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Am Sonntag bist du tot
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Am Sonntag bist du tot

FILM • 2014 • 1 Std. 42 Min.


Regie: John Michael McDonagh

Darsteller/-innen: Brendan Gleeson, Isaach De Bankole, Aidan Gillen, M. Emmet Walsh, David Wilmot, Dylan Moran, Kelly Reilly, Marie-Josee Croze, Domhnall Gleeson, Pat Shortt, Killian Scott, Orla O´Rourke, Gary Lydon, Owen Sharpe

Genre: Drama



Ein gutherziger, irischer Priester, die Sünden anderer und das unumgängliche Versprechen eines seiner Schützlinge „Am Sonntag bist du tot“. Eigentlich will Dorfpriester James Lavelle (Brendan Gleeson) doch nur, dass es allen Menschen in seinem Provinznest an der irischen Küste gut geht. Doch seine Gemeinde schockt ihn regelmäßig durch ihren Hass und ihre Streitlust. Eines Tages, als der Geistliche die Beichte abnimmt, droht ihm eines seiner Schäfchen: „Am Sonntag bist du tot.“ Nicht, dass der unbescholtene Priester etwas ausgefressen hätte. Er soll stellvertretend für einen anderen katholischen Priester sterben, der dem Gläubigen früher Schlimmes angetan hat, aber nicht mehr lebt. Immerhin hat sich vor knapp 2000 Jahren ja auch Jesus Christus für die Sünden der Menschheit geopfert und schuldlos auf dem Hügel Golgatha kreuzigen lassen. Das Beichtgeheimnis hindert den Priester daran, die Polizei einzuschalten. Also muss er sich selbst auf die Suche nach seinem zukünftigen Mörder machen. Eine turbulente Woche vergeht wie im Flug. Wird die raue Küste Irlands am Sonntag zu seinem ganz persönlichen Golgatha?


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21.10.14 - 16:10
Father James (Brendan Gleeson) ist ein guter Priester. In einem verschlafenen kleinen Nest, das mitten im urigen Irland gelegen ist, hat er die Verantwortung für eine kleine Gemeinde. Jeder kennt hier jeden und so ist er äußerst verstört, als ein Mann bei der Beichte dem Pfarrer mitteilt, dass er ihn ermorden möchte. An einem Sonntag wird er die Tat vollbringen. Bis James seinem Schöpfer erblickt, soll er noch Dinge, die ihm an seinem Leben missfallen, in Ordnung bringen. Das Motiv für diesen grausamen Plan liegt in der Kindheit des Beichtenden. Er wurde Opfer von Missbrauch, als er in der katholischen Kirche aktiv war und möchte mit seinem Vorhaben ein Statement setzen, indem er einen unschuldigen Priester tötet. Bis Sonntag erlebt Father James, der sich über die Identität des verbitterten Kirchenbesuchers im Klaren ist, eine persönliche Glaubensprüfung, bei der seine Tochter Fiona (Kelly Reilly), das lokale Gotteshaus und sein Hund Bruno entscheidende Rollen spielen…

