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2 Kommentare

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

DEINE MEINUNG?


2007

Genre: Western, Biographie, Drama, Krimi, Geschichte

Spieldauer: ~ 159 Minuten

Regie: Andrew Dominik

Cast: Brad Pitt, Sam Rockwell, Mary-Louise Parker, Casey Affleck, Garret Dillahunt, Brooklynn Proulx, Paul Schneider, Jonathan Erich Drachenberg, Dustin Bollinger, J. C. Roberts, James Defelice, Darrell Orydzuk, Joel McNichol

Kurzbeschreibung: Jesse James (Brad Pitt) ist mit seiner Bande der meistgesuchte Mann im Wilden Westen. Ungerührt von der Jagd auf ihn, plant er einen weiteren großen Zugüberfall und geht zum Gegenangriff auf seine Feinde über, die das auf James ausgesetzte Kopfgeld und den damit verbundenen Ruhm einstreichen wollen. Das kann James sich nur leisten, weil er sich inmitten seiner Gang absolut sicher fühlt. Er ahnt nicht, dass ausgerechnet sein Vertrauter Robert Ford brennenden Neid auf die Western-Legende verspürt und den Mord an ihm plant.


Filmkommentare (2)


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Chev
14.10.12 - 00:24
Mag der Film auch nicht schlecht sein, für mich ist er einfach viel zu langatmig. Es passiert mir zu wenig und der Film schleppt sich und mich so dahin.
2 Std und 40 Minuten... wer tut sich das ein zweites Mal an? Ich sicherlich nicht. Um Gottes Willen.
Dann doch lieber "Der mit dem Wolf tanzt"

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Filmosoph
28.09.09 - 00:43
Selbst wenn man nichts über diesen Film weiß, eines ist bereits im Vorfeld klar: Wie der Film endet. Aber wieder einmal möchte ich betonen: Bei einem guten Film ist es egal, wenn man das Ende bereits kennt. Und auch wenn der Film gerne mit »Western« betitelt wird, soll auch festgestellt werden: Der Film ist ein Psychodrama, im Gewand eines Westerns.
Der Film ist sehr lange, er nimmt sich Zeit. Dies bemerkt man aber bald – nach einer kurzen »psychologischen« Einführung der Figur Jesse James, beginnen Dialoge, die die Handlung nur mäßig voran treiben. So bemerkt man nach 20 Minuten Filmzeit, dass noch nichts »Großes« passiert ist. Hingegen wird von Anfang an deutlich, auf welchen Zweck der Film abzielt: Die Zeichnung der Charaktere Jesse James und Robert Ford. Dies wird deutlich durch die langsame Erzählweise und zweitens durch viele Groß- und Nahaufnahmen. So sieht man die Gesichter der Darsteller häufig aus einer Nähe, wie man es sonst eher nur bei Spiel mir das Lied vom Tod gewohnt war. Man denke an eine Einstellung, in der sich Ford die Hände wäscht: Die Wassertropfen sieht man langsam und in einer Nahaufnahme zum Boden tropfen. Schnitt, Nahaufnahme auf Fords Gesicht. Was geht in ihm vor? wird man sich fragen. Gerade dieser »Dialog« mit dem Zuseher lässt einem immer voll am Geschehen bleiben. Die Figur des Jesse James ist von Brad Pitt bravourös gespielt; er verleiht dem Charakter die Härte und die gewisse »Aura«, welcher für diese Figur notwendig ist. Wenn im Off erzählt wird, die Temperatur steige, wenn James einen Raum betritt, muss dies auch ansprechend auf Film gebannt werden. Jesse spricht nicht viel, er lässt die Dinge eher auf sich wirken. Die Zwiegespräche sind ein Beweis für sein Wirken: Niemand scheint sich neben, mit ihm, normal verhalten zu können; wenn jemand lügt, ist Jesses Präsenz dafür ausschlaggebend, dass dieser die Nerven gleich zu Beginn weg schmeißt. (Er ist nicht so eloquent wie ein Hans Landa (Inglourious Basterds), aber nicht weniger wirkungsvoll)
Insgesamt ist vieles fraglich, was in den Köpfen der Protagonisten vorgeht. Somit überlässt man vieles, nicht alles, dem Zuseher, welcher – als Voraussetzung – bereit sein muss, für diese Art Katz und Maus Spiel.
Bemerkenswert gut waren die beiden Hauptdarsteller, Brad Pitt und Casey Afflek (bereits bei der Ocean’s Reihe mit Pitt an der Seite), für mich die Überraschung überhaupt. Er verleiht dem Fanatiker, dem Enttäuschten, dem Ruhmessüchtigen, dem Größenwahnsinnigen, dem Gefallenen eine Tiefe, die ich ihm nicht zugetraut hätte. Er ist still, aber sagt oft im falschen Moment das Falsche. Aber nie so falsch wie sein Bruder Charley. Das macht Bob nicht sympathisch, nur etwas rätselhafter. Aber will man in seine Psyche eintauchen? Die Frage ist berechtigt, ebenso wie beim vielfachen Mörder Jesse James.
Die Antwort ist ja, der Film wird dadurch enorm spannend. So ist die lange Unterredung mit Ed Miller (Garret Dillahunt) ein Musterbeispiel für diesen Film, und wie er funktioniert: Jesse spricht mit ihm, sagt nicht viel, stellt einige Fragen. Dies dauert verhältnismäßig lange, aber durch die Nähe zu den Protagonisten, durch die Vermeidung der Abstumpfung, ist man ganz nah am Geschehen.
Somit halte ich das Experiment, ein Psychogramm von Jesse James und seinem Mörder zu zeichnen, für vollends gelungen. Der Film ist lange, aber nicht zu lange, da man bald in die Charaktere eintaucht und so eine Nähe zu ihnen aufbaut (sympathisch muss man sie ja nicht finden). Ich kann diesen Film für all jene empfehlen, welche unkonventionelle Kost schätzen und das im Kleide Hollywoods. Anhänger klassischer Western werden spätestens nach einer halben Stunde ausschalten – der Film ist kein Western. Somit haben wir ein Meisterwerk vor uns: Tolle Darsteller, eine tolle Kamera mit einigen sehenswerten Einstellungen. Auch die Musik sollte erwähnt werden, sie unterstreicht weniger das Geschehen, denn stellt eine Frage in den Raum. Alles ist offen, trotz des Titels. Abgerundet wird das Filmerlebnis durch ein Off, welches die historischen Daten nahebringt, ohne sich in diesen zu verlieren. Der Film ist kein Abbild, dafür ist er viel zu spekulativ – aber gerade wegen dieses Mutes hat er letztlich so überzeugt.

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