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5 Kritik: Knight and Day


Mit den »Mission Impossible«-Filmen hat Tom Cruise seinen Namen erfolgreich mit dem Agententum verbunden. Nachdem er 2008 in »Operation Walküre« zu sehen war, kehrt er nun in »Knight and Day« als Geheimagent zurück. Seine Aufgabe: Er muss eine unerschöpfliche Energiequelle schützen. Die Probleme: Die chaotische Cameron Diaz und ein Haufen Leute, die an seine Batterie wollen. Die Lösung: Waffen, Munition und trockener Humor. Das Ergebnis: Realitätsfern, heroisch, unterhaltsam.

Damit liegt »Knight and Day« im Einklang mit den Erwartungen, die die ersten Trailer im Idealfall hochkommen ließen. Sie machten klar, dass James Mangold keinen ernsthaften Agenten-Thriller inszenieren und Patrick O’Neill keine solche Geschichte schreiben wollte. Kurzweilig sollte er sein, die Zuschauer ab und zu zum Lachen bringen und ordentlich auf die Kacke hauen. Cruise in der Rolle des kleinen Kontrollfreaks Roy Miller schafft besonders letzteres betont cool – gelegentlich gar zu cool. Nehmen wir die Eröffnungsszene als Beispiel: Hier trifft er zum ersten Mal auf June (Cameron Diaz) und verrät ihr unterschwellig, dass sie lieber ein anderes Flugzeug nehmen sollte. Scheinbar ahnt er, was ihr andernfalls bevorsteht – was wiederum bedeutet, dass er wissen muss, wer im Passagierraum auf ihn wartet. Warum er trotzdem einsteigt, weiß der Himmel, vielleicht ist er nur ein bisschen bekloppt; Logikfehler solcherart schleichen sich übrigens des Öfteren ein. Jedenfalls bemerkt June seine latente 1-Satz-Warnung nicht. Ein paar Minuten später zieht sie sich auf die Toilette zurück und Roy macht all seine Widersacher im Handumdrehen platt. Denn seine Fäuste fliegen schneller als die von Bruce Lee, seine Schießkünste lassen selbst die besten Scharfschützen alt aussehen. Kurzum: Er ist ein Superheld ohne Uniform und seine Charakterzüge dadurch recht vorhersehbar. Aufgrund seiner Unschlagbarkeit bekommt er nur sehr selten eine gepfeffert und ahnt nahezu magisch mancherlei vermeintliche Angriffe voraus – was teilweise in bizarren bis lustigen Szenen mündet.

In einem kleinen Restaurant haut er beispielsweise einen Kerl a la Chuck Norris um, muss danach aber erkennen, dass das nicht nötig war, woraufhin er brüllt: »Entschuldigung! Ich dachte, er wollte Dummheiten machen, es war aber nur Kuchen!« Diese Art von trockenem Humor, der am ehesten dem brutalen und gewalttätigen Slapstick zuzuordnen ist, zieht sich wie ein roter Faden durch den kompletten Film. Manchmal bringt er den Zuschauer zum Schmunzeln, manchmal zum Gähnen, manchmal entlockt er gar keine Reaktion. Etwas besser funktioniert da schon June, die weit weniger vorhersehbar ist als Roy. Die Chaotin lässt sich gern zu cholerischen Aktionen hinreißen und bringt dadurch Leben in »Knight and Day«, der aber nie tiefer als bis in die Oberfläche dringt. Dass Roy etwas an June findet und andersherum ist natürlich kein Geheimnis, nur entwickelt sich ihre Beziehung kaum, weil sie fast permanent mit Schießereien und Verfolgungsjagten beschäftigt sind. Andererseits zeugen die relativ wenigen und kurzen Dialoge auch so schon nicht von Kreativität, weshalb man sich kaum sicher sein kann, dass durch weniger Action die Charakterentwicklung durch mehr Konversation vorangetrieben werden würde. Und so bleibt zuletzt nicht mehr als konventionelle Action übrig, die zwar wenig innovativ oder realistisch ist, aber immerhin unterhaltsam. Explodierende Autos, wilde Schießereien, rasante Verfolgungsjagten – kein Novum, für anspruchslose Actionfans allerdings sicher einen Blick wert.

Fazit:
Eigentlich füllt »Knight and Day« eine Lücke, die seit längerem offen ist: Die der Anspruchslosigkeit. Natürlich ist der Film mit Cruise und Diaz kein Geniestreich, keine Geschichte, über die man lange sinnieren muss und ganz sicher nichts, worüber man nach dem Sehen lange reden wird. Trotz aller Logikfehler, durchwachsener Dialoge und der gelegentlichen Vorhersehbarkeit ist er eines: eine unterhaltsame Actionkomödie für zwischendurch. Falls man denn darauf steht.

Wertung: 6,5/10

Dein Kommentar

Kommentare (6)

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GAST
25.07.2010 - 02:48
Auch wenn Cameron Diaz mit diesem Streifen den Tod Ihres Vaters zu verarbeiten versucht: Am liebsten würde man die Frau aus dem Film schneiden; Sie spielt dauerhaft auf Schultheater-Niveau. Tom Cruise hingegen kommt ausnahmsweise (Evtl. wg. Diaz Leistung) richtig cool rüber. Der Film an sich unterhält trotz einiger Logikfehler.

Filmfreak
25.07.2010 - 13:40
Merci für Deine Kritik Daniel.
Irgendwie aber ne recht schwache Inszenierung, was man da so von Dir lesen darf.
Schade!
Da war mehr drin!

Filmosoph
25.07.2010 - 16:28
Schöne Kritik, bestätigt eh irgendwie meine Erwartungshaltung: Action, Spaß und Action!!!

Filmosoph
06.08.2010 - 17:17
Dass der Film (nach der Sichtung) die Lücke der Anspruchslosigkeit erfüllt habe, kann ich nicht bestätigen: Es gibt en masse solche Filme.

Aber was eine der faszinierendsten Tatsachen im Kino (und Musikgeschäft ) ist: Wenn ein Film neu ist, ist er interessanter als ein alter. Selbst wenn der neuere schlechter ist als der alte, ist für viele der neue interessanter.

Daher ist Knight and Day gewissermaßen "interessant": Aber er schließt keine Lücke.

Ich fand besonders die 1. Hälfte des Filmes cool und witzig: Aber um die Hälfte des Filmes macht sich eine seltsame Lethargie beim Zuseher bemerkbar: Die Reizüberflutung ist der Inszenierung zu verdanken.

Es wäre weit mehr drin gewesen, aber das Ergebnis ist Durchschnittlich.

(Dies war ein Diskussionsbeitrag Smile)

Filmfreak
06.08.2010 - 17:21
Mit der Tatsache welche Du hier schilderst stimme ich Dir überein Markus bezüglich neuer Film oftmals interessanter als ein alter.
Kann das sehr gut an meiner Freundin fest machen!

Schöner Diskussionsanstoß Wink

Filmosoph
24.11.2010 - 15:45
Der Film erscheint in einer extended Version. Werd' ich mir holen.

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