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Picknick mit Bären

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8martin
23.10.15 - 19:30
Ein netter Oldies Film oder wie man heute auf Neusprech sagen würde durch und durch ‘ein Feel-Good-Movie‘. Das liegt hauptsächlich an den beiden Hauptdarstellern, die mehr oder weniger sich selbst spielen. Robert Redford gibt den eher etwas Intellektuellen Reiseschriftsteller Bill Bryson und Nick Nolte spielt dessen alten Freund aus Jugendtagen Stephen Katz. Der hatte mal ein Alkoholproblem und schnauft wie eine alte Dampflok. Eigentlich nicht gerade der geborene Wandervogel. Er ist es aber, der für die nötige Portion Komik auf dem Trail sorgt. Bills besorgte Ehefrau Emma Thompson bringt überraschenderweise Emotionen mit ins Spiel, wenn sie sich von Bill verabschiedet. Nur ganz kurz aber gut. Ständig versichert Bill, dass er über diesen ‘Walk‘ kein Buch schreiben wird. Er hat auch so alle Hände voll zu tun, wenn er z.B. Stephen, aus der Patsche helfen muss, der sich gerade im Waschsalon als ausgewiesener ‘Schlüpferologe‘ (Klasse Übersetzung!) bei einer äußerst korpulenten Madame (Susan McPhail) eingeschleimt hat. Als Nervensäge der Perfektion agiert Kristen Schaal, vor der sie dann auf der Flucht sind, was ihnen vorübergehend Flügel verleiht. Auch der Kurzauftritt von Mary Steenburgen als nette Hotelbesitzerin setzt nur ein kurzes Funkeln frei. Vielleicht einen Seufzer. Ach ja!?
Es wird hier nicht übertrieben, die beiden Oldies scheitern ganz natürlich an der eigenen Überforderung. Nachvollziehbar und belohnt mit dem Humor des Alters. Natürlich darf der Auftritt der ‘Bären‘, wie im deutschen Titel angekündigt, nicht fehlen. Man genießt das Zuschauen, denn man braucht sich ja nicht selber quälen.
Am Ende sitzt Bill vor seinem Rechner zu Hause und tippt einen Titel ein: PICKNICK MIT BÄREN. (Im Original hat er natürlich A WALK IN THE WOODS getippt.)

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MarcosFilmblog
13.10.15 - 17:13
Bill Bryson (Robert Redford) hatte ein bewegtes Leben. Der amerikanische Schriftsteller, der durch seine humorvollen Reiseberichte über seine Erlebnisse im fernen Europa einen gewissen Bekanntheitsgrad erlangt hat, lebt zusammen mit seiner Frau Catherine (Emma Thompson) in der Nähe seiner näheren Verwandtschaft in einer illustren Gemeinde im US-Bundesstaat Iowa. Neben seiner Tätigkeit als Schriftsteller hat er sich aufgrund seiner Berufungen an diversen Universitäten einen entspannten Ruhestand erarbeitet. Nach einem peinlichen Interview und einer der vielen Beerdigungen, denen er in letzter Zeit immer öfter beiwohnen muss, packt ihn erneut das Wanderfieber. Der "Appalachian Trail", welcher sich über eine beeindruckende Distanz von 3500 Kilometern und durch insgesamt 14 Staaten erstreckt, ist der Ort, an dem er seiner Leidenschaft zu neuen Dimensionen verhelfen möchte. Für Catherine ist allerdings sofort klar, dass sie ihren Ehemann nicht alleine auf einen solchen Trip ziehen lassen kann, immerhin dokumentieren genug Zeitungsberichte über die herben Schicksale, die Wanderern bei dem ambitionierten Unterfangen widerfahren sind. Zunächst scheinen Bills Bemühungen keiner Früchte tragen zu wollen. Seine Freunde und alte Bekannte, an die er sich klammert, reagieren auf seine Anfrage allesamt mit derber Zurückweisung oder Spott. Gerade als er die Hoffnung einen Kompagnon zu finden aufgeben möchte, erreicht ihn der Anruf von Stephen Katz, eines ehemaligen Freundes, von dem ihn schon lange kein Lebenszeichen mehr ereilt hat. Trotz der brüchigen Stimme, die zu einem noch brüchigeren Rentner gehört, der Bill am Telefon begrüßt, beschließt er relativ schnell Stephen zu treffen und schon bald befindet sich das ungleiche Paar mitten in einer Reihe von Abenteuern, die das Leben auf dem Wanderpfad für sie birgt...

