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Carmen Jones

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8martin
08.01.19 - 11:12
Unter den zahlreichen Versionen der Oper von Bizet ist dieser Film hier von Otto Preminger (1954) der Bemerkenswerteste. Erstens sind hier nur farbige Akteure gecastet, zweitens wurde der Ort der Handlung in den Süden der USA verlegt und last but not least sind die beiden Hauptdarsteller Dorothy Dandridge (Carmen) und Harry Belafonte (Joe) damals die absoluten Superstars (Harry ist es immer noch!).
Der Off Kommentar als erläuternde Einleitung im Vorspann belegt, wie gewagt das ganze Unternehmen damals empfunden wurde: ‘alle Darsteller sind angehörige einer Rasse, die mit ihrer triebhaften Urwüchsigkeit dazu berufen erscheint, dem ewigen Thema von Liebe und Eifersucht eine neue, lebendige Ausdrucksform zu geben.‘
Das Südstaatendrama spielt in der Armee und im Boxermilieu. In die Spielfilmhandlung wurden meist nur ausgesuchte Arien eingebaut, die nicht weiter stören, nur Luft zum Durchschnaufen gewähren. Gleich im Vorspann hören wir ‘Auf in den Kampf…‘ Carmens Solopartie in der Kantine ‘You go for me and I’m Taboo…‘ kommt noch aus der Abteilung Ohrwürmer. Wenige andere Arien bzw. das finale Duett zwischen Carmen und Joe lassen Opernatmosphäre aufkommen.
Dass die Gesangspartien von Dandridge synchronisiert werden mussten (Marilyn Horne) steht außer Frage, doch Belafontes? Das Opernfach war wohl doch nicht so ganz das Metier des Weltstars, der mit Calypso und dem Karibiksound Karriere gemacht hatte (Banana Boat und Island in the Sun). Dieser Film ist für ihn fast ein Debüt, sein zweiter. Er spielt hier eine ehrliche Haut – oft mit Hut – und ist so das Gegenteil von Carmen, die als scharfes Schnittchen daherkommt, provozierend ausgelassen wickelt sie Joe um den kleinen Finger. Das Ende ist bekannt. Preise und Nominierungen sind für diesen Klassiker vollauf gerechtfertigt.

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