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Tod den Hippies - Es lebe der Punk!

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MarcosFilmblog
30.03.15 - 23:19
Für Robert (Tom Schilling) und seinen besten Kumpel Gries (Frederick Lau) steht fest, wer für den Niedergang der Gesellschaft verantwortlich ist. Es sind die Hippies, die stellvertretend für alles, was überhaupt schieflaufen kann, stehen. Während Gries seine homosexuelle Seite in einem Gebüsch nahe des von langhaarigen Gutmenschen betriebenen Internats auslebt und ab und zu rechtes Gedankengut von sich gibt, will sich Robert wirklich selbst verwirklichen. Punk soll sein Mantra sein! Umfangreicher Geschlechtsverkehr, Drogenkonsum und rebellische Musik sind die Ideale, denen er sich ausgiebig widmen möchte. Nachdem er seine Freundin von seinen neuen Prinzipien in Kenntnis gesetzt hat und auch das Haupthaar jedem signalisiert, welcher Subkultur er von nun an angehört, macht er sich auf nach Westberlin. Bald lernt er den Betreiber einer Peepshow Schwarz (Wilson Gonzalez Ochsenknecht) kennen, zu dem er schnell eine intensive Freundschaft aufbaut. Neben Sex, Drugs und Punk müssen auch die Nachwirkungen einer verblichenen Terroristengruppe, psychotische Verwandte und Kriminalität bewältigt werden. Das kann ja heiter werden…

Ein Ausflug in ein Kabinett der Absurditäten und des Obskuren kann zwei komplett unterschiedliche Ausgänge für den Besucher bereithalten. Entweder man erlebt eine schräge Zeit, die einem unglaublichen Spaß bereitet und man weiß selbst nicht genau warum oder man fragt sich auf die Dauer, warum man sich eigentlich noch mit den Reizen, die einem entgegengeschleudert werden, auseinandersetzt. Absurd ist Oskar Roehlers neuester Film auf alle Fälle. Und leider stellt er sich als die Sorte Kabinett heraus, das für die als zweites geschilderte Reaktion sorgt. Dafür sorgt nicht alleine die Besetzung Wilson Gonzalez Ochsenknechts mit einem wichtigen Part in der Groteske, der in fast jeder Einstellung zu versuchen scheint mit Talentlosigkeit, die ihm von Skeptikern unterstellt wird, zu glänzen, indem er die Dialogzeilen unmotiviert auf der Leinwand skandiert. Auf Dauer ist man schlicht und einfach mit dem Präsentierten überfordert. Was hat es mit der Mutter Roberts auf sich, die trotz einer gescheiterten Existenz offensichtlich genug Relevanz besitzt, um im Fernsehen interviewt zu werden? Was redet Roberts Vater für ein wirres Zeug daher? Offensichtlich soll man sich Stück für Stück mit dem jungen Mann, der eigentlich Schriftsteller werden möchte identifizieren und sich selbst die Frage stellen, worin hier der Sinn liegt. Interpretieren kann man das Dargebotene mit Sicherheit. Vielleicht ist Robert einfach kurz nach der Ankunft gestorben und alles Weitere ist eine subjektive Erzählung des Höllenbildes in seiner Figur. In den Momenten, die explizit als Alpträume oder Fantasie Roberts gestaltet, überzeugt das Werk zugegeben auf ganzer Linie. Der Regisseur kann inszenieren und auch die farblosen Passagen erinnern daran, welche betörende Wirkung ein karges Farbspektrum auf das Auge des Betrachters, solange es richtig eingesetzt wird, auslösen kann. Plötzlich bekommt ein künstlicher Darmausgang einen hohen Stellenwert und spätestens dann, wünscht man sich aus dem Kinosaal. Vielleicht in die ägyptische Wüste, wo Atomfässer gelagert werden. Dort hätte man vermutlich mehr Freude als an den Geschehnissen in diesem anarchischen Westberlin. Manchmal ist es doch besser in der Schule zu bleiben, denn dort geht es manchmal zwar schockierend zu , allerdings lernt man aus dem Erlebten Dinge, die im späteren Situationen helfen können. Selbst wenn der Lehrauftrag die Agilität eines „Blixas„, der mit einer dunklen Sonnenbrille ausgestattet in einen Raum voller apathischer Männer, deren Aussehen durch den Konsum von Speed in Mitleidenschaft gezogen ist, an den Tag legt, kann man noch behaupten, dass einem die Erfahrung auf irgendeiner Ebene zu einer Bereicherung für spätere Vorkommnisse verschafft hat. Durch eindimensionale Charaktere und dem episodenhaften Stil, der mit dem Ende des subversiven Schlachtrufes komplett Charakter eines repetitiven Höllen-Gleichnisses erreicht, welchem außerdem kein eindeutiges Ende beschert ist, erzeugt Roehler zudem Skepsis gegenüber der aktuellen Politik in der hiesigen Filmförderung. Mit der Brechstange wird versucht das Flair von subversivem Kino zu kreieren. Das Material hat dem Vorhaben nicht standgehalten. Objektivität kann kein Kritiker der Welt garantieren, aber er kann versuchen dem Leser Eindrücke zu vermitteln. Die Eindrücke über „Tod den Hippies- Es lebe der Punk“ reichen von Freude über vorhandenen schwarzen Humor, der routiniert zelebriert wird, bis zur vollkommenen Ablehnung. Die Ablehnung hat gesiegt. Das scheint auch Oskar Roheler mit dem Abschluss der 105 Minuten, der einer Ohrfeige gleicht, die das Publikum aus dem Alptraum reißt, eingesehen zu haben. Danke dafür!

Fazit: „Tod den Hippies- Es lebe der Punk“ ist rückblickend betrachtet eine visuell vielschichtig aussehende Qual. Er erzählt keine Geschichte, sondern Trips der Eintönigkeit und sobald der Gedanke an den qualitativen Cast aufkeimt, betritt Wilson Gonzalez das Bildfeld. Wer bis zum Exzess zur Schau gestellte Absurditäten als Maß aller Dinge betrachtet und sich durch einen monotonen Teig, der unter der Glasur schlummert, begeistern lässt, wird glücklich im Kino sitzen. Eventuell betrachtet der Rezensent die Dinge aber zu analytisch. Wenn Unverständnis und Langeweile entstehen, kann dieser nur die hierzu entsprechenden Aspekte schriftlich festhalten. Man möge es ihm nachsehen!

Bewertung: 4/10
Genre: Tragikomödie, Groteske
FSK: Ab 16 Jahren
Laufzeit: 105 Minuten
Marco Busselmaier

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