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Straight Outta Compton

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2015

Genre: Biographie, Drama, Musik

Spieldauer: ~ 147 Minuten

Regie: F. Gary Gray

Cast: Paul Giamatti, Aldis Hodge, Neil Brown Jr., Allen Maldonado, Orlando Brown, Demetrius Grosse, Jason Mitchell, Corey Hawkins, O´Shea Jackson Jr., Alexandra Shipp, R. Marcos Taylor, Rebecca Olejniczak, Dean Cameron, Aeriél Miranda, Keith Powers, Carra Patterson, Marlon Yates Jr., Sheldon A. Smith, Joshua Brockington, Elena Goode


Trailer:

Kurzbeschreibung: Mitte der 80er Jahre gehören die Straßen von Compton in Los Angeles mit zu den gefährlichsten der USA. LA ist die Hauptstadt der Gangs und steht einsam an der Spitze der Mordrate des Landes. Fünf junge Männer beginnen, ihre erschreckenden Erfahrungen aus diesem Viertel in radikal ehrliche Musik zu verarbeiten. Ihre Texte rebellieren gegen Polizeibrutalität und geben einer unterdrückten Generation eine explosive Stimme. Das FBI sieht sich daraufhin gezwungen, die Band zu warnen, dass so etwas nicht akzeptiert werden wird.


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MarcosFilmblog
07.09.15 - 13:51
In der kalifornischen Stadt Compton regiert das Gesetz der Straße. Gangs bestimmen das Stadtbild, Drogengeschäfte werden in zwielichtigen Vororten getätigt und die Polizei reagiert mit kollektiver Skepsis gegenüber der afroamerikanischen Bevölkerungsschicht. Harte Kontrollen mit ausufernder Willkür der Staatsdiener heizen die sozialen Spannungen immer mehr auf. Die zahlreichen jungen Männer und Frauen finden eine Oase der Zuflucht in der Musik, die in lokalen Clubs von DJs zum Besten gegeben wird. Zu den musikalischen Akteuren des Nachtlebens gehört auch André Rommell Young (Corey Hawkings), der in der Szene wegen seines Talents ausgeklügelte Instrumentalstücke zu produzieren “Dr. Dre” genannt wird. Zusammen mit befreundeten Künstlern des Untergrunds formiert er die Rap-Crew “N.W.A”, deren erster Track schon bald das Interesse vom gut vernetzten Musikproduzenten Jerry Heller (Paul Giamatti) weckt. Nach dem Überraschungserfolg des Debütalbums “Straight Outta Compton”, das mit provokanten Texten und Stilmitteln des Gangsta-Rap landesweit für Furore sorgt und sogar das FBI auf den Plan ruft, beginnt für die Gruppe ein Leben mit Touren, Groupies und Partys. Die Idylle währt nicht lange. Schon bald entsteht durch die undurchsichtige Vertragspolitik Hellers Zwietracht unter den Musikern…

