Je größer der Hype um einen Film, desto beschissener selbiger. Eine Aussprache, die nur allzu oft zutrifft und die sich sicherlich nicht nur auf die Produkte der Filmindustrie begrenzen lässt - in diesem Fall belassen wir es aber bei einem von ihnen. Mit sexy Fotos von Michelle Rodriguez, die auf einem Schlachtfeld mit einer Waffe posiert, böse guckt und dabei obenrum nicht besonders viel trägt, mit Lindsay Lohan als waffennärrische Nonne, Robert De Niro in der Rolle eines rassistischen Schlipsträgers und Danny Trejo als gewaltbereiter.. nun ja, Typ von den Bundesbehörden hat man uns im Vorfeld heiß gemacht. Actionreich versprach das Projekt von Ethan Maniquis (Regie), Robert Rodriguez (Regie, Drehbuch) und Álvaro Rodríguez (Drehbuch) zu sein. Zu viel versprochen schien das freilich nicht, weil es neben den genannten Darstellern weitere große Namen zu lesen gab, wie zum Beispiel Steven Seagal und Jessica Alba - und weil erste Spots unterhaltsam wirkten. Aber wie so oft im Leben folgt auf die große Erwartung die große Enttäuschung.
Wer macht die Sauerei wieder sauber?
Machete Cortez (Danny Trejo) ist ein Mann, wie er im Buche steht: Groß wie ein Baum, breit wie zwei Schränke und ausgerüstet mit mehr Waffen als die Bundeswehr. Kein Kerl also, mit dem gut Kirschen essen ist, doch jemand scheint das nicht zu wissen. Zumindest beginnt der Film mit der Ermordung seiner Familie, Machete entkommt nur knapp. "Knapp" dürft ihr jedoch nicht falsch verstehen, mit "knapp" ist nämlich nicht gemeint, dass er in letzter Minute doch noch die Fliege machen kann, sondern dass er eine winzige Möglichkeit der Unaufmerksamkeit seiner Feinde nutzt, um ihnen buchstäblich den Kopf abzuschlagen. Binnen weniger Sekunden verwandelt er sein Haus in einen riesigen Saustall aus Blut, abgetrennten Köpfen und Torsos. Ihm selbst fehlt natürlich nichts, jedenfalls merkt man ihm nichts an. Auch dass seine Frau samt Kind vor seinen Augen hingerichtet wurde - es scheint ihm nicht mehr zu bedeuten, als hätte eine Fliegenklatsche ihre Arbeit getan. Keine Träne wird vergossen, keine Rache geschworen, keine Melodramatik kommt auf. Der unantastbare Held. Großartig. Vielleicht hat er aber einfach keine Eier (wem das zu vulgär ist, soll an dieser Stelle nicht weiterlesen sondern sich fragen, woher er solche Synonyme kennt) und beschließt deshalb, ein neues Leben in Texas anzufangen. Wohlgemerkt war Machete vorher bei der mexikanischen Bundespolizei (for real), schmeißt all das aber hin, um seine Vergangenheit hinter sich zu lassen.
Überraschung: Es funktioniert nicht.
Schuld daran trägt Machete (was ist das überhaupt für ein Name?) selbst, weil er illegal über die Grenze gehopst ist. Nicht lange dauert es, bis Michael Booth (Jeff Fahey) auf den Wahltexaner aufmerksam wird und ihn erpresst: Machete soll den republikanischen Senator John McLaughlin (Robert De Niro) umpusten, wenn er nicht abgeschoben werden will. McLaughlin ist eine Mischung aus Sarah Palin, John McCain, der Tea Party und einem beliebigen Nazi. Er will mit Hilfe eines elektrischen Zaunes die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko definieren, vor allem aber will er unerlaubt eingewanderte Mexikaner loswerden. Um Wähler zu ködern, vergleicht er die Illegalen gern mit Parasiten und hetzt mit allen möglichen Mitteln. Ein richtiger Drecksack also, dessen Dahinscheiden ganz und gar nicht schade wäre - und der von De Niro zwar gewohnt glaubhaft dargestellt wird, dem es aber am letzten Feinschliff mangelt. Möglicherweise geht dieser Eindruck darauf zurück, dass der Senator recht selten zu sehen ist, obwohl die Handlung maßgeblich auf ihm aufbaut. Abgesehen von moralischen Gründen wäre sein Tod ebenso für Luz (Michelle Rodriguez) willkommen. Als She (Achtung: Wortspiel, "She" wird nämlich "Che" ausgesprochen, so wie Che Guevara) hilft sie in einem Netzwerk den Neuankömmlingen aus Mexiko. Ihr gefallen die Hetztiraden des Politikers folglich ganz und gar nicht, Etwas dagegen tun will sie trotzdem nicht, was mitunter daran liegt, dass ihr Netzwerk alles andere als legitim ist.