Ältere Menschen haben ihre Eigenheiten. Im letzten Drittel der eigenen Zeit auf Erden, entdecken Angehörige älterer Generationen ehemalige Leidenschaften wieder, die durch schwelgen in Erinnerungen wieder ohne den Staub der vergangenen Jahre auf einmal nur allzu neu wieder blitz und blank in das Gedächtnis des Hüters der kostbaren Schätze in Erscheinung treten. Robert Redford muss in seiner Rolle als rüstiger Autor erkennen, wie kompliziert es sich verhält eine physische Herausforderung ohne einen für die Aufgabe passenden Körper zu bewältigen. Wenn dann auch noch Nick Nolte, der optisch gut und gerne nochmal ein halbes Dutzend Jährchen mehr auf dem Buckel zu haben scheint, als treuer Begleiter auf den Plan tritt, lässt sich bei der auf den schriftlich festgehaltenen Erfahrungen des Schriftstellers Bill Bryson, der hier als Hauptfigur dient, beruhenden Geschichte schon erahnen, worin die Stärken in der von Ken Kwampis inszenierten Komödie liegen. Das beschauliche Skript, das die Ereignisse und ihre Charaktere ohne jegliche Tiefe über die Leinwand huschen lässt, wird durch die erstklassige Chemie, die zwischen den Altmeistern herrscht, extrem aufgewertet. Viele kleine Anekdoten werden erzählt. Im Mittelpunkt stehen die Tücken der Wanderlust, die sich für ältere Naturliebhaber ergeben. Da kann die Überquerung eines idyllischen Baches schon mal für hochdosierte Ausschüttung von Adrenalin sorgen. Die an Sketche erinnernden Szenen, die das sympathische Duo bei der landschaftlich abwechslungsreich dargestellten Route durchwandert, werden zu Gleichnissen auf das Leben erhoben. Zusammen wird so unter anderem viel gelacht, ein bisschen geweint, ein wenig gestritten und die Bekanntschaft mit Menschen der barmherzigen und nervenden Sorte gemacht. Sogar die brennende Leidenschaft mit all ihren noch so harten Konsequenzen, ist nicht an eine Grenze der Lebensjahre gebunden. Die malerischen Panoramaaufnahmen, die unsere forschen Spaziergänger aus luftigen Höhen beobachten, werden mit folkigen Klängen unterlegt, wodurch sich der Eindruck eines kurzweiligen Urlaubstrips, der Phänomenen der heimischen Samstagabend-Unterhaltung à la "Traumschiff" jedoch alleine aufgrund der Klasse der schauspielerischen Akteure jedoch um mehrere Schiffslängen überlegen ist, einstellt. Und wenn die Reise dann zu Ende ist, hat man das Gefühl, seinen eigenen Großvätern beim Bewältigen einer für sie abstrusen Mission über die Schulter geschaut zu haben. Sympathisch war der Ausflug mit Robert und Nick allemal.

Fazit: "Picknick mit Bären" ist eine unterhaltsame Wandertour, bei der durch gut aufgelegte Hollywood-Ikonen, die perfekt miteinander harmonieren, über eine mehr als simple Geschichte entspannt hinweggesehen werden kann.

Bewertung: 6/10
Genre: Komödie
FSK: noch unbekannt
Laufzeit: 104 Minuten
Marco Busselmaier

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