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Effi Briest
89.0/100

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Effi Briest

FILM • 1974 • 2 Std. 15 Min.


Regie: Rainer Werner Fassbinder

Darsteller/-innen: Eva Mattes, Irm Hermann, Hanna Schygulla, Rudolf Lenz, Karl Scheydt, Ursula Strätz, Wolfgang Schenck, Lilo Pempeit, Herbert Steinmetz, Barbara Lass

Genre: Drama



Die Geschichte einer Ehebrecherin, die aus Unerfülltheit und Langeweile einem leichtsinnigen Liebhaber anheimfällt. Ihr Mann, Baron von Instetten, mit dem sie früh verheiratet wurde und der versäumte ihrem Leben Erfüllung zu geben, entdeckt diesen Fehltritt erst nach Jahren und durch Zufall. Nicht aus Leidenschaft und spontaner Rachsucht, sondern aus Komment und Pedanterie tötet er den Liebhaber im Duell. Effi wird geschieden und aus ihren Kreisen ausgeschlossen, sie stirbt frühzeitig an Gram und Einsamkeit.


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8martin

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14.01.20 - 10:16
Zum Ausklang des Fontane Jahres hat das deutsche Fernsehen die Effi Briest von R.W.F. ausgestrahlt. Es gibt mehrere Verfilmungen des Fontane Stoffes. Diese hier ist zweifellos eine der besten. Nicht nur weil R.W.F. hier keine seiner sonst üblichen Manierismen verwendet, sondern eine gediegene, realistische Version des großen romantischen Realisten vorgelegt hat. Es wird deutlich wie progressiv Fontane zu seiner Zeit war. Der ganze Roman ist eine emanzipatorische Befreiung einer jungen Frau (Hanna Schygulla in der Titelrolle) aus den rigiden Zwängen eines preußischen Obrigkeitsstaates. Man versteht auch die seelischen Qualen und Gewissensbisse von Effi. Die R.W.F. Edition zeigt sowohl das Dahinsiechen als auch das wieder erlangte Glücksgefühl der Heldin, sowohl ihre Gewissensbisse als auch das Schuld–Sühne Problem. Ganz ruhig diskutieren die Eltern (Lilo Pempeit und Herbert Steinmetz), was sie falsch gemacht haben oder ob Effi einfach nur zu jung (18!) für die Ehe war. Ihr Ehemann (Wolfgang Schenck) vertritt gradlinig und autoritär die alte Ordnung und die hochgelobten Tugenden des ausgehenden 19. Jahrhunderts (Festigkeit und eine reine Seele). Damit macht er auch Karriere – das ist sein Leibersatz für das verlorengegangene bzw. nie gekannte Glück. Dabei ist der sogenannte ‘Fehltritt‘ von Effi (geheime Treffen mit Major Crampas (Ulli Lommel)) viel geringer als der von Ryans Tochter.
Die Nebenrollen sind interessant besetzt. Hier glänzen Darsteller wie Böhm und Lenz, die man eher aus anderen Genres kennt. R.W.F. hat sich ganz zurückgenommen und nur Fontane eine Stimme gegeben mit seinem Off Kommentar. Hier wird deutlich, dass das System den Angstapparat als Kalkül einsetzt. Und das Duell lehnt Fontane natürlich auch ab. (‘Unser Ehrenkodex ist Götzendienst.‘) Zwei Frauenfiguren begegnet Effi: wenn die Künstlerin Marietta (Barbara Valentin) singt, werden Steine zu Wasser und die Amme Roswitha (Ursula Strätz) steht für vergleichbares, erlittenes Unrecht und gesunden Menschenverstand. Im patriarchalischen System bekommt natürlich der Vater die Tochter in Obhut. R.W.F. zeigt wie modern Fontane immer noch ist.

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