Eine Liebe in Deutschland
74.0/100

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8martin
16.04.19 - 12:51
In den 80er Jahren hatten die Filme über NS Gräueltaten noch Konjunktur. Da konnte der Film vom großen Adrzej Wajda noch die Emotionen zum Kochen bringen. Dabei hat die Problematik eigentlich nichts an Aktualität eingebüßt. Vorlage ist ein Hochhuth -Roman.
Pauline Kropp (Hanna Schygulla), deren Mann 1941 an der Front ist, verliebt sich in den polnischen Kriegsgefangenen Stanislaus (Piotr Lysak). Die Todesstrafe droht. Als das im Dörfchen Brombach dicht an der Schweizer Grenze publik wird, kommt Pauline ins Gefängnis, Stany wird von Untersturmführer Mayer (Armin Mueller-Stahl) verhört. Der will Pauline als Frau eines Frontkämpfers eigentlich retten, doch sie nimmt alle Schuld auf sich. Stanis Vermessung (Augen-, Haar- und Hautfarbe) zwecks möglicher Eindeutschung gerät zur Groteske, da wiehert der Amtsschimmel heftig.
Die Gegenüberstellung von Pauline und Stanislaus ist ganz großes emotionales Kino, das – obwohl nur kurz – doch bis an die Grenze des Erträglichen geht. Auch die Fahrt zur Hinrichtung, bei der Stani und Wiktorczyk die letzten gemeinsamen Minuten verbringen und Polnisch reden ist dicht und bewegend.
Der Film verdeutlicht die Stimmung unter der Dorfbevölkerung und zeigt wie Angst Denunziantentum hervorruft. Beste Freundschaften zerbrechen an der Realität, niedere Instinkte gewinnen die Oberhand.
Als Rahmenhandlung recherchieren Vater (Otto Sander auch Off-Kommentar) und Enkel (Ben Becker) im Dorf, was damals Mutter und Großmutter Kropp zugestoßen war. Stanis Ende ist besiegelt, der Untersturmbandführer muss nur den polnischen Landsmann Wiktorczyk (Daniel Olbrychski), überreden ihm den Strick um den Hals zu legen. Für drei Zigaretten. Pauline kommt als ‘Polenliebchen‘ für zweieinhalb Jahre ins KZ. Schlusskommentar: ‘Ich weiß nicht, ob man das alles überhaupt erzählen oder erklären kann.‘ Stimmt! Nichts für Vertreter der Schlussstrichdebatte.

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