Rap ist wie kaum eine andere Musikrichtung seit jeher als Zielscheibe besorgter Elternteile, konservativer Medien und moralischen Instanzen mit einem Stigma gebrandmarkt. Insbesondere die Stilrichtung Gangsta-Rap, der mit überzeichneter Gewaltdarstellung, harschen Worten und dem Umgang mit berauschenden Substanzen jeglicher Art spielt, um ein Bild vom Alttag in Problemvierteln der amerikanischen Städte zu zeichnen, bietet ausuferndes Diskussionspotential. “Straight Outta Compton” rückt eine der einflussreichsten Rap-Formationen, die es in der Musikgeschichte jemals gegeben hat, in den Mittelpunkt. Die N.W.A! Wie es sich für eine Biographie gehört, umfasst der Handlungszeitraum des Filmes mehrere Jahre. Von den anfänglichen Darstellungen des schwierigen Lebens der Jungs vor dem Erfolg wird bis zur eigenen Labelgründung des Doktors, der heute neben seiner musikalischen Profession besonders aufgrund seiner teuren Rezepte für gleichnamige Kopfhörer auch bei dem Genre fernen Bevölkerungsteilen zu Bekanntheit gelangt ist, ein großer Bogen geschlagen. Highlight sind ohne Zweifel die Sequenzen, in denen die perfekt abgemischten und erstaunlich druckvoll vorgetragenen Songs die Leinwand erobern. Dies geschieht entweder in Studios oder auf Konzerten, die es schaffen durch den geschickten Wechsel zwischen Nahaufnahmen der Performer und den tosenden Mengen atmosphärische Bildfolgen zu erzeugen. Wenn beim Anstimmen des subversiven Titels “Fu** tha Police”, der Mittelpunkt eines an die Gruppierung gerichteten Schreibens des FBIs war, die Kamera zu einer kreisenden Bewegung um die eindeutige Geste Eazy Es ansetzt, entsteht ein effektvolles Gefühl, wie es sonst nur ein Konzert zu erzeugen vermag. Kurzauftritte ikonischer Größen der Szene finden sich ebenfalls wieder. Kenner der Straßenmusik wird es freuen. Abgesehen von der musikalischen Rahmenhandlung bettet das Drehbuch eine immer noch präsente Problematik ein. Es vergeht kaum ein Monat, in dem nicht über Kurzschlusshandlungen Polizeibeamter und unberechtigten Schusswaffengebrauch gegenüber Afroamerikanern berichtet wird. Die Originalaufnahmen von Fernsehberichten über entsprechende Vorfälle legen ein Zeugnis über einen zeitlosen Beweis von menschlichem Versagen ab. Die zugegebenermaßen der Thematik geschuldeten Einseitigkeit wird noch am ehesten in einer Szene, die eine Befragung der N.W.A durch Journalisten nach einem außer Kontrolle geratenen Polizeieinsatz zeigt, auf ein ambivalentes Niveau gerückt. Der ernstere Hauch hätte auch sehr gerne zu einem Wind, der über die Konsequenzen des Vorfalls berichtet, werden können. Diese wenigen Lücken stören allerdings nicht erheblich, da in den nächsten Minuten bereits wieder die erstklassigen Rap-Einlagen vom Stapel gelassen werden .Der Weg bis zum Ende des Biopics ist von einigen Schlüsselmomenten im Leben eines jeden Crew-Mitglieds gepflastert, wobei durch die Inszenierung des Regisseurs F. Gary Gray auf eine eindeutige Bildsprache gesetzt wird. Im Mittelpunkt stehen allerdings spürbar die kommerziell erfolgreichsten Akteure der Truppe. Dre, Cube und E sind die drei Zahnräder in der Maschinerie, deren Treibstoffe Diss-Tracks, welche als die absoluten Highlights des in das Geschehen eingebundenen Soundtracks auftrumpfen, Einschüchterung durch das Präsentieren möglichst großkalibriger Schusswaffen und das Kombinieren verschiedener musikalischer Einflüsse sind. Es ist erfrischend, dass die dargestellten Images auch wirklich als instrumentalisierte Kreationen dargestellt werden. Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft und jede Form der Berichterstattung ist letztendlich demjenigen, auf den sich die Medien stürzen, in gewisser Weise von Nutzen. Die emotionale Lenkung, die sich besonders auf eine Überhöhung der Protagonisten abzielt, gipfelt in dem metaphorischen Gang Dres aus den rötlichen Hallen von “Deathrow Records” in einen Raum, der mit gleißendem Licht geflutet ist. Das Beschreiten neuer Pfade führt in eine bessere Zukunft. Eine versöhnliche Botschaft in einem Biopic, das unangenehme Eskapaden in den Karrieren der Rapper nur umrandet und die Figur des Musikmanagers Jerry Heller, der die Jungs unter seine Fittiche genommen hat, leider zu offen gestaltet. Auf dieser Bühne steht Musik auf dem Spielplan.

Fazit: “Straight Outta Compton” setzt Pionieren der Hip-Hop-Kultur ein glänzendes Denkmal, das sich selbst zum Ritter der Gerechtigkeit auf den moralischen Thron positioniert. Mit einer Besetzung von nahezu perfekten Doppelgängern, der inzwischen in die Jahre gekommenen Künstler, die ihren realen Vorbildern Leben einhauchen, werden in 147 Lines am Fließband gedroppt, die das Kino zum Schauplatz eines Konzerts mit einer geradlinig biographischen Aufarbeitung werden lassen, deren Bässe von den Stimmen der Protagonisten in die Schranken gewiesen werden. Das Mischpult hat sich für den Rap entschieden!

Bewertung: 7/10
Genre: Biopic, Musikfilm
FSK: Ab 12 Jahren
Laufzeit: 147 Minuten
Marco Busselmaier

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