2 Kommentare

Kingsman: The Secret Service

DEINE MEINUNG?


2014

Genre: Action, Abenteuer, Komödie, Krimi

Spieldauer: ~ 129 Minuten

Regie: Matthew Vaughn

Cast: Samuel L. Jackson, Colin Firth, Michael Caine, Mark Strong, Mark Hamill, Jack Davenport, Sofia Boutella, Taron Egerton, Neve Gachev, Paulina Boneva, Tom Prior, Sophie Cookson, Daniel Westwood, Cali, Alisha Heng

Kurzbeschreibung: Eggsy (Taron Egerton) ist ein Troublemaker, der immer wieder in Konflikt mit anderen Jungs im Londoner Viertel gerät. Als er eines Tages dank des geheimnisvollen und eleganten Harry Hart (Colin Firth) aus dem Gefängnis entlassen wird, beginnt für Eggsy ein anderes Leben. Harry gehört zu den Kingsman, einer supergeheimen, elitären Agentenorganisation angeführt von Arthur (Michael Caine), die vielversprechende Teenager für ihr hochqualifiziertes Nachwuchsprogramm rekrutiert. Und Harry hat Eggsy ausgewählt. Das Training beginnt - zur selben Zeit als die Welt von dem verrückten High-Tech-Genie Valentine (Samuel L. Jackson) bedroht wird.


Filmkommentare (2)


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Chev
24.11.18 - 17:44
Eigentlich mag ich überzogene Filme nicht, es sei denn sie nehmen sich selbst nicht so ernst.
Zu letzterem gehört auch dieser herrlich überzeichnete Spionagefilm. Man findet wieder, was man bei James Bond schon so mochte. Allerdings klopfen die Kingsman ordentlichen den Staub ab, den die Bondklassiker hinterlassen haben. So bekommen wir tolle Unterhaltung im Stil ihrer britischen Majestät mit dem modernen Elan der Neuzeit. Lustig gemacht, mit tollen Effekten, treffsichere Dialoge die ganz ohne Fekalsprache auskommen und stets das Niveau halten.
Schaue direkt im Anschluss die Fortsetzung. Ich freu mich drauf.

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MarcosFilmblog
17.03.15 - 11:52
Gary Unwin (Taron Egerton) ist einer von vielen Jugendlichen, die unter dem Banner der Perspektivlosigkeit in London in den Tag hinein leben. Zusammen mit seiner Mutter (Samantha Womack), die nach dem Tod ihres Mannes einen sozialen Abstieg verkraften musste, der sie in eine Beziehung mit dem Proleten und Bandenchef Dean (Geoff Bell) getrieben hat, und der kleinen Schwester heißt es jeden Tag aufs Neue einem tristGen Trott zu folgen. Das alles ändert sich plötzlich, als Harry Hart (Colin Firth) den jungen Mann, der von seinen Freunden nur „Eggsy“ genannt wird, aus der Misere einer Untersuchungshaft hinausmanövriert. Schnell wird klar, dass es sich bei Harry nicht nur um einen Gentleman, dessen Anzug auf einer Ebene mit einer vorzüglichen Ausdrucksweise, wie sie nur britische Edelmänner vorweisen können, steht, handelt. Harry beherrscht auch komplexe und Wirkungsvolle Nahkampftaktiken, die durch kreative Gadgets in Ihrer Wirkung noch verheerender für Rowdys und Lumpen, denen gesittete Umgangsformen nicht unbedingt zusammen mit dem 12:00 Uhr- Tee serviert wurden, sind. Es stellt sich heraus, dass Harry für den wohl geheimsten Geheimdienst der modernen Zivilisation arbeitet. Nachdem ein führender Spion der „Kingsman“ bei einer Mission liquidiert wurde, ist in den Reihen der Agenten ein Posten frei geworden, den es nun zu besetzen gilt. Es liegt an Harry einen passenden Kandidaten, der die Chance hat, in einem Trainingscamp zusammen mit anderen geeigneten Mitbewerbern um eine Anstellung im Metier der Spione zu buhlen, aufzutreiben. Seine Wahl fällt auf Eggsy, der eigentlich alle Grundvoraussetzungen, die eine solche Arbeit erfordert, mitbringt. Zusätzlich sind Harrys Bemühungen persönlich motiviert, da er Eggsys Vater, der selbst als Mann des Königs aktiv war, sein Leben verdankt und sich seit einem Einsatz die Schuld an den Problemen, die Mutter und Kind seit dem Ableben des Familienvaters über sich ergehen lassen mussten, gibt. Während der Ausbildung zeichnet sich eine Bedrohung in Gestalt des hippen Unternehmers Richard Valentine (Samuel L. Jackson) ab, der hinter der Fassade des Wohltäters durchaus psychopathische Tendenzen, die bei der Realisierung zu einer Gefährdung für das Allgemeinwohl der Weltbevölkerung ausarten können, zeigt…

