Die Schönen der Nacht
65.0/100

Filmkommentare (1)


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8martin
04.02.19 - 09:56
Ein Märchenfilm der besonders turbulenten Art. Das liegt wahrscheinlich am Superstar der 50er Jahre: Gérard Philipe. Sein Charme und sein Temperament ließen immer den Funken überspringen und verbreiteten gute Laune. Regisseur René Clair hat ihm den Film auf den Leib geschrieben.
Claude ein armer Komponist, schlägt sich als Dorfschullehrer durchs Leben, während er auf die Annahme seiner Oper wartet. Niemand achtet ihm, die Schüler hänseln ihn und seine Freunde treiben mit ihm Schabernack.
Nur in seinen Träumen ist er ein Held. Nur hier reiht sich ein Liebesabteuer an das andere. Da liegen ihm die Frauen zu Füßen: Edmée (Martine Carole), eine verheiratete Frau verabredet sich mit ihm im Traum ebenso wie die Kassiererin Leila (Gina Lollobrigida), die einen Verlobten hat. Nur die Nachbarin von der Autowerkstatt nebenan Suzanne (Magali Vendeuil) himmelt ihn von Ferne an.
Im Traum trifft er seine Mädels in vergangenen Jahrhunderten: Leila als Haremsdame im Wüstenzelt in Afrika (wo Clair die französische Kolonialpolitik veralbert), Edmée als Dame im Rokoko. Suzanne gibt er Gesangsunterricht im Biedermeier. Später reisen wir in die Zeit der drei Musketiere oder die Französische Revolution. Doch auch hier gibt es Probleme: Edmées Mann fordert Claude zum Duell, die Guillotine erwartet ihn…Der Film nimmt immer mehr Fahrt auf und wechselt im Minutentakt das Zeitalter. Immer wieder tauchen die Personen aus Claudes Leben auf, zeitgemäß gekleidet.
Am Ende werden seine Freunde ihn mit einem Jeep durch die Zeit hetzen und schlussendlich heimholen.
Als Roter Faden zieht sich die Lärmbelästigung durch den Film. So wird Claude daran gehindert zu schlafen: Motorenlärm, Hupe, Eisensägen, Staubsauger, Presslufthämmer etc. werden am Ende zu einem Orchesterrausch zusammen und nach einander erklingen. Als Claude sein Glück findet – jeder ahnt, wer die Glückliche sein wird - glaubt er, er träume. Seine Oper wird natürlich aufgeführt. Für 1952 führt der extrem rasante Schnitt durch erstaunlich viele historische Ebenen. Alter Klassiker! Leicht angestaubt, aber nett.

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