Nackte Tatsachen
Doch läuft ihr eines Tages Machete über den Weg. Der hat inzwischen ein weiteres Problemchen am Hals, nämlich Sartana Rivera (Jessica Alba). Die hübsche Einwanderungsbeamtin will ihre Karriere vorantreiben, da käme ihr seine Verhaftung gerade recht. Erstmal lässt sie es aber bleiben und versucht, einen bösen Cop zu mimen. Alba ist toll, ja, aber die taffe Beamtin nimmt man ihr schlichtweg nicht ab. Vor allem setzt sie mit ihrem Eintreten eine Ficksprache in Gang, die ihresgleichen sucht. Zum Beispiel sagt sie über Machete, er sei ein Typ von der Sorte "Wenn du mich nicht fickst, ficke ich dich nicht". Das lässt sie nicht unbedingt glaubwürdiger erscheinen. Immer dann, wenn sie versucht, sich mit bitterbösem Gesichtsausdruck durchzusetzen und hart zu sein, möchte man sie unwillkürlich in den Arm nehmen. Putzig. Deutlich besser in der Rolle von Sartana hätte Michelle Rodriguez gefallen, die von einer frechen Aura umgeben wird und der man überdies glaubt, dass sie bereit wäre, Anderen in den Hintern zu treten. Eigentlich ist das alles wurscht, da man von der Handlung und der Charaktertiefe sowieso nicht viel merkt. »Machete« macht den Anschein, nichts - nichts! - erzählen zu wollen oder zu können. Die Dialoge sind flach, bisweilen wiederholend, politische Reden vom Senator sind lächerlich und würden, wäre der Film realitätsnah, nur müde belächelt werden.
Den letzten Trumpf, den die Machher im Ärmel zu haben meinen, ist der der Skandale. Zunächst lassen sie Lindsay Lohan nackt durchs Bild rennen, bevor sie sie als Nonne verkleiden und schwer bewaffnen. Und auch der hiesige Pfarrer scheint besser mit Knarren umgehen zu können als mit der Bibel und dem Weihrauch. Wen will man damit schockieren? Gläubige? Den Papst? Den Ottonormalo? Gähn. Da hilft auch nicht, dass man Jessica Alba kurz von hinten im Evakostüm sieht (was übrigens nur einer digitalen Nachbearbeitung zu verdanken ist), weil man das Bild angesichts der übertriebenen Gewalt sowieso schnell wieder vergisst - und es eh nur wenige Momente dauert. Denn Machete heißt wahrlich nicht umsonst Machete, Machete kämpft gern mit der Machete. Das bedeutet es bleibt nicht bei der blutigen Eröffnungsszene: Er hackt Arme ab, schlägt die Klinge durch Schädel und so weiter. Dazwischen wird geballert, ein bisschen was explodiert auch. Allerdings ist das nicht unbedingt das, was man unter knallharter, unterhaltsamer Action versteht; es ist mehr ein stumpfes Massaker, das zu Beginn zwar neuwertig scheint - da selten in solchem Ausmaß gesehen -, mit der Zeit jedoch monoton wird. In Sachen Action war z.B. »The Expendables« um Meilen besser, zumal es dort keine nervige Budget-Western-Kamera gab, die mitten im Geschehen auf das Gesicht eines der Schauspieler zoomt. Ein paar Dinge muss man »Machete« dennoch zusprechen: Die Schauspieler sind insgesamt in Ordnung, einige wenige coole Sprüche kommen an und vielleicht trifft McLaughlins Wahlkampagnie den Nerv von amerikanischen Zuschauern besser, die solche übertriebenen Wahlkämpfe wohl eher gewohnt sind als wir Europäer - und somit eine Art Satire oder sowas darin sehen.
Fazit:
»Machete« lässt sich mit nur vier Worten zusammenfassen: Viel Blut, wenig Hirn. Vermutlich sollte die "Geschichte" um Machete ein Männerfilm werden, actiongeladen bis zum Erbrechen, aufgwertet mit halbnackten Damen und unkonventionell. Zumindest letzteres ist zweifellos gelungen, jedoch ist das keine Substanz, um jemanden dazu zu bringen, knapp 1 Stunde und 30 Minuten seines Lebens dem Film zu widmen. Viel mehr als abgeschlagene Köpfe und ein Höchstmaß an Brutalität wird einem nämlich nicht geboten - unterm Strich bleibt selbst die Action in Sachen Kurzweiligkeit auf der Strecke. Stattdessen gibts dümmliche Gespräche, durchwachsene Schauspielleistung und letztendlich nicht viel, das hängen bleibt.
Wertung: 4,5/10