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Beltracchi - Die Kunst der Fälschung
73.0/100

1 Bewertung

Beltracchi - Die Kunst der Fälschung

FILM • 2014 • 1 Std. 33 Min.


Regie: Arne Birkenstock

Darsteller/-innen: Wolfgang Beltracchi, Helene Beltracchi, Henrik Hanstein, James Roundell, Monsieur Ommeslaghe, Madame Ommeslaghe, Sofia Komarova, Niklas Maak, René Allonge, Henry Keazor

Genre: Biographie, Dokumentation




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08.04.14 - 20:01
Wolfgang Beltracchi hat eine ganz besondere Begabung. Um den Lebensunterhalt für sich und seine Familie zu finanzieren, fälschte er über dreißig Jahre lang Gemälde und Zeichnungen, die bei Auktionen, die in den weltberühmtesten Auktionshäusern stattfanden, Rekordsummen erzielten. Zusammen mit seiner Frau täuschte er Kunstexperten, Auktionshäuser und Galleristen und häufte ein beachtliches Vermögen an, das er in luxuriöse Immobilien, die auf der ganzen Welt verteilt sind, investierte. 2011 flog der Schwindel auf und die Welt Beltracchis fiel wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Heute verbüßt er eine Haftstrafe im offenen Vollzug, was bedeutet, dass er sich als eigenständiger Künstler etablieren kann. In dieser Dokumentation erfährt der Zuschauer die Beweggründe des Malers, wie dieser heute lebt und die Auswirkungen eines solchen Skandals auf die Kunstwelt. Neben dem Ehepaar Beltracchi, das von einem Kamerateam durch den Alltag begleitet wurde, kommen auch viele weitere Personen, die in diesem Kriminalfall eine Rolle spielten, zu Wort. Ein Kriminalkommissar, eine Galeristin, ein Kunstsammlerehepaar, Kunsthistoriker und Mitarbeiter populärer Auktionshäuser äußern sich beispielsweise über den Fall “Beltracchi”, der eine unbestreitbare Faszination mit sich bringt.

Mit Arne Birkenstock hat sich kein unbekannter Mann im Genre des deutschen Dokumentarfilm an diese filmische Aufarbeitung des größten Kunstfälscherskandals unserer Zeit angenommen. Herausgekommen ist eine unterhaltsame Dokumentation, die nicht unbedingt ein ausführliches Fachwissen an ihr Publikum voraussetzt, allerdings bleibt die Person Beltracchi auch nach 97 Minuten eine undurchsichtige Gestalt, die ihre Begabung zur Täuschung und zur eigenen Bereicherung verwendet hat. Wolfgang Beltracchi ist ein Exzentriker und schweigsamer Zeitgenosse und kein kriminelles Genie. an einigen Stellen wirkt dieser Mann, der es geschafft hat, unzähligen Menschen Illusionen vorzugaukeln, wie ein Kind, das sich überhaupt nicht der Tragweite und Konsequenzen seiner Handlungen bewusst ist. Er ist ein Maler, der keine wirkliche Beziehung zu den Werken, die er selbst geschaffen hat, aufbaut und auch die Kunst ist für ihn nur ein Mittel zum Zweck, was ihn für viele Leute wirklich nur zu einem Betrüger macht, der Unglück über die edle Welt der kreativen Köpfe gebracht hat. Letztendlich steht es jedem frei, sich eine Meinung über Herrn Beltracchi zu bilden und schließlich steht die filmische Arbeit in diesem Artikel im Vordergrund. Wie bereits erwähnt, schafft Arne Birkenstock es mit inszenatorischer Raffinesse ein abwechslungsreiches Stück Film in die Kinos zu bringen. Die Eröffnungssequenz zeigt den Herstellungsprozess eines Gemäldes, das Beltracchi in seinem Atelier kreiert. Unterbrochen wird die Arbeit von kurzen Statements beteiligter Personen, die geschickt die Neugierde des Zuschauers auf die folgenden Ereignisse erhöhen. Zwischen den einzelnen Interviews mit Teilen des Puzzles “Beltracchi” baut Birkenstock gekonnt einige rote Fäden in die Handlung mit ein. Der Zuschauer erlebt hautnah mit, wie einem gefälschtes Objekt Authentizität verliehen wurde. Etappenweise begleiten wir den Herstellungsprozess eines Bildes, das mit einer kleinen Signatur, die sich am unteren Bildrand befindet, vor einigen Jahren mit Sicherheit einen fünfstelligen Betrag auf das Konto des Sohnes eines Kirchenmalers hinzugefügt hätte. Es ist erstaunlich mit was für verhältnismäßig einfachen Mitteln ein Schaden von mehren Millionen Euro entstanden ist. Ein Ausflug in die Welt der Auktionen ist ebenfalls beeindruckend. Wenn man sieht, wie hochkonzentrierte Menschen ,auf engstem Raum, mit an die Ohren gepressten Telefonhörern sich gegenseitig überbieten wollen und man dieses Schauspiel mit dem Fall Beltracchi verknüpft, muss man schon mehrmals versuchen sich der Auswirkungen eines solchen Betrugsfalls bewusst zu werden. Mit schnellen Schnitten erfährt man etwas über das Leben der Familie Beltracchi, die ihren Reichtum zum Bereisen der Welt verwendet hat. Birkenstock weiß genau, wann er diese Szenen unterbrechen muss, bevor die Aneinanderreihung ,der sich ähnelnden Bildabfolgen, beginnt, den Zuschauer zu langweilen. Die Aufmerksamkeit wird über die gesamte Laufzeit auf einem hohen Level gehalten, was mit einfachsten Mitteln erreicht wird, z.B. folgt das Auge plötzlich mehreren Panels, die sich über die Leinwand bewegen. Das ist simpel und wirksam zugleich. Zu den stärksten Momenten gehört der Dialog zwischen Beltracchi und einem Kunsthistoriker, in welchem der Künstler mit einem gewissen Stolz angibt, jedes Gemälde, bzw. jeden Maler zu fälschen und in den meisten Fällen zusätzlich noch ein besseres Ergebnis abzuliefern als die größten Meister des Fachs. Der andere Dialog ist eine Begegnung im Gefängnis, die eine faszinierende Atmosphäre vorweisen kann. Das Ende gibt einen Ausblick auf die Zukunft von Wolfgang Beltracchi, der jetzt zeigen muss, dass er es auch ohne Fälschungen schaffen kann, sich einen Namen in der Kunstbranche zu machen. Ob er das verdient hat, wird das Publikum wohl polarisieren.

Fazit: “Beltracchi- Die Kunst der Fälschung ist ein gelungener Dokumentarfilm, der allerdings mit etwas mehr investigativem Journalismus und mutigeren Fragestellungen zu einem Meisterwerk hätte werden können.

Bewertung: 7/10
Genre: Dokumentarfilm
FSK: ohne Altersbeschränkung
Laufzeit: 97 Minuten

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