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Ruhet in Frieden - A Walk among the Tombstones

DEINE MEINUNG?


2014

Genre: Krimi, Drama, Mystery, Thriller

Spieldauer: ~ 114 Minuten

Regie: Scott Frank

Cast: Liam Neeson, Dan Stevens, David Harbour, Boyd Holbrook, Stephanie Andujar, Maurice Compte, Ólafur Darri Ólafsson, Adam David Thompson, Laura Birn, Astro Astro, Hans Marrero, Patrick McDade, Luciano Acuna Jr., Razane Jammal, Al Nazemian, Eric Nelsen, Jon Goracy, Kim Rosen

Kurzbeschreibung: Acht Jahre ist es her, dass Matthew Scudder (Liam Neeson) den Polizeidienst quittierte, nachdem er beim Versuch, die Täter eines Überfalls zu stellen, einen unschuldigen Passanten erschoss. Inzwischen verdient er seinen Lebensunterhalt als Privatermittler, hat dem Alkohol entsagt und lebt zurückgezogen. Als Scudder von dem Drogendealer Kenny (Dan Stevens) den Auftrag erhält, die Männer ausfindig zu machen, die seine Frau gekidnappt und brutal ermordet haben, führt ihn der Fall tief in die Unterwelt von New York. Langsam offenbart sich, dass die Entführung nicht die einzige war, sondern Teil einer ganzen Serie äußerst gewalttätiger Straftaten – immer mit tödlichem Ausgang. Scudder sieht sich auf seiner Suche nach Gerechtigkeit gezwungen, selbst die Grenzen des Gesetzes zu überschreiten, während die Täter bereits ihr nächstes Opfer ins Visier nehmen…


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MarcosFilmblog
16.11.14 - 21:16
Nach dem die berufliche Laufbahn Matt Scudders (Liam Neeson) beim NYPD ein Ende gefunden hat, hält sich der ehemalige Alkoholiker mit Gelegenheitsjobs als Privatdetektiv über Wasser. Kurz vor der Jahrtausendwende wird Matt vom vermögenden Drogendealer Kenny Kristo (Dan Stevens), dessen Frau trotz einer erfolgreichen Lösegeldübergabe von ihren Entführern bestialisch ermordet worden ist, kontaktiert. Matt lehnt den Fall und damit auch die 20000 Dollar Lohn zunächst ab, als Kristo ihn allerdings über die grausamen Details des Verbrechens informiert, ermittelt der einstige Polizist auf eigene Faust.Die Nachforschungen reißen bald alte Wunden aus der Vergangenheit wieder auf. Eine helfende Hand findet er in dem Straßenjungen TJ (Bryan Bradley), der gerne ein richtiger Detektiv wäre. Bald muss Matt feststellen, dass das Böse, welches den beiden Tätern innewohnt, keine Grenzen zu kennen scheint…

