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Victoria
55.0/100

2 Bewertungen

Victoria

FILM • 2015 • 2 Std. 20 Min.


Regie: Sebastian Schipper

Darsteller/-innen: Max Mauff, Daniel Fripan, Burak Yigit, Martin Goeres, Frederik Lau, Philipp Kubitza, Anna Lena Klenke, Franz Rogowski, Laia Costa, Eike Frederik Schulz, Adolfo Assor, Jan Breustedt, Ambar de la Horra, Anne Düe, Hans-Ulrich Laux

Genre: Drama, Krimi, Thriller




Copyright: Universum Film GmbH

Eine Stunde noch, dann neigt sich auch diese Nacht in Berlin wieder dem Ende zu. Vor einem Club lernt Victoria (Laia Costa), eine junge Frau aus Madrid, vier Berliner Jungs kennen – Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski), Blinker (Burak Yigit) und Fuß (Max Mauff). Der Funke zwischen ihr und Sonne springt sofort über, aber Zeit füreinander haben die beiden nicht. Sonne und seine Kumpels haben noch etwas vor. Um eine Schuld zu begleichen, haben sie sich auf eine krumme Sache eingelassen. Als einer von ihnen unerwartet ausfällt, soll Victoria als Fahrerin einspringen. Was für sie wie ein großes Abenteuer beginnt, entwickelt sich zunächst zu einem verrückten euphorischen Tanz – und dann schnell zum Albtraum. Während der Tag langsam anbricht, geht es für Victoria und Sonne auf einmal um Alles oder Nichts...



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Vor einem Club lernt Victoria (Laia Costa), eine junge Frau aus Madrid, vier Berliner Jungs kennen – Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rogowski), Blinker (Burak Yigit) und Fuß (Max Mauff). Der Funke zwischen ihr und Sonne springt sofort über, aber Zeit ...
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30.06.15 - 16:15
Das Nachtleben in Berlin ist schnelllebig. Zahlreiche Menschen feiern täglich in den Diskotheken der urbanen Metropole, die nach dem Sonnenuntergang von Stroboskopen und dröhnenden Bässen erfüllt ist. Victoria (Laia Costa) ist eine der vielen tanzenden Bewohner der Stadt, für die des Nachts das Leben erst richtig beginnt! Gerade als sie einen ihrer Club-Besuche beenden möchte, kreuzen sich ihre Wege mit vier jungen Männern, die sich alle nur mit ihren verspielten Spitznamen Sonne (Frederick Lau), Boxer (Franz Rokowski), Blinker (Burak Yigit) und Fuß (Max Mauff) anreden. Den Kontakt mit dem verrückten Haufen nimmt Victoria nur zu gerne an, denn die Spanierin kann sich nur auf Englisch mit ihrer Umwelt verständigen und hat bis jetzt wenig soziale Kontakte knüpfen können. Aus der spaßigen Zusammenkunft wird aus Victoria durch eine Verkettung an unglücklichen Umständen, die eng mit der lokalen Unterwelt in Verbindung stehen, ein Instrument eines Quartetts, das 50000 Euro aus einer Bank raubt. Der Überfall ist der Auftakt einer großstädtischen Sinfonie, deren Töne im letzten Satz immer wilder werden…