James Bond, Jason Bourne und Jack Bauer haben außer den übereinstimmenden Initialen noch ein entscheidendes Merkmal. Sie alle verkörpern das Rollenbild des Geheimagenten. Selbstverständlich mit jeweils individuellen Charakteristiken, die jedem einzelnen einen ganz besonderen Reiz verleihen. In Matthew Vaughns schriller Adaption der gleichnamigen Comicreihe wimmelt es von Querverweisen auf altbekannte Erscheinungen des klassischen Filmgenres, das mit einem smarten Helden, schönen Frauen und größenwahnsinnigen Superschurken aufmarschiert. Die einleitenden Worte der Kritik sind übrigens das gelungenste Beispiel für eine solche Referenz, die in diesem Fall von Michael Caine ausgesprochen wird, denn ansonsten leidet „Kingsman“ erheblich an den Unterschieden zwischen Form und Inhalt. Darüber können auch parodistische Einlagen, die auf die Dauer nur zu einem Schmunzeln anregen, nicht hinwegtäuschen. Im ersten Drittel ist einzig und allein Colin Firth beachtenswert, der mit cleveren Sprüchen und flotten Actionsequenzen überzeugen kann, die mit kreativen Choreographien punkten. Man ist von dieser Art von Film mit Sicherheit keine komplexe Figurenzeichnung und eine sich durchdacht entwickelte Handlung gewöhnt, hier fällt es gerade in der Anfangshälfte doch erheblich störend ins Gewicht, mit wie viel Sorglosigkeit an die Sache herangegangen wurde. Buchstäblich in letzter Sekunde, bevor der Zuschauer das Interesse verliert, betritt Eggsy endlich den wunderbar gestalteten Herrenausstatter, der Tür und Tore zu einer Organisation öffnet, die anscheinend von nur drei Leuten gelenkt wird, aber das sei nur am Rande erwähnt. Bis auf kurze Sequenzen, die zeigen sollen, wie unserem Nachwuchsspion die Fähigkeiten eines royalen Vollstreckers der Gerechtigkeit vermittelt werden bleibt dieser Abschnitt doch im Hintergrund. Liegt sicher an den Genen, die in Eggsy schlummern! Unterhaltsamer sind zugegebenermaßen zwei der dargestellten Prüfungen, die von den modernen Knappen der Tafelrunde absolviert werden müssen. Wer erheblichen Anteil an der Qualität dieser Art von Film besitzt, ist, wie es auch dem Zuschauer freundlicherweise mitgeteilt wird, der Antagonist! Samuel L. Jackson darf Caps in allen Farben auf seinem Haupt Platz nehmen lassen, mit einem Lispeln für Irritation sorgen und einer goldigen Restaurantkette das wohl bemerkenswerteste Beispiel für dreistes Produkt-Placement der vergangenen Jahre präsentieren. Als kurzweiliger Harlekin, der zu jeder Sekunde an der Hürde des Absurden tangiert, verharrt er als zeitloses Gimmick, dem von einem Sidekick die Show gestohlen wird. Dieser hört auf den Namen Gazelle und die Kampfamazone sorgt dank zu schlitzenden Mordinstrumenten modifizierten Unterschenkelprothesen für Begeisterung. Wir wollen uns gar nicht ausmalen, was in den Boulevardmedien für Berichte existieren würden, wäre das Spielzeug in die Hände von Oscar Pistorius gelangt! Der geniale Plan erinnert übrigens an einen Roman von Stephen King, der zusätzlich zum Plotstrang auch wegen einem verriegelten Badezimmer und einer zersplitternden Holztür eventuell mal freundlich bei Matthew Vaughn bezüglich einer Gewinnbeteiligung anfragen sollte. Was in der Musikbranche zündet könnte ja auch im filmischen Bereich von Erfolg gekrönt sein. Der Brite bleibt sich selbst treu und inszeniert gerade Kampsequenzen so, wie wir sie bereits in „Kick-Ass“ gesehen haben. Im Klartext heißt das, dass hektische Kameraarbeit, Videospielästhetik, schrille Musik und tropfende Intermezzos roter Flüssigkeit, durch den Kinosaal sausen. Jetzt kommt es zum Kollisionspunkt, der entscheidend für die Bewertung von „Kingsman“ sein wird. Der Inhalt ist an eine jugendliche Zielgruppe gerichtet, aber er wird mit einem so hohen Gewaltgrad vermittelt, dass der Film weder für ein erwachsenes Publikum noch für jüngere Generationen geeignet ist. Am problematischsten ist der durch eine Konstruktion von Valentines Apparaturen ausgelöste Amoklauf in einem Sektenstützpunkt, der selbst hartgesottene Kinogänger am Sinn des hier an den Tag gelegten Härtegrades zweifeln lässt. Eine Anpassung des Stils an die Thematik hätte Vaughn und allen Involvierten nur von Vorteil sein können, denn so ist es anzuzweifeln, dass der Regisseur in Zukunft erfrischende Arbeit abliefern wird.

Fazit: „Kingsman: The Secret Service“ ist ein an einigen Stellen unterhaltsames Stück Actionkomödie mit einem imposanten Cast, das mit zahlreichen Referenzen, die auf Dauer ermüden, und einem hohen Härtegrad versucht für Begeisterung zu sorgen. Das hohe Gefälle zwischen Grundstruktur und Umsetzung hinterlässt einen faden Beigeschmack, der nicht so recht verschwinden möchte. Ein Film ohne Publikum!

Bewertung: 5/10
Genre: Action, Komödie
FSK: Ab 16 Jahren
Laufzeit: 129 Minuten
Marco Busselmaier

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