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Kinder des Olymp

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8martin
07.04.19 - 11:13
Selten hat ein Regisseur das Shakespeare-Wort von der Welt als Bühne so geschickt in eine Handlung eingebunden, die z.T. auf real existierenden Charakteren beruht. Der Titel verweist auf die billigen Plätze unterm Dach des Theaters, wo das sogenannte ‘Gewöhnliche Volk‘ sitzt. Diese ‘kleinen Leute‘ stehen auch im Mittelpunkt des Films. Viele typische Figuren wie der vor Selbstbewusstsein strotzende Schauspieler (Pierre Brasseur), der Gauner und Mörder (Marcel Herrand), der ‘blinde‘ Bettler (Gaston Modot) oder der Pantomime Baptiste (Jean-Louis Barrault) tummeln sich im und um das Funambule. Sie alle umkreisen die schöne Garance (Arletty), den flatterhaften Schmetterling. Die menschlichen Dramen beinhalten Liebe, Eifersucht und Mord. Auf der Bühne wird die Realität des wahren Lebens vorweggenommen. Die Auftritte von Jean-Louis Barrault sind die Highlights des Films, seine unvergessliche Pantomime als Pierrot für die Ewigkeit.
Die traurig-schöne Liebesgeschichte zwischen ihm und Garance mit dem schiwago-mässigen Ende (Baptiste ‘ertrinkt‘ in der tanzenden Volksmasse!) bekommt aber auch noch einen Nebenaspekt, in der Person von Baptistes Ehefrau Natalie (Maria Casares). Sie symbolisiert die selbstlose Liebe, Garance hingegen verkörpert den vorübergehenden Liebesrausch. Dramatischer Höhepunkt ist die parallel verlaufende Liebesnacht der beiden mit einem Mord wegen ihnen. Beides sieht man nicht. Genial, zeitlos, einfach klassisch.

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