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Maps to the Stars
78.2/100

5 Bewertungen

Maps to the Stars

FILM • 2014 • 1 Std. 51 Min.


Regie: David Cronenberg

Darsteller/-innen: Carrie Fisher, Julianne Moore, Niamh Wilson, John Cusack, Olivia Williams, Joe Pingue, Jayne Heitmeyer, Mia Wasikowska, Robert Pattinson, Amanda Brugel, Sarah Gadon, Emilia McCarthy, Evan Bird, Jennifer Gibson, Justin Kelly

Genre: Drama



Familie Weiss ist mittendrin im ganz normalen Hollywood-Wahnsinn: Kinderstar Benjie (Evan Bird) kann mit seinen dreizehn Jahren schon auf eine Drogenkarriere zurückblicken. Tochter Agatha (Mia Wasikowska) hat vor Jahren das Haus der Familie in Brand gesteckt. Frisch aus der Psychiatrie entlassen, stürzt sie sich in eine Affäre mit dem Chauffeur Jerome (Robert Pattinson) und sucht Benjies Nähe, sehr zum Missfallen ihres Vaters Stafford (John Cusack). Der Guru arbeitet gerade an seinem neuen Buch. Nebenbei behandelt er die alternde Schauspielerin Havana (Julianne Moore), die vom Geist ihrer Mutter verfolgt wird, seit sie in einem Remake unbedingt die Rolle spielen will, die ihre Mutter einst berühmt machte.


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8martin

8martin


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06.11.14 - 10:03
Hollywood brennt! So zumindest schreit uns ein Poster des Films optisch an. Und eine Karte zu den Sternen ist der Film auch nicht. Es ist David Cronenbergs bitterböse Abrechnung mit dem Zirkus Hollywood. Die Macken der Stars sind nur die Oberfläche der Szenerie. Darunter tun sich Abgründe von Menschenverachtung auf. Man bedient sich einer Fäkaliensprache (jedes zweite Wort fängt mit ‘F‘ an) der übelsten Art. Die Männer denken mit dem Schwanz, die Frauen mit ihrem Genital und beide Geschlechter haben nur ihre Karriere im Sinn. Ein echter Sündenpfuhl!
Heuchelei und Neid sind die häufigsten zwischenmenschlichen Regungen. Es wird ausgebeutet und rumkommandiert, dass man es kaum glauben kann. Die Unterhaltung besteht meist aus verletzenden Sprüchen. Selbst Inzest ist vorgekommen. Schizophrene Wahnvorstellungen führen unter anderem fast zu einem Mord. Es ist ein Sammelsurium von lauter total kaputten Typen. So bleibt am Ende nur ein zweifacher Suizid als Ausweg. Hier setzt Cronenberg ein Sahnehäubchen: ‘La Liberté‘ von Paul Eluard. Zeilen daraus geistern durch den ganzen Film. Benjie (Evan Bird) und seine Schwester Agatha (Mia Wasikowska) wählen die letzte Freiheit.
Cronenbergs Film ist eine Psychofolter der besonderen Art, denn eigentlich gibt es ja so etwas wirklich. Nur diese Dichte und Konsequenz erschlägt einen. Aus der unglaublich guten Darstellerriege ragt turmhoch Julianne Moor heraus. Sie ist wie fast alle Opfer und Täter zugleich.

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MarcosFilmblog

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21
11.09.14 - 13:46
Agatha (Mia Wasikowska) kommt aus Florida. Jetzt beginnt für sie ein neues Kapitel und das soll in der Stadt der Träume geschrieben werden. In Hollywood wird sie die neue persönliche Assistentin der Schaupspielerin Havana Segrand (Julianne Moore). Havana ist besessen davon in der Neuverfilmung des Klassikers, der ihre Mutter zum Star machte, in die Fußstapfen ihrer Erzeugerin zu treten. Durch intensivem Drogenmissbrauch und dem erlittenen Missbrauch, den ihr ihre Mutter in der Kindheit zufügte, plagen sie grausame Halluzinationen, in denen ihre potentielle Rolle ihre psychische Lage noch verschlimmert. Hilfe sucht Havana beim Selbsthilfeguru Dr. Stafford Weiss (John Cusack), dessen Familie auch dank Sohn Benjie (Evan Bird), der als Star einer stereotypischen Teeniekomödie, zu der eine Fortsetzung kurz vor dem finanziell bedeutenden Produktionsbeginn steht,, einen großen Erfolg gefeiert hat, in Hollywood etabliert. Wie so viele Kinderstars vor ihm ist Benjie relativ früh mit Drogen in Kontakt gekommen. Nach einem Entzug ist auch er das Opfer von düsteren Trugbildern, in deren Mittelpunkt ein verstorbenes Mädchen, das er kurz vor deren Tod am Sterbebett besuchte und falsche Versprechungen machte, steht. Agatha findet trotz zahlreicher Verbrennungen am Körper einen Partner. Der ehrgeizige Chauffeur Jerome Fontana (Robert Pattison) erleichtert ihren Alltag, der neben der beruflichen Verpflichtungen aus dem Einnehmen zahlreicher, starker Psychopharmaka besteht. Wie sich herausstellt, besteht zwischen den Beteiligten eine Verbindung, die zur Katastrophe führt…

