Hosted by World4YouMontag, 12. November 2018
 

1 Kommentar

Opfer

DEINE MEINUNG?


1986

Genre: Drama

Spieldauer: ~ 142 Minuten

Regie:

Cast: Erland Josephson, Allan Edwall, Susan Fleetwood, Tommy Kjellqvist, Valerie Mairesse, Filippa Franzen, Sven Wollter, Per Källman, Tommy Nordahl

Kurzbeschreibung: Der ehemalige Schauspieler und Intellektuelle Alexander hat sich mit seiner Familie in die naturschöne Einsamkeit einer nordischen Insel zurückgezogen. Dann die Lebenswende: In die Feierlichkeiten zu seinem 50. Geburtstag bricht die Nachricht der drohenden atomaren Katastrophe ein, die Alexander dazu veranlasst, sich Gott als Opfer anzubieten und die Nähe der »Hexe« zu suchen ... OPFER ist der letzte Film des wohl größten Kinopoeten der Filmgeschichte. Eine vieldeutige apokalyptische Parabel – spirituell, bildgewaltig und visionär. Uraufführung in Cannes 1986, einen guten Monat nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Die Auszeichnungen, darunter der Große Preis der Jury konnte Tarkowskij aufgrund seiner Krankheit nicht entgegennehmen. Er starb am 29. Dezember desselben Jahres in Paris.


Filmkommentare (1)


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kurenschaub
25.12.11 - 21:00
Ex Schauspieler und Kopfmensch Alexander (Erland Josephson) lebt samt Familie im zauberhaften Flachidyll und in aller Ruhe auf einer nordischen Insel.
Die Situationen ändern sich, als bei seinem 50 jährigen Jubelfest der Fernseher
die Meldung über ein sich abzeichnendes atomares Schreckenszenario verbreitet.
Dies verstärkt in Alexander den Wunsch sich für Gott zu opfern und die als Hausdbedienstete bei ihm arbeitende Hexe Maria (Gudrun Gisladotir) im weiter entfernteren Heim per Fahrrad aufzusuchen.
"Opfer" ist der letzte große Film des wohl größten Poeten der Kinogeschichte. Die Auszeichnungen und Lobeshymnen, darunter den großen Preis von Cannes konnte er nicht mehr entgegennehmen. Er starb am 29.12. 1986 in Paris.
Zu Beginn des Filmes setzt Alexander mit "Jungens" in der weiten Küstenlandschaft ein dünnes Bäumchen ein und lehrt dem Knirps, das man diesen täglich mit einem Kübel Wasser begießen soll.
Gegen Ende des Filmes gießt der gewachsene Sprößling diesen Baum und ruht dann neben ihm.
"Opfer" beginnt während den Credits auf dem unvollendeten Bild "Anbetung der Könige" von Leonardo da Vinci und der epochalen, sehr ergreifenden Musik "Erbarme Dich" aus der Matthäusprozession von Johann Sebastian Bach. Dies kommt ziemlich sakral und fährt auch mit dem phantastisch schönen Gesang der Lady sofort tief unter die Haut.
Der Film entspannt sich dann zunehmend in der grazil tänzelnden Leichtigkeit einer geruhsamen Langsamkeit und saugt jede Hektik des Alltags aus der Erlebnis süchtigen Erwartungshaltung des Betrachters - bleibt stets in der Skizzierung vage und surrealistisch, ein Abtauchen in`s Land der nicht klar definierbaren dunklen Träume ist und wird diese Reise mitunter ,inkl. einer eigenwilligen Bildsprache, rätselhaften Religions Collagen und bizarren Anspielungen im Spiegelfeld zwischen materiellem Sein und der Transplantation menschlicher Sehnsüchte in die Pinselstriche der spirituellen Welten.
Dazu kommt die Vorliebe zur durchaus schönen Szenen in
der " zwischen den Bäumen" Fotografie und der extravaganten Handhabung der ersten Naheinstellung eines bis dahin 30 Meter entfernten Antlitzes nach mehr als 20 Minuten.
Dieses cineatische Kunstwerk, ein wahrhaft schwerer, höchst anspruchsvoller Brocken kommt bewusst nie wirklich auf Touren, sondern tröpfelt sich in mal spartanischen gehaltenen Weisheits Dialogen, dann wieder flüssigen Sprachschatz von Einstellung zu Einstellung.
Dabei ist es unerbittlich eigenwillig, fast immer ausgesprochen sperrig und verlangt nach nie enden wollender Aufmerksamkeit, ohne diese Gnade dem Zuseher selbst auch nur im Geringsten teilwerden zu lassen.
Tatsächlich sehen wir uns hier mit einem Kino der Nichtunterhaltung ohne jeden Kompromiss konfrontiert, dessen starke Ausstrahlung im tiefsten Kern verborgen liegt, den es erst anzunehmen gilt und der auch freizuschaufeln ist, ohne dafür ein erlösendes "Hurra, ich hab`s gecheckt" zu bekommen.
"Opfer" ist in keiner Weise erklärbar, streng erbarmungslos geheimnisvoll und wer mir erzählt, er habe den
"Faden" des jenseits jeder normalen Geschehenslogik ablaufenden spröden Handlungsstrangs locker mitgekriegt, ist ein Bluffer.
Hat jemand diesen Geniestreich der völligen Unangepasstheit verstanden geglaubt, hat er ihn bestenfalls doch nicht verstanden. Er will auch gar nicht verstanden sein.
Opfer ist - wenn ich das so nennen darf, UNVERSTEHBAR und kein leichter Fall für oberflächliche Kino "light" Konsumenten und Unterhaltungsjunkies.
Und gerade in dieser schweren Zugänglichkeit liegt die Gefahr eines außergewöhnlichen Dramas, die sprichwörtliche Nichterklärbarkeit ist in "Opfer" zugleich die unfassbare Stärke des Meisterregisseurs Andrej Tarkowskij.
Denn fast kein anderer Regisseur dieser entrückten Liga hat derart extensiv und radikal persönlich seine ureigenen An und Einsichten zur Schau gestellt.
Form, Ablauf und Bebilderung von "Opfer" sind so völlig unkonventionell, das dieser komplett andere Film zuweilen auch mal durchaus kräftig langweilt, und manchmal ist es tatsächlich mühsam, der nicht gerade kurzen Filmlänge von fast zweieinhalb Stunden in einem einzigen, himmelhoch jauchzenden Begeisterungssturm zu folgen.
Andrej Tarkowskij: " Kunst darf niemals eindeutig sein - sie muß Widersprüchlichkeiten einer fremden Gedanken und Gefühlswelt in sich vereinen und den Zuseher in ratloser Unklarheit zurücklassen."
Stimmt!

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