1 Kommentar

Die Träumer

DEINE MEINUNG?


2003

Genre: Drama, Romanze, Geschichte

Spieldauer: ~ 110 Minuten

Regie: Bernardo Bertolucci

Cast: Eva Green, Michael Pitt, Anna Chancellor, Lola Peploe, Jean-Pierre Leaud, Louis Garrel, Ingy Fillion, Jean-Pierre Kalfon, Valentin Merlet, Florian Cadiou, Robin Renucci, Pierre Hancisse

Kurzbeschreibung: Das Jahr 1968 ging in die Geschichte ein. Von Paris aus breitete sich die studentische Rebellion in Europa aus. Angefangen hatten die Demonstrationen mit der Schließung der berühmten Cinémathèque Francaise im Palais de Chaillot. Hier hockten Abend für Abend die Filmfreaks der damaligen Zeit und konnten nicht genug kriegen von alten Hollywoodfilmen und neuen der Nouvelle Vague. Als Henri Langlois, der Leiter der Cinémathèque von de Gaulles Kulturminister André Malraux entlassen wird, empören sich die Filmfreaks und demonstrieren friedlich für Langlois. Auch Theo und seine Zwillingsschwester Isabelle sind erbost. Gemeinsam mit dem schüchternen Amerikaner Matthew, der das bourgeoise und blasierte Pärchen verehrt, stehen sie vor den geschlossenen Türen ihres Kino-Paradieses. Am nächsten Tag lassen sich Theo und Isabelle etwas einfallen: Warum nicht wie in Jean-Luc Godards "Die Aussenseiterbande" durch den Louvre stürmen und einen neuen Rekord aufstellen? Sie überzeugen den zögernden Matthew und rennen los - vorbei an Touristengruppen, Museumswächtern und Meisterwerken und schaffen es, den Filmrekord um fünfzehn Sekunden zu unterbieten. Ein klitzekleines Stück subversive Freiheit! Da die Cinémathèque noch geschlossen ist und die Demonstrationen sie nur wenig interessieren, lädt das Geschwisterpaar Matthew ein, bei ihnen zu Hause zu essen. Dort zeigt sich die Mutter nicht gerade begeistert, stellt aber doch ein zusätzliches Gedeck auf, der Papa, ein liberaler Literat, erklärt dem Gast in einem Monolog das "philosophische Haberland". Der findet es einfach toll, in einer französischen Familie eingeladen zu sein und lehnt nicht ab, als man ihm anbietet, in der Wohnung zu übernachten. Als er nachts die Toilette sucht, öffnet er mehr durch Zufall eine Tür und sieht Theo und Isabelle mit verschlungenen Gliedmaßen auf dem Bett liegen. Matthew betrachtet sie reglos von der Türschwelle her, ist angezogen vom Rätsel des Androgynen und empfindet gleichzeitig ein diffuses Gefühl der Eifersucht. Da die Eltern ans Meer in Urlaub fahren, schlagen die Geschwister Matthew vor, doch bei ihnen zu logieren und so das Hotel zu sparen. Er nimmt das Angebot gerne an und schon bald zieht er mit Sack und Pack in die großbürgerliche Wohnung im Quartier Latin. Den ersten Tag verbringen die beiden jungen Männer plaudernd in Theos Zimmer und testen in diversen Ratespielen ihr Filmwissen. Nachdem die Eltern weggefahren sind, haben die Drei irgendwann keine Lust mehr, in die Schule oder zum Einkaufen zu gehen, schotten sich von der Außenwelt total ab. Sie stöbern in den "Cahiers du Cinema", wühlen in alten Zeitungsausschnitten, diskutieren über Film und beginnen ein Ratequiz. Abwechselnd stellt einer von ihnen Filmszenen nach, die anderen müssen den Film raten. Wer verliert, zahlt ein paar Francs in die Gemeinschaftskasse. Aber irgendwann bleibt es nicht beim Geld und das zunächst harmlose Film-Ratequiz wandelt sich peu à peu in ein gefährliches Spiel um Lust und Begierde. Es gibt weder Tabus noch Pardon in dieser "Ménage à trois", die Träumer überschreiten die Grenzen bürgerlicher Moral, stellen in ihrer hermetisch abgeschlossenen Welt eigene Regeln auf. Ohne sich darum zu kümmern, was draußen passiert, lieben und quälen sie sich, entdecken die Freiheit der Sexualität, entblößen nicht nur ihren Körper, sondern auch die Seele. Erst ein Stein, der durchs Fenster fliegt, holt sie in die Wirklichkeit zurück. Zu jungen Erwachsenen gereift, verlassen sie das Haus und reihen sich spontan ein in die Demonstrantenschar, stürzen sich in den Straßenkampf. Die Wirklichkeit hat sie eingeholt.


Filmkommentare (1)


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GASTBEITRAG
12.05.10 - 11:19
Ein toller Film! Verzaubernd und man will unbedingt Teil dieser menage à trois werden. Schade, dass Bertolucci selbst seine Protagonisten als "Träumer" betitelt - das weckt einen wieder auf.



schöne Filmkritiken gibts auch bei uns: www.artiberlin.de

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