Die Figur des schweigsamen Ermittlers, der im Mittelpunkt ,des von Scott Franks in Szene gesetzten Kriminalfilmes, steht, kann bereits auf eine lange Geschichte zurückblicken. Schriftsteller Lawrence Block veröffentlichte 1976 den ersten Fall des Mannes, der bei den Anonymen Alkoholikern die Kraft zur Überwindung seiner Sucht gefunden hat. Zahlreiche Fans sollten also gespannt auf die Verfilmung eines der bekanntesten Fälle der Buchreihe gewartet haben. Liam Neeson wird dabei die Aufgabe zu Teil dem Helden vieler amerikanischer Konsumenten von Kriminalliteratur Leben einzuhauchen. Der raubeinige Hüne hat in der jüngeren Vergangenheit durch Actionfilme wie “Taken” immens an Popularität gewonnen und soll für einen Erfolg an den Kinokassen sorgen. Dass der Name die breite Masse anlocken wird, hat sich wohl auch Regisseur und Drehbuchautor Scott Frank gedacht, der das Skript übrigens bereits vor zwölf Jahren fertiggestellt hatte. Das Projekt wurde damals aber kurz vor der Realisierung auf Eis gelegt. Eventuell spielt der Film deshalb auch kurz vor dem Übergang ins 21. Jahrhundert. Der gleichnamige Roman ist jedenfalls im Jahre 1992 erschienen, aber eine Aktualisierung des Stoffes hätte wahrscheinlich kein besseres Resultat zum Ergebnis gehabt. Einige Anspielungen auf den oft zitierten “Y2K”-Bug, der uns laut zahlreichen Experten zurück in die Steinzeit katapultieren hätte können, das World-Trade-Center und der Mangel an technischen Geräten erinnern als einzige Aspekte an den Zeitpunkt, an dem sich die Ereignisse abspielen. Normalerweise empfiehlt es sich sowieso bei Buchverfilmungen wenigstens den zeitlichen Rahmen beizubehalten, also hätte eine Überarbeitung sich vermutlich nur noch mehr vom Original entfernt, was dem Film seines größten Trumpfes beraubt hätte. Das einzig positive, was man über “A Walk among the Tombstones” nämlich sagen kann, ist die bedrückende Atmosphäre, die im ersten Drittel des Filmes in beklemmender Manier ohne moderen Schnickschack vermittelt wird. Man fühlt sich an einigen Passagen an die Anfänge des Film-Noir erinnert. Eine verrauchte Bar, ein trinkender Liam Neeson und starke Hell-Dunkel-Kontraste bilden die Exposition für den programmatischen Titel. Einen Spaziergang über einen schön designten Friedhof gibt es nämlich wirklich zu bestaunen. Bis dahin müssen wir uns aber durch eher zähe Ermittlungen kämpfen, die Matt fast gar nicht in die Nähe der Verbrecher führen. Zu Beginn baut Regisseur Frank routinierte Spannung auf, die dem Entführerduo eine unnahbare Aura verleiht, die aus dem Nichts aufgelöst wird, indem dem Bösen unspektakulär ein Gesicht gegeben wird. Wo vorher nur schattige Umrisse waren, erblickt man aus dem Nichts zwei Allerweltsvisagen, die zugegebenermaßen dem Leitspruch des Filmes entsprechen: “Die Menschen fürchten sich alle vor den falschen Dingen” , teilt uns einer der Kriminellen mit. Punkt für Scott Frank! Mangelnde Chancenverwertung begleitet die Ereignisse leider über den Großteil der Laufzeit. Im Blickpunkt der Inszenierung steht Liam Neeson. In den Sitzungen der bekannten Selbsthilfegruppe ist sein Charakter der einzige, der von der Kamera scharf eingefangen wird, einige Einstellungen lassen uns mit den Augen von PI Matt Scudder sehen und häufig kommt es zu Spiegelungen vom Ebenbild des Iren in reflektierenden Flächen. Auf Spiegel legt Scott Frank wohl besonders viel wert. Einmal an der Stelle, an der normalerweise der Kameramann sichtbar sein müsste, steht zufälligerweise ein befremdlich geformter Karton oder ein verlassenes Gebäude, das durchaus bessere Zeiten erlebt hat, kann in einem Raum passenderweise einen blitzeblanken Spiegel vorweisen, der eine Vorderansicht des Iren vermittelt. Er wird zwar oft gezeigt, aber an der Blässe der Rolle Neesons ändert auch sein unbestreitbar vorhandenes Charisma nichts. Stellenweise draufgängerisch tritt dieser in Erscheinung, aber wissen tut er ja eigentlich nichts, wie in einem ärgerlichen Intermezzo eines Vans passend zum Besten gegeben wird. Man könnte natürlich argumentieren, dass der Held eigentlich ein Versager ist, der sich bemüht, einen schlimmen Fehler aus vergangen Tagen vergessen zu machen. Der Typus des dramatischen Held, der fast zu menschlich gezeichnet ist, passt ärgerlicherweise nicht zur Prämisse, die uns vorher mit viel Aufwand vor die Augen geführt wird. Ein weiteres Problem ist der Tonfall. Mysteriös, böse und unglaublich düster gestaltet gibt sich der Film zu Beginn. Wer diese Atmosphäre in Plastiksäcken einen mit Algen verseuchten Teich versenkt, ist der Auftritt TJs, der nach einem verhaltenen Start es mit Bravour schafft das ohnehin niedrige Level an Originalität jedes Mal erneut zu unterbieten. Der obdachlose Junge sorgt mit gekünstelten Dialogen und Einzeilern, die schon wohl schon 1999 eine dicke Staubschicht angesetzt hatten, für niemals enden wollendes Kopfschütteln. Erfreuliche Akzente setzt wiederum die aufwendig betriebene Lichtsetzung die mit zahlreichen Akzentuierungen im Gesicht der Darsteller viel Feinarbeit notwendig gemacht hat. Diese Leistung wertzuschätzen fällt bei dem dürftigen Gesamtpaket jedoch sichtlich schwer. Am Spiel des Hauptdarstellers gibt es zwar fast nichts zu bemängeln. Stellenweise scheint er ein bisschen lustlos zu agieren, aber vielleicht ist seine Motivation beim Dreh von der hanebüchenen Regie in die Dunkelheit der Nacht hineingezogen worden. Negativ in die Waage, die mit einer Waagschale fast den Boden berührt, fallen auch die Charakterisierungen der Täter. Die Motivation bleibt komplett unter der Erde vergraben, wahrscheinlich ruht sie zusammen mit einigen vielversprechenden Szenen, die dank der elliptischen Gestaltung beim dramaturgischen Höhepunkt des Spazierganges wegfallen, in Frieden unter feuchter Graberde. Eine fragwürdige Parallelmontage, die neben Rückblenden auch noch Standbilder beinhaltet, die das fast nicht vorhandene Tempo komplett auf das Niveau eines langsam herabfallenden Laubblattes bringen, bei einer der wenigen Actionsequenzen im Film vergrault auch noch Fans des Iren, die wegen ihres Idols eine Prozession in ein Kino getätigt haben.

Fazit: “A Walk among the Tombstones” möchte Elemente des Kriminalfilms mit Mustern des Mystery-Genres vereinen. Beinahe einschläfernd inszeniert wird versucht klassisches Flair aus längst vergangen Schwarz-Weiß-Epochen wieder aufleben zu lassen. Das Vorhaben scheitert aufgrund zahlreicher Schwächen des Skripts , die mit der nachlässigen und nicht konsequent gehaltenen Gestaltung der Charaktere einen unrühmlichen Höhepunkt finden.

Bewertung: 3/10
Genre: Kriminalfilm, Mystery
FSK: Ab 16 Jahren
Laufzeit: 113 Minuten
Marco Busselmaier

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