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Wie ein wilder Stier
79.9/100

13 Bewertungen

Wie ein wilder Stier

FILM • 1980 • 2 Std. 4 Min.


Regie: Martin Scorsese

Darsteller/-innen: Robert De Niro, Joe Pesci, Mario Gallo, Theresa Saldana, Frank Vincent, Cathy Moriarty, Joseph Bono, Frank Adonis, Nicholas Colasanto, Frank Topham, Lori Anne Flax, Charles Scorsese

Genre: Biographie, Drama, Sport



Wie ein wilder Stier ist die meisterhafte, in schwarzweiß gedrehte filmische Biografie des Boxers Jake La Motta. In einer eindringlichen psychologischen Studie zeigt Regisseur Martin Scorsese den Aufstieg und Fall des Weltmeisters. Der aus bescheidenen Verhältnissen in "Little Italy" stammende La Motta (Robert De Niro) gewinnt die Weltmeisterschaft im Mittelgewicht. Doch der Boxer verkraftet den Ruhm nicht, und sein trauriger Abstieg beginnt. Seine Gewalttätigkeit, die ihm im Ring zum Sieg verhalf, beginnt sein Leben außerhalb der Boxarenen zu zerstören ...


Filmkommentare (3)


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8martin

8martin


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26.03.14 - 11:43
Keine Filmrolle hat Robert De Niro physisch so viel abverlangt wie die des Jake LaMotta. Anfangs kommt er muskulös durchtrainiert daher und stellt sich der Kamera am Ende als echter Fettsack. So konnte Martin Scorsese nach Paul Schraders Drehbuch dieses geniale Boxerdrama gestalten.
Es geht ganz nebenbei auch uns Boxen. Aber das Hauptaugenmerk liegt auf dem Aufstieg und Untergang eines Menschen. Wir sehen ihn in seiner ganzen Komplexität mit vielen Schwächen, die ein Heldenepos verhindern. Er agiert in einem sozialen Umfeld mit Bruder und Manager Joey (Joe Pesci), mit dem er sich brüderliche Duelle liefert. Daneben gibt es noch seine Frau Vickie (Cathy Moriarty), die er machohaft verprügelt und mit seinen Eifersüchteleien versucht klein zu kriegen.
Ein wichtiger Nebenaspekt ist die Schiebung im Boxsport. Es gibt Absprachen aus der Unterwelt, an denen keiner vorbeikommt und ohne deren Unterstützung kein Meistertitel zu holen ist. Jake ist gefangen zwischen der Mafia und der immer heftiger meuternden Ehefrau, unfähig zu erkennen, wie er da herauskommen kann. Er bleibt uneinsichtig und kapiert nichts. Dies zeigt sein ständiges ‘Wieso?‘ Für andere bleibt nur die eigene Schuldzuweisung ‘Ich bin der Boss‘. Dann wieder winselndes Um-Verzeihung-Bitten.
Nach den wichtigen Szenen werden ruhige Passagen mit klassischer Musik unterlegt oder auch mit Ohrwürmern von damals (Louis Prima). Der Schlusssatz aus dem Johannesevangelium kann nur ironisch gemeint sein ‘Ich war blind und kann jetzt sehen‘. Übrig bleiben ein bemitleidenswertes menschliches Wrack und ein großartiger Film.

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kurenschaub

kurenschaub


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07.08.12 - 17:04
Cool heruntergekurbelte Jack La Motta Biopic, wunderbar bebildert und von Robert DeNiro bestens geschauspieltert. Die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines großen Boxhelden (des wilden Stiers) mit all seinen Schattenseiten im privaten Leben, kann man unter der Hand von Regiemeister Martin Scorsese als sehr gelungenen Streifen bezeichnen.
Oscar für DeNiro!

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Jason

Jason


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18.11.09 - 21:59
Jake La Motta (Robert DeNiro) ist Boxer. Immer. Überall. Seine Aggressionen bringen ihm ihm Ring schier leichte Siege ein, doch außerhalb dessen zerstören sie sein Leben. Denn nicht nur unberechenbare Wut ist sein Problem - er ist zudem ein Rebell und nicht besonders vertrauensvoll. Selbst seinem Bruder, mit dem er oft zusammen ist und den er gut kennt, schenkt er zeitweise kein Vertrauen und setzt damit die wenigen ernsthaften Beziehungen aufs Spiel, die er pflegen kann. Der richtige Absturz beginnt allerdings erst, nachdem Jake die Weltmeisterschaft im Mittelgewicht gewonnen hat - ein äußerst schmerzvoller und dramatischer Fall auf den Boden.

Dieser durchaus tragischen Geschichte nahm sich Martin Scorsese im Jahre 1980 an. Als Vorlage diente die Autobiographie von Jake LaMotta, der es sich außerdem nicht nehmen ließ, bei den Dreharbeiten dabei zu sein und DeNiro Ratschläge zu erteilen. Geholfen hat es sicher: Wie gewöhnlich spielt DeNiro mit Leib und Seele und geht selbst an eher gewöhnungsbedürftige Gewaltszenen (in der z.B. LaMottas Frau geschlagen wird) kompromisslos und kaltherzig heran - eben so, wie es die Handlung vorsieht. Zum Glück beschränkt sich Wie ein wilder Stier aber nicht nur auf Gewalt, sondern bietet eine rundum gelungene Erzählung. Verdeutlicht etwa werden die Beziehungsprobleme LaMottas, aber auch seine Gefühlsschwankungen, die mit seinem Jähzorn einhergehen. Intensiviert und vervollständigt wird all das zum einen dadurch, dass der Film komplett in schwarz-weiß gedreht wurde, zum anderen durch vergleichsweise wenig Musikunterlegung. Das lässt ihn kälter und härter wirken, als er vielleicht ist.

Zusammengefasst eine unterhaltsame Boxer-Tragödie, die ohne Kompromisse mit dem Zuschauer in den Ring steigt und LaMotta so zeigt, wie es wohl auch in seiner Biographie stehen muss: Als wilden Stier, der vor nichts und niemandem Angst hat oder sie zumindest hinter seinen Aggressionen verbirgt. Toller Film, tolle Schauspieler (neben DeNiro ist u.a. noch Joe Pesci und Cathy Moriarty zu sehen).

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