Die ersten Filme, die das Licht der Welt erblickten und einem größeren Publikum präsentiert wurden, gingen kaum über die Laufzeit einer Minute hinaus. Alleine die Faszination an den bewegten Bildern, die oft Alltagssituationen abbildeten, reichte aus um das Interesse der Leute zu wecken. Momente der Vergangenheit, die nicht nur eine Sekunde wie die Fotografie für die Nachwelt erhielten, wurden auf einmal festgehalten! Wie mit jeder neuen Kunstform, betraten bald motivierte Köpfe die Bühne. Ihre Absicht war es das Medium weiterzuentwickeln und per Zufall entdeckte man den Schnitt. Anfangs wurde dieses As nicht mit der Intention eine Geschichte zu erzählen verwendet, es handelte sich eher um ein Stilmittel der Verblüffung, das beispielsweise bei der Vorstellung von Zaubertricks für das plötzliche Verschwinden der hübschen Assistentin sorgte. Heute kennen wir das Schneiden als Möglichkeit, zwischen den unterschiedlichen Einstellungen zu wechseln. Der Blick des Betrachters wird durch die Montage der einzelnen Bilder gelenkt. In unserer Wahrnehmung hat sich das Paradigma dieser Art der Filmproduktion eingenistet. Immer wieder gibt es aber Visionäre, die bewusst aus dem klassischen Muster fallen möchten und davon träumen einen Film in nur einer einzigen Einstellung zu drehen. Bereits im Frühjahr hat sich “Birdman” diesem Reiz angenommen, allerdings wurden mehrere Plansequenzen, mit weichen Schnitten, die nicht direkt ins Auge fallen, verbunden, sodass bei diesem Machwerk nur der Eindruck entsteht, dass es sich um einen “one take” handeln würde. Sebastian Schipper verzichtet in Victoria bewusst, auf diese Vorgehensweise und schafft es tatsächlich eine Geschichte ohne einen einzigen Schnitt zu erzählen. Man kann sich nur vorstellen, mit was für einem Aufwand diese Mammutaufgabe einherging. Manch einer ist sich eventuell gar nicht bewusst, dass Kameramann Stural Brandth Grøvlen jederzeit mit seinem Werkzeug in Bewegung war, damit er die Bilder festhalten konnte. Keine Auszeit, keine Wiederholung, keine Kompromisse! An wenigen Momenten merkt man, dass sich ein Versprecher, den es strenggenommen aufgrund des bloß in Beschreibungen der Handlung gehaltenen, Drehbuches, das keinen festgeschriebenen Dialog enthielt und den Akteuren sehr viel Freiheit in ihrem Ausdruck und Zeichnung des zu verkörpernden Charakters bot, nicht geben kann, eingeschlichen hat. Zum Großteil wird auf Englisch kommuniziert. Ein geschickter Kniff, der auch die internationale Vermarktung erleichtert. Es ist charmant, wenn Frederick Lau den Arbeitsplatz Victorias aus heiterem Himmel als Hotel anstatt eines Cafés bezeichnet, sich anschließend aber in wenigen Sekundenbruchteilen etwas schmunzelnd in seiner Bemerkung korrigiert Skeptiker können anmerken, dass Kunst alleine ja nicht bedeutet, dass das Ergebnis auch gelungen ist. Man kann auch für zwei Stunden einen Raum filmen und es als Machwerk ausweisen, dass mit der identischen Vorgehensweise, die bei “Victoria” an den Tag gelegt worden ist, realisiert wurde. Der Film hat neben dem künstlerischen Anspruch, aber noch viel mehr zu bieten. Schauspieler, die sich auf der Leinwand entblößen und es schaffen, Freude und Leid mit einer unfassbaren Wucht zu entfesseln, was auch das Leben, das uns abgesehen von schönen Momenten auch Leiden und Schmerz in seiner puren Grausamkeit, die sich schleierhaft über unsere Wahrnehmung ausbreitet. bietet, im Alltag für uns bereithält. Die Leistung der beiden Hauptdarsteller wurde verdientermaßen mit dem Deutschen Filmpreis in den jeweiligen Kategorien, die schauspielerische Performances würdigen, honoriert. In wenigen Abschnitten verzichtet Sebastian Schipper auf Dialog und lässt langsam fließende Beats der elektronischen Musik über die Bilder gleiten. Das hat zum einen emotionale Gründe, die Flüchtigkeit von Glücksmomenten umranden und intensivieren, aber man kann auch einen pragmatischen Sinn hinter den den Augenblicken der angeschnittenen Isolation vermuten, da sie zeitlich gegen Ende des ersten und zweiten Drittels positioniert worden sind. Eventuell wurde an diesen Punkten die Chance genutzt Anweisungen an das Team zu geben. Besonders für Laia Costa und Frederick Lau, die fast zu jedem Zeitpunkt im Bild zu sehen sind, bieten diese Minuten die einzige Chance zum Empfangen von Instruktionen und weiterem Feedback, da sie nicht wie andere Rollen häufiger auch mal im Off zu finden sind. Das alte Ego der Spanierin ist tatsächlich zu jedem Zeitpunkt im Mittelpunkt des Geschehens. Ein Hauch von Theater! Dieses Theater ist aber nicht an die begrenzten Möglichkeiten eines Bühnenbilds gebunden, sondern hat als Aufführungsort eine ganze Stadt auserkoren. Das plötzliche Abschweifen in die Kriminalität trifft unerwartet, die Wirkung mit all den darauffolgenden Ereignissen bewegt nachdrücklich, woran erneut die brillante Besetzung der Schlüsselfiguren erheblichen Anteil hat. Gegen Ende orientiert sich das Schicksal von Victoria an Versatzstücken der Kombination zwischen liebenden Gangsterpärchen, womit eine Ambivalenz in den Raum geworfen wird, die zum Schluss eindeutig im Sinne moralischer Normen geklärt wird.

Fazit: Im Schlüsselmoment des Films werden Victoria und ihre Begleiter dazu gezwungen Drogen zu konsumieren und von diesem Zeitpunkt an ist der Film das, was er beim Sehen auslöst: Ein Rausch! Es ist ein Rausch, der neben der tadellos visuellen Konzeption von seinen exzellenten Darstellern lebt. Übrigens kann man nach dem Verlassen des metaphorisch gewählten Tores zur Unterwelt die restlichen Abenteuer, die sich abseits der Legalität befinden, als entsprungene Auswüchse aus dem Unterbewusstsein der Handlungsträger sehen. Anhaltspunkte für diese Interpretation finden sich genug. Man sollte sich selbst im Kino auf Erkundungstour begeben. Von vertrauten nächtlichen Aktivitäten, einer Liebesgeschichte, kurzzeitiger Ekstase, bis hin zu grausamer Passion wird ein Abenteuer auf der Leinwand geboten, das hoffentlich den Weg für mutigere Produktionen in der deutschen Filmindustrie ebnen wird.

Bewertung: 9/10
Genre: Drama
FSK: Ab 12 Jahren
Laufzeit: 140 Minuten
Marco Busselmaier

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