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Todesmelodie
67.1/100

9 Bewertungen

Todesmelodie

FILM • 1971 • 2 Std. 27 Min.


Regie: Sergio Leone

Darsteller/-innen: Rod Steiger, Rik Battaglia, James Coburn, Romolo Valli, David Warbeck, Maria Monti, Franco Graziosi, Vivienne Chandler, Giulio Battiferri

Genre: Abenteuer, Action, Krieg, Western



In den revolutionären Wirren Mittelamerikas spielt auch Todesmelodie, ein klassischer Italo-Western, den Sergio Leone 1971 inszenierte. Wie schon zu Spiel mir das Lied vom Tod steuerte auch zu diesem Werk Ennio Morricone seine kongeniale Musik bei. Im mexikanischen Bürgerkrieg trifft der Bandit Juan Miranda (Rod Steiger, In der Hitze der Nacht) 1913 auf den gescheiterten irischen Rebellen John Mallory (James Coburn / Die glorreichen Sieben). Die beiden tun sich zusammen, um eine Bank auszurauben. Doch damit setzen die beiden, die im Grunde nur hinter dem Geld her sind, eine politische Kettenreaktion in Gang. Denn in der Bank werden nicht nur Pesos hinter Schloss und Riegel gehalten.


Filmkommentare (4)


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8martin

8martin


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04.10.19 - 14:09
Eigentlich sind es zwei bzw. drei Filme. Soviel hat Regisseur Sergio Leone hineingepackt. Der erste beinhaltet die Kennenlernphase von John (James Coburn) und Juan (Rod Steiger). Teilweise fast komödiantisch: John der ‘Knallfrosch‘ arbeitet mit Dynamit, und Juan der mexikanische Bandit. Beide wollen eine Bank ausrauben. Viele überraschende Wendungen machen den hohen Unterhaltungswert aus. Da werden Bankräuber zu Revolutionären, wenn in einer Bank statt Geld ein Gefangenenlager ist.
Die Retros stiften allerdings Verwirrung bis zum Schluss, wo John in Irland ein gesuchter Verbrecher war.
Es folgt ein Teil, in dem die beiden mit 2 MGs eine ganze Armee aufhalten. Die darauffolgenden Erschießungen und Fluchten verwässern den Plot. Auch die hier anwesenden Personen spielen ein undurchsichtiges Spiel. Bauern kämpfen gegen Soldaten: nur halbherzige Massenszenen. Und als die beiden Johns den Präsidenten erschießen, wird es noch unübersichtlicher. Weitere Überraschungen und Explosionen sind schön anzuschauen. Aber die Handlung ziiieht sich (zweieinhalb Stunden). Und es passiert immer weniger: zwei Freunde im Zug nach Amerika!? Ein eventueller Doppelagent (ist das ‘der Jäger‘?) (Romolo Valli) tritt auf. Die Freunde lachen viel und es explodiert nicht wenig. Als John getroffen wird, setzt Leone auf atemlose Stille. Und damit es nicht zu melodramatisch wird, kommt eine Retro mit John als jugendlichem Liebhaber, der abwechselnd mit seinem Bruder (könnte er sein ?!) ein Mädchen küsst. Slomo und Ennio unterstreichen den melodramatischen Aspekt.
Am Ende trifft der deutsch Titel nochmal ins Schwarze. Der ‘Knallfrosch‘ entsorgt sich selber. Zerfasert gegen Ende und verliert sich in pyrotechnischem Schnickschnack.

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kurenschaub

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15.07.10 - 18:26
eine Sergio Leone Spätlese aus der Zeit rund um die mexikanische
Revolution. Mit Rod Steiger und James Coburn bestens besetzt, auch Winnetou Mörder Rik Bataglia in einer (kleinen ) Nebenrolle. Zielsicher und bildüberzeugend umgesetzt, mit über 150 Minuten streckenweise auch mal ein wenig langatmig,dennoch frechfotzig und ungemein satirisch in Szene gesetzt und als Sahnehäubchen mit einem Ennio Morricone Sound,der sich wieder mal gewaschen hat.

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Filmfreak

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23.10.09 - 14:43
Hierbei handelt es sich um den zweiten Teil der sog. Amerika-Trilogie von Sergio Leone, die mit Spiel mir das Lied vom Tod beginnt und mit Es war einmal in Amerika endet. Es gibt zwar keinen inhaltlichen Zusammenhang zwischen diesen drei Filmen, doch sind ganz deutliche Parallelen erkennbar. Zusammenfassend kann man an dieser Stelle einmal festhalten, dass es in allen drei Filmen um Freundschaft, Verrat, Rache und auch, in den letzten beiden Filmen, um Vergebung geht.
Auffällig ist außerdem dass in den beiden letzten Filmen dieser sog. Trilogie das Geld und gewisse politische Fragen (Revolution, die Arbeiterbewegung, korrupte Politiker) im Mittelpunkt stehen.

