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The New World




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Filmosoph


Kritiken
294
04.12.08 - 14:40
Der Film beginnt für mich mit einer Überraschung: Christopher Plummer wird vor Christian Bale angekündigt, obwohl Plummer den Bruchteil der Filmzeit von Bale hat. Offensichtlich war Bale 2005 noch nicht der Star der er heute ist; aber in diesem Jahr begann der Aufstieg: Als Bruce Wayne.
The New World kann man durchaus als ästhetisches Meisterwerk bezeichnen. Ich meine hiermit: Erzählstil (Sprache), Kamerafahrten, Ausstattung und Landschaftsbilder. Wie im klassischen Western kommen diese Bilder oft in langsamen Fahrten am Besten zur Geltung, so auch hier: Die »neue Welt« (dieser Begriff ist sehr normativ bzw. eurozentriert und sollte eigentlich nicht mehr verwendet werden, denn kein Indigener würde jemals sagen, dass sie »entdeckt« wurden. Dies sieht man auch an der 500 Jahr Feier der »Entdeckung Amerikas«, als gerade die indigene Bevölkerung auf die aktuellen Missstände aufmerksam machte, eine Entwicklung, die für sie 1492 begann) wird als lebendiger, farbenfroher Ort gezeigt, fast dem Paradies gleich; zumindest anfangs, denn es ändert sich ja alles mit der Landung Spaniens. Kolumbus selbst schrieb in seinen Zeugnissen von »gesunden, jungen Menschen«. Der grippale Genozid setzte aber sogleich ein; Kolumbus führte dies auf schlechte Behandlung der Indigenen zurück. (Tatsächlich weiß man heute, dass die jahrtausendelange Isolation der Uramerikaner vom Rest der Welt für die Immunschwäche gegenüber europäischen Krankheiten und folglich der Todeswelle verantwortlich ist) The New World spielt etwas später; dennoch sieht man viele Parallelen zur »Anfangszeit«: Die Engländer haben riesige Schwierigkeiten mit der Kolonialisierung, welche in Wirklichkeit nur in Zusammenarbeit mit den Indianern erfolgen konnte. Pocahontas, die zentrale Figur des Films teilt letztlich das Schicksal ihrer Vorgänger.
Auch wenn es den Zusammenstoß der Zivilisationen gibt, bleibt der Film homogen; die Bilder sind kontrastreich keine Frage – aber dabei immer ruhig und gleichzeitig progressiv. Bezeichnenderweise finden wir in den ersten acht Minuten des Films Schweigen vor, eine Ruhe, die fast den ganzen Film lang dauert. An dieser Stelle ist es auch an der Zeit, auf die insofern wichtige Rolle der Musik zu verweisen, die von James Horner realisiert wurde. Während die Protagonisten selbst also wenig sagen, werden ihre Gedanken meist in lyrischer Weise aus dem Off eingespielt. Gerade dies war ein Kritikpunkt bei den Kritikern: Das Voice Over sei letztlich nur für Philologen von Interesse, der »normale Kinogänger« könne mit dem wenig anfangen. Hier liegt meines Erachtens eine Kategorienverwechslung vor: Der Film ist zwar in einer Hinsicht ein »typischer« Historienfilm, allerdings ein besonderer: Ähnlich wie Polanskis Macbeth handelt es sich um ein Gedicht, um eine Kunstform, weniger um eine realistische Abbildung. Die »Entdeckung« sollte hiermit lyrisch verarbeitet werden, wobei eigentlich die Liebesgeschichte(n) im Mittelpunkt stehen.
Wer den Film in der Erwartung eines Historienkrachers (»Krach« passt hier) wie Königreich der Himmel o. ä. erwartet, der hat seine Erwartungshaltung falsch gesetzt, denn so funktioniert er nicht, auch wenn es eine große Schlachtenszene gibt (die im übrigen einen wesentlich anderen Grund trägt als in den meisten Historienfilmen, ausgenommen Der mit dem Wolf tanzt, welcher hier eine große Ähnlichkeit vorweist). Man sollte sich zurücklehnen und sich zwei Stunden verzaubern lassen von der Lyrik, den Bildern und dem historischen Liebesdrama.
Der Film wurde nicht umsonst von Malick in einer Extended Version direkt nach Kinostart angekündigt. Nun sind einige Jahre vergangen, auf diese Version warten wir vergeblich. Denn letztlich gibt es einige Szenen, wo man es merkt, dass der Film leicht inkonsistent ist, da einige Ausführungen fehlen (nicht so extrem wie beim Mongolen, aber doch). Wäre der Film in voller Länge zu sehen, wäre er gar ein Meisterwerk; so ist er aber immer noch sehr Sehenswert!

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