1 Kritik   2 Kommentare

Der Bockerer

DEINE MEINUNG?


1981

Genre: Drama, Geschichte

Spieldauer: ~ 106 Minuten

Regie: Franz Antel

Cast: Karl Merkatz, Sieghardt Rupp, Regina Sattler, Gustav Knuth, Hans Holt, Marte Harell, Alfred Böhm, Rolf Kutschera, Senta Wengraf, Ida Krottendorf, Marianne Nentwich, Michael Schottenberg, Klausjürgen Wussow, Heinz Marecek, Georg Schuchter, Brigitte Swoboda

Kurzbeschreibung: Karl Merkatz spielt ihn, diesen Bockerer, der widerborstig seinen eigenen "unverbesserlichen" und "eigensinnigen" Weg durch die NS-Jahre Österreichs geht und sich auch nicht davon irritieren läßt, daß sein Weib als Hitler-Fan und sein Sohn als SA-Mann das Heim-ins-Reich-Holen der "Ostmark" feiern. Der Bockerer ist nicht gerade ein engagierter Widerstandskämpfer, aber es gelingt ihm, sich einen Freibrief (man könnte auch sagen: Jagdschein) zu verschaffen und sich relativ unbehelligt durch die mißlichen Umstände zu lavieren. Daß er die Hand partout nicht zum Hitler-Gruß erheben kann, bestätigt ihm ein ärztliches Attest, daß er beim Auf- und Einrollen der Hakenkreuzfahne Probleme hat, ist sicher nur seiner irreparablen Trotteligkeit zuzuschreiben und daß das Hitlerbild keinen Platz in der Auslage seiner Metzgerei bekommt, liegt daran, daß da schon ein Schweinskopf Werbung macht. Der Antel-Version dieses Stoffes geht nicht der drastische Witz der herrlich wienerischen Schmäh-Dialoge ab, und auch die Situationen treffen gnadenlos ins Schwarze, wenn sich etwa Vater und Sohn plötzlich mit der Waffe in der Hand als Feinde gegenüber stehen oder die feinen Wiener Kreise den Proleten Hitler zu schätzen wissen, da er mit dem "Gesindel" in den Arbeitslagern aufräumt.


Filmkommentare (2)


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8martin
19.01.13 - 18:02
Ein zu Unrecht wenig beachteter Aufklärungsfilm über die Nazizeit. Er wird oft als Politposse abgetan. Dem widersprechen allerdings die Dokumentaraufnahmen vom 2. Weltkrieg. Es ist ein Lehrstück über die Zivilcourage eines kleinen Mannes (überzeugend Karl Merkatz), der auf seine Art mit dem gesunden Menschenverstand gegen die Nazi-Besatzer in Österreich Widerstand leistet, ohne sich zu verbiegen. Die historisch korrekten Details werden mit dem österreichischen Charme verbunden und pointiert zu einer bissigen, knallharten Satire. Alles wird sehr anschaulich geschildert. Nicht nur die Schikanen und Pogrome gegen die jüdische Bevölkerung werden in drastischer Form gezeigt, auch die Arroganz der Nazis inklusive ihrer homosexuellen Neigungen. Mit Fachausdrücken wie den ‘Nürnberger Gesetzen und dem ‘Ariernachweis‘ wird Geschichte verständlich aufgearbeitet. Es gibt Mitläufer, Handlanger und Kriegsgewinnler, Enteignung und Räumung. Das Bewegendste ist die ganz persönliche Zerrissenheit, die den Keil mitten durch die Familie treibt. Ein Vollwaise wird durch den Krieg zum Enkel, ein Irrer tritt in Bockerers Fieberfantasien als Hitler auf. Viele kleine Details runden das stimmige Gesamtbild ab, manche werden überspitzt zu einem genialen Coup, wie das Aufhängen der NS Fahne.
In der Aussage zeitlos gültig, hat der Film nichts an Brisanz eingebüßt. Er sollte Pflichtprogramm in der Schule sein, um den Unbelehrbaren entgegenzuwirken. Die 3 folgenden Teile sind nicht schlecht. Sind halt nur Folgen…

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kurenschaub
28.01.10 - 14:40
Vom Mundl zum Bockerer, Karl Merkatz ist prädestiniert für solche Rollen und läuft auch hier, im ersten und bei weiten besten Teil zur überaus bestechlichen Hochform auf. Ihm nimmt man alles total ab was er da so zum besten gibt und man glaubt wirklich seine Name wäre BOCKERER. Ein faszinierendes Stück Erzählung in der Nazi Zeit, welches auch von all den anderen traumhaft spielenden Mitwirkenden getragen wird. Ganz, ganz super!

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