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Lulu

DEINE MEINUNG?


2006

Genre: Drama, Musik, Romanze

Spieldauer: ~ 120 Minuten

Regie: Uwe Janson

Cast: Matthias Schweighöfer, Jessica Schwarz, Alexander Scheer, Dirk Borchardt, Sylvester Groth, Carlo Ljubek, Wolfgang Packhäuser, Esther Zimmering, Nike Fuhrmann, Max Hopp

Kurzbeschreibung: Sie ist Mutter aller männerverschlingenden Luderfiguren der jüngeren Kulturgeschichte: Wedekinds Lulu. Basierend auf dem ausufernden und selten je in vollem Umfang aufgeführten Drama destillierte Regisseur Uwe Janson eine zweistündige Fassung heraus: Die Handlung in einem einzigen Gebäude entfaltend, Aufstieg und Fall der Lulu, symbolisiert durch einen irrlichternden Wandelgang durch ein "Hotel absurd". Jessica Schwarz hat sich mit ihrem filmischen Theaterdebüt einen würdigen Platz in der Deutungsgeschichte dieser ewigen Theaterfigur auf famose Weise erspielt.


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kurenschaub
22.07.12 - 10:31
Radikales, starkes und eigenwilliges Kunsthighlight - eine überaus gelungene Verschmelzung des Theaters mit Fernsehkombination (Arte - ZDF Theaterkanal)
Lulu ist der Aufsehen erregende Stoff von Frank Wedekind (1846 - 1918), welcher eine Hure in den Zenit eines packenden Dramas stellt und für die der Schöpfer ein halbes Jahr wegen Majestätsbeleidigung Festungshaft zu verbüßen hatte. Wegen dem unerschrockenen Aufbrechen spießbürgerlicher Denkensweisen natürlich auch.
Uwe Janson hat die einstige Lulu in`s Jetzt gebeamt , die triefende Spießbürgerlichkeit, die Wedekind mit seinen überbordenden Unzüchtigkeiten niedermachte und ankreidete,ist nun den liebesunfähigen heutigen Kühlherzen gewidmet und uns wird die eigene Verdorbenheit und das abgründig in uns wohnende unausgesprochene sexuelle Wunschdenken mit einer großen Fliegenklatsche in´s Gesicht geknallt, so überzeugend verrucht, kompromisslos und überaus genussvoll, wie es uns einst schon Wedekind so bizarr vorgeführt hat.
Eine höchst anspruchsvolle Meisterleistung, welche sich in einem einzigen Gebäude
spiegelnd vor unseren entsetzten (verletzten ) Gefühlen auftut, dies ist der fiktive aber Vergangenheits orientierte gegenwärtige Aufstieg und Fall der Lulu, vom Prunk der ersten Minuten bis zu den düsteren Bildern der auslaufenden deprimierenden Szenarien, immer wieder eine erstaunliche Odyssee durch Welten des Irrlichtes - ein bravouröses Ensemble - ein gut informierter Reiseführer (Uwe Janson) zwischen der schemenhaften Licht und Schatten werfenden Wendeltreppe im "Hotel der verücktesten Möglichkeiten."
Jessica Schwarz ist als Lulu, dieser männermordende "Femme Fatale" Figur einfach überragend, Darsteller, Kulisse und jedigliches Rundherum bemerkenswert. da steckt Schweiß, Liebe und Bereitschaft zum "Alles geben" dahinter.
Aber Vorsicht, 120 Minuten der höchsten Aufmerksamkeit inkl. dem Ausshalten der zeitweise provokant eingesetzten Handwackelkamera und dem Interesse am Außergewöhnlichen werden vorausgesetzt!

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