Mr. May und das Flüstern der Ewigkeit
86.0/100

Filmkommentare (1)


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8martin
26.11.14 - 11:54
Ein ganz leiser Film voller unspektakulärer Nebensächlichkeiten, aber mit einem omnipräsenten Eddie Marsan in der Titelrolle. Man kennt sein Gesicht aus endlos vielen Filmen, aber hier ist es die Basis: still, freundlich, unattraktiv. Und genau das passt hier auf den Funeral Officer. John May sucht nach Angehörigen von einsam Verstorbenen und wird entlassen. Detektivisch genau und menschlich übermäßig penibel macht er seinen Job. Bei seiner Suche trifft er auf skurrile Typen. Die meisten wollen mit dem/der Verstorbenen nichts zu tun haben. Es gibt ja auch nichts zu erben. John überredet sie trotzdem, zur Beerdigung zu kommen.
Nachdem man John bei seinem Job, der nicht vergnügungssteuerpflichtig ist, respektvoll schätzen gelernt hat, begegnet ihm bei seinem letzten Fall die Tochter (Joanne Froggatt) eines Verstorbenen. Sie ist jung und hübsch, John Mays Gesicht hellt sich merklich auf. Weit entfernt von einer nullachtfünfzehn Lovestory beginnt jetzt die Größe dieses kleinen Films. Zunächst kriegt der Zuschauer einen unerwarteten Schocker verpasst. Und dann sprechen nur noch Bilder. Jeder kann sich selbst die Bedeutung des Finales ausmalen und vom Sehen zum Fühlen gelangen. Und das sind Emotionen pur mit Musik von Rachel Portman unterlegt.
Nur so viel sei verraten: es geht um Einsamkeit, sichtbares Gedenken und Ehrerbietung, Letztlich menschliche Größe, die John May (Frühlingsname) offenbar hatte. Da gefällt mir der deutsche Untertitel, denn die letzten Bilder kann nur die ‘Ewigkeit flüstern‘. Klar, dass der Film auf diversen Festivals Preise abgeräumt hat. Ich würde ihm auch einen verleihen – einen kleinen ganz leisen.

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