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91.0/100

Filmkommentare (1)


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8martin
08.08.19 - 10:05
Regisseur Zhang Yimou hat mit seiner Freundin Gong Li viele unvergessliche Filme gemacht. Er teilweise vor, teilweise hinter der Kamera. Sie glänzte immer vor der Kamera und hat fast immer den ganzen Film getragen. So auch hier. Ein ganz untypischer Film des großen Meisters, ohne die bombastischen Paraden und einem umwerfenden Ambiente hat er hier eine Familie: Ehepaar und Tochter in den Mittelpunkt gestellt. Lu (Cheng Daoming) ist Professor und wird im Rahmen der Kulturrevolution für Jahre in ein Arbeitslager geschickt. Die Familie fällt in Sippenhaft: Tochter Dan Dan (Zhang Huiwen) darf daraufhin nicht die Hauptrolle im Staatballett tanzen. Ehefrau Feng (Gong Li) wird misshandelt und leidet unter Amnesie. Tochter Dan Dan verrät ihren Vater, bekommt aber doch keine Rolle mehr. Lu flüchtet aus dem Lager und taucht zu Hause auf. Feng erkennt ihn nicht. Er wohnt gegenüber und liest ihr ihre Liebebriefe vor. Alle hoffen auf ihre baldige Genesung.
Ganz unüblich verzichtet Zhang auf ein Happy End. Die menschliche Tragik bleibt als Folge der schrecklichen Kulturrevolution, die im Grunde eine Anti-Kulturrevolution war. Sie hat nicht nur Kultur zerstört, sondern auch Menschen, hier Menschen die sich lieben. Engste Familienmitglieder werden zu Verrätern und Kollaborateuren.
Die Tragik geht unter die Haut. Am Ende stehen Feng und Lu am Bahnhof und warten auf den heimkehrenden Lu, der natürlich nicht kommt, denn er ist ja schon da. Toll.

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