Die wiederholten Fälle von Kindesmissbrauch in den Reihen der katholischen Kirche sorgten für einen gesellschaftlichen Diskurs, der das Image der Religionsgemeinschaft stark beschädigt hat. Verhältnismäßig wenig wurde die Thematik in Form eines Spielfilmes aufgegriffen. Regisseur James Michael McDonagh hat sich jetzt mit der Geschichte über einen unschuldigen Priester, der mit den wohl schlimmsten Auswirkungen, die ein solcher Vorfall nach sich ziehen kann, des Skandals konfrontiert wird, des Themas angenommen. Insgesamt legt er das Augenmerk aber weniger auf den Stein, der die dramatischen Entwicklungen in Gang setzt, sondern auf eine deprimierte Kleinstadt, die von Menschen bewohnt wird, die allesamt ihre eigene Schlacht mit persönlichen Problemen schlagen. Es handelt sich um eindimensionale Charaktere, die beinahe zu Komparsen verkommen. Hauptdarsteller Brendan Gleeson ist dank dem Skript dazu verdammt, das Drama auf den nicht mehr ganz so jungen Schultern zu tragen. Seine Darbietung ist über jeden Zweifel erhaben, allerdings ist das auch der größte Pluspunkt in diesem tristen Theaterstück vom Lande der grünen Weiden und mystisch angehauchten Traditionen. Der Film ist in sieben Kapitel eingeteilt. Sieben Tage können wir dem Priester dabei zuschauen, wie er sich auf seine potentielle letzte Reise begibt. Unterredungen mit den Stadtbewohnern, die nur selten mit schwarzhumorigen Dialogen, die ein zweischneidiges Lachen auslösen, ausgestattet sind, Unterredungen mit dem Bischof, der nicht verstehen kann, warum der bedrohte Priester keine Hilfe bei den Behörden sucht oder seinen Verdacht nicht öffentlich macht, eine Begegnung mit einer Ehefrau, die den Tod ihres Mannes, dessen lebenserhaltenden Maschinen abgeschaltet worden sind, verarbeiten muss und der Besuch seiner depressiven Tochter, die ihm immer noch übel nimmt, dass er sie nach dem Tod der Mutter für die Zuflucht im Priesteramt verlassen hat, sind die Stationen eines Mannes, der zusätzlich noch von Katastrophen, die Parallelen zum biblischen Hiob nahelegen, heimgesucht wird. Damit Brendan Gleeson seine Stärken voll ausleben kann, setzt McDonagh auf viele Großaufnahmen vom Gesicht des Iren, der dadurch seine starke Mimik vollends zum Ausdruck bringen kann. Durch diesen inszenatorischen Kniff wird einmal mehr deutlich, weshalb man sich den Film doch einmal anschauen sollte. Die Küsten Irlands und malerischen Fleckchen Erde, die von der grünen Halbinsel beherbergt werden sind perfekt dazu geeignet, um die Einsamkeit von Father James mit unbelebten Totalen einzufangen und bieten schön gestaltete sequenzielle Übergänge zwischen den einzelnen Szenen. Während die zahlreichen Nebencharaktere nur Mittel zum Zweck sind, die keine Entwicklung verzeichnen, findet in der Struktur der Hauptfigur eine Veränderung statt, die sogar zur Rückkehr des aufgegebenen Alkoholismus führt. Dieser Sprung zum verbitterten Mann, der passenderweise mit “jump-cuts” visualisiert wird, bricht wie ein Gewitter auf den Zuschauer ein und ist der dramatische Höhepunkt im Film. Eingeleitet wird das bedrückende Kunststück mit der Geschichte eines kleinen Jungen, der Opfer eines medizinischen Fehlers geworden ist. Wären die restlichen Szenen ebenfalls auf dem Niveau dieser kleinen Teils der Handlung wären, hätte man den Stadtbewohnern ähnlich starke Momente gegeben, die auch für Beiwerk möglich sind, wie der von Aiden Gillen dargestellte Doktor beweist, würde man über einen ganz anderen Film sprechen, der seine Wirkung komplett entfalten kann. Einen wahren Pausenclown gibt es im wahrsten Sinne des Wortes, denn David Wilmot mimt einen Priesterkollegen, der eher als Opfer eines Mordes in Frage kommen würde. Am Schluss kommt es zum Treffen des Gespanns, das einen bereits in der Eröffnungsszene willkommen heißt und wie wir dank des unglücklichen, deutschen Titels bereits wissen, wird jemand zu Tode kommen. In seiner Konsequenz ist der Ausgang wirklich bedrückend und muss dem Skript zu Gute gehalten werden . Die Kirche hat die Selbstkontrolle, aber wohin sie führt, ist nicht immer zwangsweise die Harmonie. Die Schicksale der Menschen werden auf unterschiedliche Art und Weise berührt, aber alle haben etwas gemeinsam: Es bleibt ein Gefühl der Leere…

Fazit: In sieben Tagen hat Gott die Welt erschaffen und in sieben Tagen kann das Leben auf den Kopf gestellt werden. Dürfen wir Sünden einfach so von einer Organisation auf all die Mitglieder übertragen? Gibt es einen Grund sich “Am Sonntag bist Du tot” anzusehen? Ist Vergebung in dieser Welt zu einer Seltenheit verkommen? Wollte James Michael McDonagh eine Metapher der Hoffnungslosigkeit kreieren? Diese Fragen bleiben letztendlich genau so offen, wie das Ende des Films. Wobei ich die zweitefür mich beantworten kann: Ich wüsste keinen…

Bewertung: 4/10
Genre: Drama, schwarze Komödie
Laufzeit: 101 Minuten
FSK: Ab 12 Jahren

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