Im Gegensatz zu Spiel mir das Lied vom Tod gibt es bei dieser Inszenierung keinen alles umspannenden Handlungsstrang. Todesmelodie besteht so gesehen aus vielen kleinen Höhepunkten und dabei lässt es sich nie sagen, wie sich die Geschichte weiterentwickeln wird. Selbstverständlich erkennt man an der Kameraführung, an den Bildaufnahmen, sowie den entsprechenden Charakteren die Inszenierungsweise eines Sergio Leone, man wird als Zuschauer unweigerlich an seine großen Vorgängerfilme erinnert, sofern man diese schon gesehen hat - unverwechselbar! Wieder arbeitet Leone mit Rückblenden der Protagonisten (Filmosoph sprach es in seiner Rezension an) und wieder ist die Rache ein zentrales Thema hierbei, doch bemerkenswerter Weise, wird diese hier der Vergebung gegenübergestellt.
Todesmelodie ist in seiner Gesamtheit gesehen ein ziemlich grimmiger und gewalttätiger Streifen, ein Leone-Film eben, der mich sehr zum nachdenken anregte, vor allem in den sog. Schlüsselszenen, oder auch die Szene welche Filmosoph hier schon beschrieben hat, für mich mitunter eine der hässlichsten Szenen in diesem Film.
Die beiden Hauptdarsteller Rod Steiger & James Coburn liefern eine exzellente schauspielerische Leistung als grundverschiedene Charaktere ab.
Im Vordergrund stehen trotzdem zunächst einmal die abenteuerlichen Elemente dieser Handlung, die Leone in ein actiongeladenes, mitreißendes Filmspektakel verpackte, das vor allem optisch seinen Stempel trägt.
Dazu kommt noch dass wieder einmal ein Ennio Morricone eine seiner charakteristischen Musiken für diesen Western - dieses Revolutionsdrama komponiert hatte, die einen den ganzen Film über begleitet und nicht mehr aus dem Kopf geht.
Ich stellte mir nach der Sichtung die spannende Frage um welche Art von Film es sich hierbei nun handelt? Ein Western? Ein Revolutionsdrama? Ein Bürgerkriegsfilm?
Nach der Sichtung kann ich hiermit Filmosophs Aussage vom Western zum Revolutionsdrama nur unterstreichen!
Eine treffendere Aussage gibt es meiner Meinung nach nicht für diesen Film!
Ich habe noch nie in meinem Leben einen Film gesehen der so gekonnt zweierlei Arten von Genres miteinander verbindet, für mich bis dato ein einzigartiger Höhepunkt meiner bisher gesehenen Filme und diese waren nicht gerade wenig.
Im übrigen erhielt Sergio Leone 1972 den Premio David di Donatello als bester Regisseur. Dieser Preis ist der nationale italienische Filmpreis und vergleichbar mit dem Oscar in den USA.

Die Wertung für diesen Film (Ihr seht liebe Filmfreunde, ich kann diesem Film kein einziges Genre zuordnen in seiner Gesamtheit gesehen) dürfte hierbei klar auf der Hand liegen!

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Filmosoph

Filmosoph


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07.12.08 - 12:17
"Todesmelodie" bzw. "A Fistful Of Dynamite" bzw. "Duck You Sucker".

Ein interessanter Film, der letzte Leone Western (als direkter Nachfolger von "Spiel mir das Lied vom Tod").
Eigentlich ist Leone schon in der Moderne angekommen, es gibt nämlich schon Motorräder und ähnliches. Trotzdem - die erste halbe Stunde ist ein Italo-Western - klassischer geht es nicht mehr.
In der ersten halben Stunde sind die Figuren auch ziemlich sterotyp - dies ändert sich nach einer halben Stunde radikal.

Vom Western zum Revolutionsdrama - das ist eine treffende Bezeichnung.

Nach dieser halben Stunde wird der Film zunehmend düster - aber nicht schlechter. Ein Leone Film mit echtem Tiefgang? Naja - aber zumindest interpretierbar.
Der Film dauert 2 1/2 Stunden - mit teilweise einem linearen Verlauf, aber doch immer unterhaltsam. Bemerkenswert sind die Rückblenden von "John" oder "Sean"; im Film sagt "Juan" - "John" - im Sountrack wird "Sean" genannt. Auf dem Making-Of des Steelbook wird das Durcheinander dann aufgelöst: Sean ist der irische Freund aus den Rückblenden.

Insgesamt ein packender Film, bei dem der Humor nicht zu kurz kommt. Die Action auch nicht. Bemerkenswert ist die damals aktualen Gesellschaftskritik - so ist die Szene, wo die Menschen in den Gräben einfach abgeknallt werden, ein Verweis auf die nationalsozialistischen Konzentrationslager. Insgesamt kann man von einem politischen Film sprechen.
Wenn jemand aber die Gesellschaftskritik (es geht um die Revolution und ihre Auswirkungen, untermauert mit einem Mao Tse-Tung Zitat zu Beginn des Films) ausspart, wird er immer noch gut unterhalten.

Für mich der am Meisten unterschätzte Western überhaupt.

Fünf Punkte!

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