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Ein guter Neustart, "wenn ich mich nicht irre ..."!
Kritik von ( 455 ) am 16. 12. 2016 1 Kommentar
Die letzten Monate hatten es im "Winnetou"-Universum wirklich in sich, 2015 ist "Winnetou" in Form seines Darstellers Pierre Brice gestorben, doch bereits 2016 ist er durch Nik Xhelilaj wieder zum Leben erwacht.

PROLOG

Auch wenn so mancher es vielleicht gar nicht glauben kann, gibt es noch immer eine sehr große Fanbase rund um die „Winnetou“-Geschichten von Karl May. So ist es auch nicht wirklich verwunderlich, dass es bei vielen große Emotionen - ob gute oder weniger gute - ausgelöst hat, als vor wenigen Monaten bekannt wurde, dass RTL sich dazu entschlossen hat, einen neuen „Winnetou“-Dreiteiler ins TV zu bringen. Ja, richtig gelesen: „Winnetou“ kommt wieder ins Fernsehen.

Zum Zeitpunkt dieser Bekanntgabe war der - für viele einzig wahre - „alte“ Winnetou-Darsteller Pierre Brice noch unter uns und so stand die Frage natürlich im Raum, ob der beliebte Schauspieler auch in der Neuauflage mitwirken wird. Klarerweise nicht als Winnetou selbst, aber zB in der Rolle seines Vaters hätten viele den smarten Darsteller gerne gesehen. Spätestens durch seinen Tod waren aber natürlich alle Spekulationen umsonst.

Neben den Diskussionen, warum das Ganze „nur“ für das Fernsehen produziert wird und nicht für die große Kinoleinwand war natürlich die größte Frage, wer in diesem Remake die Rolle von Winnetou und Old Shatterhand übernehmen wird. Nach Bekanntgabe dieser - Nik Xhelilaj als Apachen Häuptling Winnetou und Wotan Wilke Möhring als Old Shatterhand - gab es recht schnell erste Bilder zu diesem geplanten TV-Projekt. Anfangs von den Schauplätzen, die „gecastet“ wurden - darunter auch sehr viele Plätze, die auch in den alten Winnetou-Filmen schon zu sehen waren - und recht schnell auch von den ersten Szenen. Und auch hier entbrannten dann Diskussionen unter den eingefleischten Fans. Es kann nicht sein, dass Winnetou nicht von einem echten Indianer gespielt wird, Winnetou ist doch kein Indianer, der eine Feder trägt oder gar mit nacktem Oberkörper zu sehen ist, … hier duellierten sich die „Buchfans“ der Reihe, mit den „Filmfans“ der vergangenen Zeit und den „Allgemeinen Winnetou-Sympathisanten“, die der Produktion bereits im Vorhinein einfach eine Chance geben wollen.

WINNETOU - EINE NEUE WELT

Der erste von drei Filmen hat auch gleich einen guten und vor allem passenden Zusatztitel: „Eine neue Welt“. Als (nicht hardcore) Fan der alten Filme muss ich sagen, dass es schon etwas ungewöhnlich war, andere Darsteller als Pierre Brice und Lex Barker in der Rolle der beiden bekannten Blutsbrüder zu sehen. Aber am schlimmsten war für mich der „neue“ Sam Hawkens, … wenn man Ralf Wolters „Wenn ich mich nicht irre, … Hi, hi, hi“ noch irgendwo im Gedächtnis gespeichert hat, dann ist man doch etwas wehmütig, wenn man diesen Satz nun von Milan Peschel zu hören bekommt. Es dauert also eine Weile, bis man sich - auch wenn man vollkommen unvoreingenommen an den Film gegangen ist - daran gewöhnt, wenn man die Namen Winnetou, Old Shatterhand und Co hört, dass man eben nun die Gesichter von Xhelilaj (was für ein Name) und Möhring dazu zu sehen bekommt. Aber es legt und zeigt sich sehr schnell, dass man scheinbar wirklich sehr viel Arbeit und Mühe in diese Produktion gelegt hat..

Das Remake ist auf jeden Fall keine 1:1 Kopie des ersten Winnetou-Films aus dem Jahr 1963. Es ist einiges sehr ähnlich, aber dann auch wieder nicht, was ich als sehr positiv empfunden habe.

Nachdem ich von diesem Projekt gehört hatte, waren meine Zweifel doch recht groß, doch ich muss nun gestehen, dass „Winnetou - Eine neue Welt“ ein durchaus ansehnlicher Film geworden ist.

DIE NEUEN DARSTELLER

Am Anfang gleich vorweg - alle machen Ihre Sache recht gut, wirklich herausstechen kann aber aus meiner Sicht keiner. Auch wenn man im Leben nicht immer vergleichen soll, muss man doch sagen, dass ein Wotan Wilke Möhring es halt doch schwer hat zu überzeugen, wenn man im Hinterkopf für diese Rolle eine Mann wie Lex Barker hat. Wie vorhin schon erwähnt tut es mir besonders für die Sam Hawkens Rolle leid, weil ich finde, dass diese von Milan Peschel (vielleicht ändert es sich in den nächsten beiden Filmen ja noch) leider einfach nicht so originell und genial gespielt wird, wie es damals ein Ralf Wolter tat. Jürgen Vogel als Rattler war auch recht gut besetzt, wobei er Anfangs fast ein wenig übertrieben hat, in seiner Darstellung. Zu Xhelilaj gibt es nach diesem ersten Film noch gar nicht so viel zu sagen, er macht seine Sache bisher recht gut.
72%
Fazit:
Mir hat der erste Film zum Winnetou-Remake überraschend gut gefallen. Nach anfänglicher Eingewöhnungsphase war es dann ein ansehnlicher Film, der in seiner Gesamtheit zu durchaus überzeugen konnte. Ein Meisterwerk sehe ich darin nicht, aber für deutsche Filmverhältnisse und dem Druck des Vergleichs, mit den beliebten alten Filmen und Darstellern, war das Ganze schon recht ordentlich. Fans dieser Karl May Geschichten rund um Winnetou und Co können also ruhig einen Kauf riskieren oder aber zumindest zu Weihnachten vor dem TV Platz nehmen.

Winnetou - Eine neue Welt


2016

Western

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Im Handel seit 23. 12. 2016


Kommentare (1)


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Chev
30.12.16 - 11:38
Ein guter Kommentar, der den Vergleich nicht scheut. Ich bin in einigen Punkten deiner Meinung - in anderen doch eher kritischer.
Liegt vermutlich an der unterschiedlichen Ausgangslage. Ich bin schon nicht damit einverstanden die alten Filme zu kopieren.
Wenn jemand die Mona Lisa nachmalt, und egal wie gut es ist, es bleibt eine Kopie.
In diesem Fall hätte man entweder wirklich versuchen sollen nach allen Kräften sich am Original zu orientieren (falls das die Absicht war gruselt es mich) oder eben eine eigene Interpretation auf die Leinwand zu bringen. Da ich zweiteres vermute muss ich sagen, haben mich vor allem anderen die grauenhaften Dialoge gestört und auch die Charaktere waren total verformt.
Nein, das war - zumindest nach meinem Empfinden - kein Tribut an Karl May.

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