2 Kommentare

Mr. Turner - Meister des Lichts

DEINE MEINUNG?


2014

Genre: Biographie, Drama

Spieldauer: ~ 150 Minuten

Regie: Mike Leigh

Cast: Timothy Spall, Lesley Manville, Ruth Sheen, Richard Bremmer, Jamie Thomas King, Karl Johnson, Niall Buggy, Marion Bailey, Martin Savage, Dorothy Atkinson, Tom Edden, Paul Jesson, Amy Dawson, Sandy Foster, Fred Pearson

Kurzbeschreibung: Joseph Mallord William Turner (1775-1851): Meister des Lichts, ein Gigant unter den Künstlern, zielstrebig und kompromisslos, außerordentlich produktiv, revolutionär in seinem Ansatz, vollendet in seinem Handwerk, vorrausschauend in seiner Vision. Der Mensch Turner jedoch: exzentrisch, anarchisch, verletzlich, unberechenbar und gelegentlich ungehobelt. Er konnte bösartig und zugleich sanftmütig sein und er war zu großer Leidenschaft und Poesie fähig.


Filmkommentare (2)


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8martin
28.11.14 - 11:02
Mike Leigh hat eine Biopic gemacht, die irgendwie aus dem Rahmen fällt. Es geht ihm dabei weniger um den Maler William Turner, es geht ihm mehr um den Menschen. Dazu hat er wieder einige seiner Lieblingsschauspieler in kleineren Rollen eingesetzt. Neben Lesley Manville kommt Ruth Sheen als keifende Ex des Meisters zum Einsatz. Alle überragt aber der großartige Timothy Spall, der Turner nicht nur auffallend ähnlich sieht, sondern auch in Mimik und Habitus dessen innerstes Wesen sichtbar macht. Er ist einfach Mr Turner! Und auf Augenhöhe neben ihm steht Dorothy Atkinson, seine alte Haushälterin, die ihn still verehrt und auch seine sexuellen Übergriffe lautlos erträgt. Ihr gehört mit Recht die letzte Einstellung: ein kleiner Buckel, leicht hinkend und von der Krätze gezeichnet. Wenn uns Mr Turner beeindruckt, die Atkinson berührt uns, ähnlich wie Marion Bailey als Turners zweite Frau. Ihr fällt vergleichsweise der Part von Heines Schuhverkäuferin zu. Sie pflegt und ummuttert ihn bis zu seinem Tode, wobei sei nur versteht, dass er ein großer Maler sein muss und ihm mit der ganzen Wärme einer reifen Frau begegnet. Mike Leigh hat die zweite Lebenshälfte Turners in kaleidoskopähnliche Szenen hintereinander gesetzt. Da sind manche im Zusammenhang nicht gleich verständlich, andere haben Längen, wie die Fachsimpelei unter Kollegen, wieder andere werden abgebrochen, wie die Bootsfahrt zu einem Dampfer in der Abendsonne. Hier muss man die hervorragende Kameraarbeit von Dick Pope erwähnen, der reihenweise Landschaften, fahrende Dampfloks, Meeresstrände etc. so eingefangen hat, dass sie übergangslos in ein Turnerbild passen. Der Film ist ein Erlebnis.

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MarcosFilmblog
11.11.14 - 00:09
Liebe Leser von Marcos Filmblog, da eure Anzahl stetig steigt, hat Marco mich gefragt, ob ich nicht als Lektor an seiner Seite mitarbeiten möchte. Kurz zu mir: Ich heiße Philipp, 20 Jahre alt und studiere zusammen mit Marco Filmwissenschaften mit Beifach Philosophie in Mainz. Im Folgenden meine erste Kritik.

Regie: Mike Leigh | Kamera: Dick Pope | Drehbuch: Mike Leigh

Filmbiographie über die letzten (wohl etwa 25) Jahre des britischen Malers Joseph Mallord William Turner (1775-1851). Für Kenner seiner Werke durchaus sehenswert. Ansonsten eher nicht.

Zu Beginn des Films ist Bill Turner (Timothy Spall – u.A. bekannt als Wurmschwanz in Harry Potter) bereits etablierter Künstler und Mitglied der Royal Academy. Er ist oft auf Reisen, die als Inspiration für seine Werke dienen. Im Laufe der Zeit werden seine Werke immer abstrakter und aus historischer Sicht werden diese Bilder als wichtiger Vorläufer des Impressionismus im späten 19. Jh. gesehen. Auf der einen Seite ist Bill ein grobschlächtiger, ungepflegter und grunzender Rüpel, der seine Ex-Frau und Tochter in der dritten Person anspricht und sich primitive sexuelle Befriedigung bei seiner Haushälterin verschafft. Andererseits ist er auch ein sinnierender Feingeist, Naturfreund und Romantiker. Stets im Zentrum des Films: Seine Kunst. So ist der Film nicht nur durch den Fortlauf seiner Lebensgeschichte getrieben – auch wenn durchaus eine klassische Dramaturgie verfolgt wird -, sondern im wesentlichen durch die Entwicklung seiner Malerei.

