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Das Leben ist ein langer Fluss
86.0/100

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Das Leben ist ein langer Fluss

FILM • 1988 • 1 Std. 28 Min.


Regie: Etienne Chatiliez

Darsteller/-innen: Benoit Magimel, Tara Römer, Jerome Floch, Sylvie Cubertafon, Emmanuel Cendrier, Guillaume Hacquebart, Jean-Brice Van Keer, Praline Le Moult, Axel Vicart, Claire Prevost, Helene Vincent, Andre Wilms, Maurice Mons

Genre: Komödie



Aus Wut über ihren Chef und Geliebten vertauscht die Krankenschwester Josette zwei Babys im Krankenhaus. Bernadette wächst bei der gutbürgerlichen und gottesfürchtigen Familie Le Quesnoy auf,obwohl sie eigentlich die Tochter der höchst proletarischen Familie Groseille ist. Und Maurice, genannt Momo, der vermeintliche Sohn der Groseilles,ist eigentlich Spross der reichen Le Quesnoys. Als nach zwölf Jahren die Wahrheit ans Licht kommt, schlägt diese Nachricht ein wie eine Bombe. Bei den vornehmen Le Quesnoys bricht Panik aus und sie verheimlichen Bernadette deren wahre Herkunft, während die Groseilles empört darüber sind, jahrelang einen Sohn der bourgeoisen Oberschicht durchgefüttert zu haben. So kommt Monsieur Le Quesnoy auf die Idee, ihren Sohn Maurice von den Groseilles für eine stattliche Summe »freizukaufen«. Doch die Le Quesnoys ahnen nicht, dass damit ihr geordnetes Leben komplett aus den Fugen gerät...


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8martin

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14.04.19 - 14:49
Das Filmdébut von Étienne Chatiliez zeigt anhand von drei Gruppierungen ein Bild der Gesellschaft. Und mit den vertauschten Kindern werden Unterschiede deutlich. Prol-Familie Groseille mit vielen Kindern erzeugt einen wunderbaren Kontrast zur gutbürgerlichen, tief religiösen Familie Le Quesnoy. Dazwischen laviert der verheiratete Gynäkologe Dr. Mavial (Daniel Gélin), der eine kranke Frau zu Hause hat und drum spitz auf seine Sprechstundenhilfe Josette (Catherine Hiegel). Er behandelt sie wie ein Machoschwein und treibt nur das kleine Rein-Raus Spielchen mit ihr.
Als Josette die Faxen dicke hat, vertauscht sie die Säuglinge auf der Entbindungsstation der Familien Le Quesnoy und Groseille.
Verhaltensweisen bei Tisch und in der Freizeit werden gegenübergestellt und die unterschiedlichen Reaktionen von Eltern und Geschwistern geschildert.
Für die Kinder ist der Realitätsschock genauso schwer zu verarbeiten wie für die Eltern. Momo bzw. Maurice wie er jetzt heißt (der ganz junge Benoit Magimel) kommt am ehesten damit zurecht. Er wechselt die Fronten und ändert seine Kleidung. Madame Groseille kann das Geld, das sie von den Le Quesnoys erhalten hat, voll rauspfeffern. Sie fährt mit dem Taxi zum Supermarkt. Die spießigen, gutbürgerlichen Le Quesnoys sind in ihrer eigenen Welt gefangen. Tochter Bernadette (Valerie Lalande) schließt sich ein, entwickelt eine Putz- und Waschneurose. Frau Le Quesnoy ist hilflos, heult und säuft nur. Der Rücktausch der Kinder ist auch keine Lösung. Am Ende sitzt Dr. Mavial mit Josette am Meer und Mireille Mattieu schmettert dazu ‘Paris en colère‘: ‘Paris hat einen Wutanfall‘.
Das Personenspektrum reicht von total durchgeknallt bis spießig verklemmt. Da kommt Freude auf, wenn das Dienstmädchen Marie-Thérèse (Catherine Jacob) schwanger ist und steif und fest behauptet nie mit einem Mann geschlafen zu haben. Die Jungs schnüffeln und trinken Bier. Maurice erobert die Herzen der neuen Mutter (Hélène Vincent) und der Großmutter. Gute Unterhaltung mit klar profilierten Charakteren. Nur eins ist klar ‘ Das Leben ist kein langer, ruhiger Fluss.‘ Im Gegenteil: es ist flott und heftig.

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