Mittwoch, 20. Juni 2018
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Liebe

DEINE MEINUNG?


2012

Genre: Drama

Spieldauer: ~ 122 Minuten

Regie: Michael Haneke

Cast: Isabelle Huppert, Dinara Drukarova, Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva, Carole Franck, William Shimell, Laurent Capelluto, Rita Blanco, Alexandre Tharaud

Kurzbeschreibung: Georg (Jean-Louis Trintignant) und Anna (Emmanuelle Riva) sind um die 80, kultivierte Musikprofessoren im Ruhestand. Die Tochter (Isabelle Huppert), ebenfalls Musikerin, lebt mit ihrer Familie im Ausland. Eines Tages hat Anna einen Anfall - es beginnt eine Bewährungsprobe für die Liebe des alten Paares.


Filmkommentare (1)


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kurenschaub
04.10.12 - 10:28
Michael Hanekes "Liebe" ist ein sehr stilles, aber intensiv atemberaubendes Stück der leisen, tief beeindruckenden Bilder geworden, erschaffen durch die Meisterhand eines genialen Regisseurs und durch zwei enorm berührende "Altersdarsteller" der allerhöchsten Qualitätsstufe - ein schier erdrückendes Melodram auf der letzten grausamen Station des Menschseins.
"Zwischen Emmanuelle Riva und mir hat es sich angefühlt, als wären wir schon 60 Jahre ein Paar"! meint Jean Lois Trintignant trefflich und man spürt es in jeder Minute dieses filmischen Kunstwerkes.
Der Autor dieser Zeilen hat zusammen mit seiner Frau und einem Sohn selbst eine schwer kranke, demente (der Welt entrückte bettlägrige) Mutter über 8 Jahre lang bis zu ihrem Tod gepflegt und kann die NACKTE Realität (wie sie uns diese hochsensible Geschichte in`s Gesicht klatscht) nur bestätigen. Alles ist ziemlich genauso wie gezeigt.
Exakt so schmerzend, exakt so tragisch und mit all seinen ausufernden unbeherrschbaren Reaktionen der zu Pflegenden gegenüber und eben nur deshalb, weil man diese Person doch so sehr liebt.
Im Film will Anna, bereits von schwerster Verwirrtheit und dem Tode gezeichnet nicht mehr trinken. Georg führt seiner Liebsten den Krankenbecher an den Mund
und läßt den Tee hineinrinnen. Anne behält ihn für kurze Zeit in der Mundhöhle und spukt diesen dann aprupt aus. (Man bedenke, hier geht es um Leben und Tod, trinkt sie nichts mehr, ist die Frau nach vier Tagen im Himmel). Die Reaktion von George ist eine schallende Ohrfeige welche er ihr verpasst, um danach schier von sich selbst erschrocken ein:"Entschuldige bitte" zu stammeln!
Doch Anne hört ihn schon längst nicht mehr, lebt in ihrer eigenen Welt und es gibt Momente, wo sie kläglich und herzzereißend nur "Hilfe" "Hilfe" jammert.
Der unvorhergesehene Verfall von Anne wird immer schlimmer und bedeutet für
den ebenfalls schon gebrechlichen 81 jährigen Georg eine riesige Herausforderung und Kraftanstrengung, welcher er fast nicht mehr gewachsen ist.
Und wenn die Tochter (Isabelle Huppert) auf Besuch kommt und auf Grund des erschreckenden Zustandes der Mutter auf eine Einweisung in ein Pflegeheim drängt, will der Leidgeprüfte weiter seine Frau pflegen und ihr in aufopfernder Liebe zur Seite stehen. "Bis das der Tod uns scheidet"!
Ein weit über die Grenzen des normalen Kinos hinausgehendes Stück mit einer Thematik, welche uns alle irgendwann auf irgendeine Weise betrifft, wie stark, wie schmerzend sich die Schwingen des Todes über uns breiten, weiß eigentlich niemand im vorhinein.
Und das ist gut so!
Haneke inszenierte gefühlvoll und ohne Druck, seine Bildsprache ist eine subtile, aber ungemein hochwertige und die gemeinsame Übermittlung an den Cineasten durch Regisseur und Hauptdarsteller ist immer auf einer Augenhöhe.
Hier hat man wirklich den Eindruck die ganzen Momente laufen tatsächlich ECHT und im HIER und im JETZT ab. Nur das es diesesmal ausnahmsweise gestattet ist, alles mitansehen zu dürfen.
Gegen Ende des Filmes hat das mit der Endlichkeit des irdischen Lebens an die Öffentlichkeit gehende Meisterwerk noch eine " zum schlucken" animierende Überraschung parat und dem Gewinner der "Goldenen Palme" stehen mit Sicherheit auch Oscarauszeichnungen in`s Haus.
Dies wäre auch hochverdient möchte ich sagen, ich habe in den letzten zwanzig Jahren wohl kaum eine bessere Kunst(realitäts)Doku in solch einer unfassbar gut umgesetzten und überragenden Handlung eingepackt, erfahren.
Ein überzeugendes Endspiel um die Ausnahmesituation zweier alter Menschen, die dem Herannahen der unvermeidlichen Dinge hilflos ausgeliefert sind und welches durch eine derart hochklassige Darstellkunst von Jean Louis Trintignant und Emmanuelle Riva ein Kinomeilenstein über Generationen werden wird.
Die rund 16 Besucher im kleinen Kinosaal 14 des Hollywood Megaplex meiner Landeshauptstadt haben sichtlich getroffen und absolut wortkarg die "zum traurigen Ort des Leides" gewordenen Räumlichkeiten verlassen!
Fazit: Makellos, beklemmend, aufwühlend und EHRLICH!
Lieblingsfilm!

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