Wer Turners Bilder kennt kommt in den Genuss, dass ihm Szenen präsentiert werden, an denen man erkennen kann, welches Bild er als nächstes malen wird. Ein kleines Beispiel: Turner sitzt in einem Ruderboot mit ein paar Kollegen von der Royal Academy und sie beobachten, wie ein Schlepper ein Passagierschiff abschleppt. Der im Film präsentierte Bildausschnitt ist der selbe wie in Turners Bild The Fighting Temeraire, welches eben jene Szenerie zeigt.

Fast schon zwangsläufig ist der ganze Film visuell auf Turners Kunst abgestimmt. Die Filmbilder sind in eine Mischung aus Gelb und Ocker getaucht, die auch Turners Kunst bestimmt. Es gibt diese Aufnahmen mit der mal aufgehenden, mal untergehenden Sonne im einen Drittel des Bildes und der dunklen Silhouette Turners im anderen Drittel, wie er mit einem Notizbuch in der Hand durch diverse Landschaften schreitet und über deren Schönheit nachdenkt. Nicht nur die Landschaftsaufnahmen, auch die Sets, Maske und Kostüme sind liebevoll gestaltet und nett anzuschauen. Allerdings erinnert die Dekoration auch ein wenig ans Theater, wenn zum Beispiel auf den dreckigen Straßen Englands Mitte des 19.Jh. alle Fenstergiebel frisch gestrichen erscheinen.

Im Kontrast zu einsamen Landschaftserkundungen Turners stehen viele Innenszenen, die in ihrer Inszenierung erneut an Theater erinnern und diverse Handlungen – Todesfälle, eine historisch belegte Liebesbeziehung zwischen Turner und Mrs. Booth – vorantreiben. Im Sinne einer Dramatisierung hätte der Film diese Handlungen mit Sicherheit intensivieren können. So gibt es bei der alljährlichen Kunstausstellung der Royal Academy einen kurzen Anflug von Rivalität zwischen Turner und einem anderen historischen Maler, John Constable. Oder man sieht angedeutet, wie die aufkommende Photographie die Kunstwelt zu revolutionieren beginnt, was nur Turner erkennt und ihn in seiner Kunst abstrakter werden lässt, während die restliche Gesellschaft ihn dafür verspottet. Aber es bleibt nur bei dramaturgischen Ansätzen. Echte Höhe- und Wendepunkte fehlen. Grund dafür ist vor Allem, dass Regisseur Mike Leigh keinen gekünstelt konstruierten „Story-Film“ wollte, sondern primäre Intention war es, ein Stimmungsbild zu vermitteln.

Dass die 150 Minuten Laufzeit zwar nicht fesseln, aber definitiv auch nicht unerträglich erscheinen, liegt daran, dass die Innenszenen meist humorvoll gestaltet sind. Das charakterisierende Grunzen von Timothy Spall wird zum Running Gag als desinteressierte Reaktion auf alles Mögliche. Generell sind einige Figuren und auch zum Teil Dialoge – erneut theaterähnlich – überzeichnet. Oft ist das auch lustig, aber Vorsicht: Wenn zum Beispiel das Publikum in Erwartung des nächsten Grunzens schon tierische Laute von sich gibt und sich zum x-ten Mal in dieser Erwartung bestätigt findet, mag das Gezeigte dem ein oder anderen schnell lächerlich erscheinen. Unter besonderer Anerkennung für sein authentisches Grunzen wurde Spall von der Fachpresse gefeiert und gewann in Cannes die goldenen Palme als bester Hauptdarsteller. Für meinen Geschmack übertreibt er es vor Allem gegen Ende des Films.

Zusammengefasst ein visuell nett anzuschauender Film, der Wert auf das Werk des Malers legt; mit eher flacher Story, jedoch einigen lustigen Szenen. Spall zeigt einen William Turner mit grober Hülle und Feingeist im Innern, der durch diese Kombination nicht zu sehr glorifiziert wird, wie es sonst für das Biopic eines Künstlers üblich ist. Als Folge dessen wirkt Turner schlussendlich menschlich und sympathisch.

Abschließend eine Empfehlung von mir: Wer generell kunstinteressiert ist, aber noch nie zuvor von William Turner gehört hat, dem geht es wie mir vor dem Film. Seine Kunst ist definitiv sehenswert, aber eher in einem Museum als in diesem Film. Wer mit William Turner nichts anfangen kann, den sollte der Film nicht weiter interessieren. Wer Turner kennt und seine Kunst schätzt, kann jedoch den Film durchaus mit Genuss ansehen, da gerade die Momente der Entdeckung seiner Bildmotive, bevor sie von Turner in der Filmhandlung gemalt werden, Kennern Freude bereiten.

Als Versuch, diese drei Zuschauergruppen in einer einheitlichen Wertung zu repräsentieren gebe ich als meine erste Wertung auf dieser Seit eine 6/10.

Liebe Grüße, Euer Philipp

Das war meine erste Kritik. Gebt mir Feedback



Genre: Drama, Biographischer Film
Länge: 150 Min.
FSK: 6 Jahre

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