Der Name David Cronenberg lässt zahlreiche Cineasten aufhorchen. Der Kanadier ist schon langer Stammgast auf zahlreichen, renommierten, internationalen Filmfestspielen, wo seine Werke der Öffentlichkeit präsentiert werden. Für “Maps to the Stars” hat er erneut eine Nominierung für die beste Regie bei den “Internationalen Filmfestspielen von Cannes” erhalten, musste sich aber Benette Miller geschlagen geben. Mehr Erfolg hatte Julianne Moore, die in “Maps to the Stars” eine beeindruckende Leistung als psychisch kanke Schauspielerin “Havana Segrand” abliefert. Sie gewann die begehrte Auszeichnung als beste Darstellerin. Diese Karte der Sterne ist ein schockierendes Porträt einer Familie, die im Leben doch eigentlich alles besitzen müsste. Die Welt der Reichen und Schönen ist für Cronenberg eine Fassade, die er in diesem Drama Stück für Stück in ihre Einzelteile zerlegt. Junge Schauspieler haben nur Sex und Drogen im Kopf, für eine Rolle jubeln Schauspieler über den Tod eines unschuldigen Kindes und Produzenten nutzen ihre Position aus, um Frauen zu sexuellen Handlungen zu zwingen. Trotz des Inhalts erinnert der Film stellenweise an eine bitterböse Satire, die mit dem Starbusiness eine schonungslose Abrechnung betreibt. Das Gezeigte ist stark überzeichnet und weist einen hohen Grad an Humor der schwärzesten Sorte auf, der seine moralisierende Wirkung glücklicherweise nicht verfehlt. Wirkungsvoll sind auch die Szenen, in denen sich zwei der Protagonisten mit ihrem inneren Seelenleben auseinadersetzen müssen. Von einer dunklen Faszination sind die perfekt ausgeleuchteten Bilder geprägt, die den beinahe hypnotisierten Zuschauer daran erinnern, dass Regisseur David Cronenberg seine ersten Erfahrungen in der Filmbranche im Horrorgenre gemacht hat. Die Dialoge sind intelligent und enthalten zahlreiche Anspielungen auf aktuelle Entwicklungen der Branche, die uns oft eine heile Welt suggeriert. Großartig ist wahrhaft der Cast, der für den Film gewonnen werden konnte. Allen voran die bereits erwähnte Julianne Moore, die vor allem mit ihrer Mimik es schafft den Zuschauer in ihren Bann zu ziehen. Top besetzt sind ebenfalls Teenistar “Benjie”, der von Evan Bird sehr authentisch verkörpert wird und John Cusack, der eine Parodie auf zahlreiche Lebensberater mimen darf. Die Geschichte entwickelt sich langsam und erzählt bis zu ihrem schockierendem Höhepunkt zahlreiche Episoden aus dem Leben der auftretenden Charaktere, die jeweils mit viel Sorgfalt aufgebaut werden. Robert Pattison versucht sich bekanntlich seit einiger Zeit von seinem Image des Mädchenschwarms zu lösen. Die Leistung des ehemaligen Blutsaugers ist nicht weiter erwähnenswert. Sein Part ist äußert gering gehalten und ist als Puzzleteil, das dem Mosaik der Beklemmung letztendlich nur ein entscheidendes Stück hinzufügt, aufzufassen. Dagegen ist auch absolut nichts einzuwenden. Es lohnt sich übrigens das Augenmerk auf die Bildkomposition zu richten, da es mehrmals verschiedene Feinheiten gibt, die die jeweilige Einstellung zu einem kleinen Kunstwerk machen, das mit den Geschehnissen auf der Leinwand eng verknüpft ist und dadurch eine symbolhafte Bedeutung zugeschrieben bekommt. Innere Kadrierungen oder Spiegelungen werden dem konzentrierten Betrachter auffallen und die Wirkung des Filmes erheblich verstärken.

Fazit: Ein facettenreiches, ausgezeichnetes besetztes Drama, das es schafft zahlreiche Personen in einem modernen Alptraum zu verknüpfen. David Cronenberg entwirft sein eigenes Gestirn, das die funkelnde Schönheit eines nächtlichen Sternenhimmels durch Strahlen der Beklemmung ersetzt.

Bewertung: 8/10
Genre: Drama
FSK: Ab 16 Jahren
Laufzeit: 111 Minuten

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