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Der Schlachter

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8martin
25.06.18 - 16:15
Zwei vom Leben verletzte Seelen begegnen sich in einem Dorf im Périgord. Der Schlachter Popaul (Jean Yanne), der in der französischen Armee in Übersee viel Blut und Elend gesehen hat und Hélène (Stéphane Audran) die seit der Enttäuschung ihrer großen Liebe nie wieder verletzt werden will und den Männern entsagt. Sie ist die Lehrerin des Dorfes.
Regisseur Claude Chabrol (in den 70er Jahren fast zwei Filme pro Jahr) schrieb hier auch das Drehbuch. Genialer Aufbau. Nach einer bürgerlichen Hochzeit, auf der sie sich kennen gelernt haben, verdeutlichen drei wichtige Dialoge ihr Verhältnis: erst ein Gespräch im Wald beim Pilze sammeln. Hier bekommt Popaul von Hélène ein Feuerzeug zum Geburtstag. Er fragt nach ihrem Liebhaber, den es nicht gibt.
Gerüchte von einem Mord machen die Runde. Polizei zeigt Präsenz. Sie findet sein Feuerzeug bei einer weiteren Mädchenleiche, verrät aber nichts. Sie weint nur, als er ihr Feuer gibt. Die Kamera versucht ihr inneres Leiden darzustellen, ihre innere Zerrissenheit. Die Braut vom Anfang des Films ist das nächste Opfer. Begräbnis in strömendem Regen. Dritter Dialog findet im Klassenzimmer statt. Popaul weiß, dass Hélène inzwischen weiß und geht mit einem langen Messer auf sie zu. Die Überraschung des Films! Die Kamera, die ohnehin nur dahin geschaut hat, wo Popaul hinschaut: Kopf oder Popo geht auf ihn zu und weicht wieder zurück. Später folgt noch ein Kuss vor dem Tode.
Viele reden von einem Meisterwerk, in dem ein Geschenk (Feuerzeug) die Aufklärung bringt. Die Morde selbst sieht man nicht. Nur die subtilen Dialoge geben Hinweise auf die Vergangenheit von Hélène und Jean. Die entsetzlichen Taten stehen in krassem Gegensatz zu der Dorfidylle. Gekonnt gemacht vom Altmeister.

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