiteres Jahr Gilmore Girls wünschen... oder zwei oder auch drei.
75%
Fazit:
Ich habe mich riesig über die Fortsetzung der Gilmore Girls gefreut und tue dies noch immer. Trotz der vielen Kontroversen habe ich mich unterhalten gefühlt. Ich habe jede der neuen Folgen bereits zweimal geschaut.
Ich hoffe die Folgen werden auf Netflix so ein großer Erfolg, dass sie bereit sind weiter daran zu arbeiten. Vielleicht mit etwas mehr Zeit und Sorgfalt. Perfekt muss es ja gar nicht sein, aber es wäre schön wenn wieder die Leichtigkeit Einzug erhält. Wir wieder mitlachen und mitleiden können und die Charaktere wieder den Respekt und das Ansehen bekommen, den wir als Zuschauer und als Fans ihnen angedacht haben.

Lang leben die Gilmore Girls !

Gilmore Girls - ein neues Jahr


2016

Komödie, Drama, TV-Produktion

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Im Handel seit 25. 11. 2016


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