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Wish I Was Here - KRITIKEN - FE-Filmdatenbank

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MarcosFilmblog

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07.10.14 - 19:46
Aidan (Zach Braff) hat seinen Traum zum Beruf gemacht. Er ist Schauspieler. Jedoch ist er nicht sonderlich erfolgreich und schleppt sich von Casting zu Casting, um in der Mehrzahl der Fälle doch wieder einmal abgelehnt zu werden. Die Familie wird zum größten Teil von seiner Frau Sarah (Kate Hudson) ernährt und die Privatschule für die gemeinsamen Kinder Tucker (Pierce Gagnon) und Grace (Joey King) wird von Aidans strenggläubigem, jüdischen Vater Gabe (Mandy Patinkin) finanziert. Das Schicksal spielt der Familie übel mit, als bei Gabe der vermeintlich überwundene Krebs zurückkehrt. Er kann jetzt nicht mehr für die teure Schule seiner Enkel aufkommen, da er seine ganzen Ersparnisse in eine neuartige Behandlungsmethode, die die tückische Erkrankung in die Knie zwingen soll, investieren muss. Der zweite Sohn des Erkrankten ,Noah, lebt zurückgezogen in einem Wohnwagen außerhalb der Stadt und möchte von seinem alten Herren nichts wissen, da er trotz einer überdurchschnittlichen Intelligenz nichts aus seinem Leben machen konnte, weshalb der enttäuschte Vater in verstoßen hat. Aidan muss die Kinder deswegen bis zum Schuljahresende Zuhause unterrichten und seine eigenen Träume in Frage stellen…

Zach Braff erfreut sich immer noch einer großen Beliebtheit. Mit “Scrubs” wurde der in New Jersey geborene Schauspieler berühmt, allerdings hat er selbst nie einen Hehl daraus gemacht, dass er sich auch auf dem Regiestuhl sehr wohl fühlt. Nach zehn Jahren ist nun seine zweite Regiearbeit für die Öffentlichkeit verfügbar und der ehemalige Serienstar bleibt sich selbst treu. Wie schon in “Garden State” erzählt er die Geschichte eines wenig erfolgreichen Schauspielers, der sein Leben nach einem Schicksalsschlag neu ordnen muss. Weshalb so viel Zeit zwischen den beiden Produktionen vergangen ist? Der Regisseur und Drehbuchautor möchte seine Ideen immer komplett nach den eigenen Vorstellungen realisieren und sich nicht von bekannten Studios in seiner Kreativität einschränken lassen. Der gesamte Cast wurde von ihm persönlich ausgewählt und selbstverständlich gibt es ein Wiedersehen mit dem alten Bekannten Donald Faison, zu dem Braff auch im wahren Leben eine enge Freundschaft pflegt. Mit einer Kampagne bei der amerikanischen Website “Kickstarter” waren die finanziellen Mittel, die “Wish I Was Here” benötigten schnell aufgetrieben. An dieser Stelle sei jedem noch einmal der sympathische Spendenaufruf ans Herz gelegt, der 2013 die Runde im Internet machte. Haben die zahlreichen Produzenten aber eine gute Investition getätigt? An den heimischen Kinokassen blieb der Film jedenfalls erfolglos und Braff hat bereits angekündigt, dass er seine Projekte in Zukunft anderweitig zu finanzieren versuchen wird. Dabei ist genau das herausgekommen, was man im Voraus erwarten konnte. Die Tragikomödie ist eine stellenweise sehr berührendes Stück Kino, das Fans ihres Idols mehr als zufriedenstellen dürfte. “Wish I Was Here” beginnt mit einer Traumsequenz, die den ganzen Film über in kleineren Kapiteln erzählt wird. Aidan ist darin als futuristischer Krieger zu sehen, der vor einer vermummten Gestalt flüchtet. Ein Motiv, dessen Auflösung zwar vorhersehbar ist, aber nichtsdestotrotz weniger berührt. Aus diesen Traum wird Aidan von seinem Sohn gerissen, der lieber an Dads Tablet spielt, als es seinem Vater gleichzutun. Eine melancholische Aufarbeitung der Kindheit im Wandel der Zeit. Überhaupt wirkt Aidan in vielerlei Hinsicht kindlicher als seine beiden Kinder, denen er in amüsanten Sequenzen, die gut durchdachte Wortgefechte parat halten, erzieherische Grundsätze auf den Weg geben möchte. Seine Aufeinandertreffen mit einem alten Rabbiner zeigen ebenfalls das humoristische Talent, das der Hauptdarsteller besitzt und auch als Regisseur gekonnt zu inszenieren weiß. Mit einem zwinkernden Auge wird hier ein verschmitzter Blick auf die Religion als Institution geworfen. Zahlreiche Themen werden abgedeckt. Dabei verlässt sich das Drehbuch auf altbekannte Automatismen, die jedoch immer noch gut ineinander übergreifen. Der beste Darsteller hat bei diesem Film aber keinesfalls Regie geführt, denn Mandy Patinkin stiehlt dem kompletten restlichen Darstelleraufgebot die Show. Die Verkörperung des krebskranken Gabe zeigt, wie eine Tragikomödie sein sollte. Man verlässt das Kino mit einem lachenden und einem weinenden Auge und diese Performance zeigt, wie traurig schön diese Kombination sein kann. Jim Parsons und Donald Faison geben sich in kurzweiligen Kurzauftritten die Ehre und erwecken doch den Eindruck, dass sich eine Gruppe von Freunden beim Dreh zusammengefunden hat. In der wunderschönen arrangierten Schlusssequenz wird das Potential sichtbar, das Zach Braff als Regisseur besitzt. Berauschend eingefangene Bilder, denen eine bezaubernde Schönheit, die wieder an einen Traum erinnert, innewohnt, entlassen den Zuschauer in die Realität. Das geschieht gerade rechtzeitig, denn nach 120 Minuten ist es an der Zeit ,aus den etwas abgenutzten Raumanzügen zu schlüpfen und das eigene Leben anzupacken. Am besten sollte man das persönliche “Fluchglas” nehmen und etwas für die Menschen, die einem am wichtigsten sind, in Angriff nehmen, denn das Leben ist ein Geschenk, das man auspacken sollte, bevor der Inhalt nutzlos geworden ist.

Fazit: “Wish I Was Here” ist eine inspirierende, lebensbejahende Tragikomödie, die sich auf genretypische Muster verlässt, aber dank des hochklassigen Ensembles durchgehend zu unterhalten weiß. Zach Braff sollte auch in Zukunft die Möglichkeit haben, Filme zu drehen, aber wie Aidan sollte auch er neue Wege beschreiten, die ihn dann vielleicht zum ganz großen Wurf führen könnten.
◾Bewertung: 7/10
◾Genre: Tragikomödie
◾FSK: Ab 6 Jahren
◾Laufzeit: 120 Minuten

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