1 Kritik   1 Kommentar

1492 - Die Eroberung des Paradieses

DEINE MEINUNG?


1992

Genre: Abenteuer, Biographie, Drama, Geschichte

Spieldauer: ~ 169 Minuten

Regie: Ridley Scott

Cast: Sigourney Weaver, Gerard Depardieu, Frank Langella, Armand Assante, Angela Molina, Arnold Vosloo, Michael Wincott, Loren Dean

Kurzbeschreibung: Die großartigste Verfilmung, des wohl spannendsten Abenteuer der letzten 500 Jahre! Von Meisterregisseur Ridley Scott ("Gladiator", "Hannibal", "Blade Runner") aufwendig inszeniert. Mit einem erstklassigen internationalem Staraufgebot! Preisgekrönter Titelsong von Vangelis. Vor 500 Jahren wagte ein Mann, was niemand vor ihm gewagt hatte: Die Reise auf dem westlichen Seeweg nach Indien. Nach gefahrvoller Fahrt setzt Christoph Columbus am 12. Oktober 1492 als erster Europäer einen Fuß auf die Insel Guanahani. Das neu entdeckte Land ist zwar nicht Indien, doch Columbus eröffnet sich eine "Neue Welt" - ein bislang unergründetes Paradies. Doch das Paradies wird zur Hölle. "1492 - Die Eroberung des Paradieses" erzählt von den Träumen und Visionen eines unerschrockenen Mannes, von seinem legendären Aufstieg und Fall.


Filmkommentare (1)


Beitrag schreiben


Filmosoph
23.07.09 - 16:40
Ridley Scotts Film wird öfters von der Kritik als »gescheitertes Projekt« gebrandmarkt – im Film wird ein Scheitern gezeigt – die Handlung des Filmes wurde also von der Kritik »umgewälzt«?
Die Frage ist nun, ob diese Kritik im Recht ist. Ridley Scott war zum Zeitpunkt des Drehs durchaus bereits ein Historienfilmspezialist (Die Duellisten), auch wenn sein größter Erfolg (Gladiator) in diesem Genre erst folgte. Man kann diese Filmversion sicher nicht als korrekte »Abbildung« der historischen Realität begreifen, aber man kann ihn untersuchen, nach dem, was er uns sagen will – und das ist gar nicht wenig. Für die Figur des Kolumbus brauchte es einen charismatischen, starken Mann – der wurde mit Depardieu gefunden. Naturgemäß beginnt der Film in Spanien, mit einem Bericht seines Sohnes. Dieser taucht den ganzen Film so gut wie gar nicht auf, erst am Schlussbildschirm wird seine (wichtige) Rolle deutlich. Kolumbus – der Mann mit Visionen, die kaum einer teilt. Die Kirche ist – ebenfalls naturgemäß – gegen ihn, nur die nackte Sucht nach Gold des Königreiches Kastilien macht seine Reise möglich. Dies vermittelt zumindest der Film. Königin Isabella I. wird als Sympathisantin der »neuen Ideen« gezeigt, als Frau, die wie ein Mann regiert.
Auch wenn der Film heute nicht mehr die Präsenz hat, die er sich vielleicht verdient hätte, der Soundtrack hat es auf alle Fälle. Als die Santa Maria, Pinta oder Niña in See stechen, setzt die unvergessliche Musik von Vangelis ein (Conquest Of Paradise war weltweit Nr. 1 – in Österreich etwa 2-Fach Platin); gerade diese Musik drückt dem Film einen Stempel auf, wie selten eine Musik. Hier fällt mir der Vergleich mit Alexander ein: Während bei 1492 nur der Titelsong wirklich glorreich ist, wird bei Alexander gleich der ganze Film durch die Musik quasi verherrlicht, oft unpassend in Angesicht der Massenschlachten. Diese Sparsamkeit der Glorie in 1492 finde ich lobenswert, denn der Rest des Soundtracks ist stimmungsmäßig sicher näher dran am Film, als in Alexander.
Die Wolken tun sich auf – das Leiden hat ein Ende. Scott ging es hier v. a. darum, ein unversehrtes Land zu zeigen, das in absoluter Harmonie lebt und keine Sünde kennt (wie Kolumbus im Film selbst sagt). Doch man hat noch ein wenig die Probleme der Heimat im Hinterkopf, das scheinheilige Getue von Antonio de Marchena (Fernando Rey), dem Theologen der Universität Salamanca. Oder das Kolumbus die Gabe hätte, sich leicht Feinde zu machen. Dennoch wird die erste Reise als voller Erfolg gezeigt, Kolumbus werden alle im Vorhinein aufgestellten Forderungen anerkannt.
Bereits mit der zweiten Reise, auf die sich Kolumbus freut, beginnen die Probleme: Mit ihm reist Adrian de Moxica (Michael Wincott – der markante Bösewicht aus Robin Hood – König der Diebe), die Verkörperung des Bösen, sprich: Geldgier, Brutalität und absolute Amoral. Scott zeigt, dass gerade dies Kolumbus zum Verhängnis wird, obwohl er stets »das Beste« will. Hier kann man zusammenfassen: Kolumbus wird als ein Mann mit Zielen, mit Emotionen und v. a. mit Visionen gezeigt, welche von seiner Umgebung erdrückt werden. Seine Figur ist immer durchwegs positiv.
Die Inszenierung ist bis zu diesem Zeitpunkt in Ordnung, wenn auch nicht überragend. Es gibt andere Beispiele, wie es wohl besser gegangen wäre, etwa Mission. »Wollte Scott zu viel zeigen?« ist eine berechtigte Frage, aber er hebt wohl einen Holismusanspruch, welcher nicht mit der »Entdeckung« (↗ Kommentar zu The New World) zu Ende sein kann. Das ist auch gut so, denn es war kein Honiglecken, was darauf folgte.
Kolumbus schmeißt die Privilegien des Adels über den Haufen, demonstrativ in der Szene, als er Moxica’s Pferd für die Arbeit konfisziert. Die erscheint hier nur gerecht – doch war das zeitgemäß? Wohl kaum. Die Inszenierung wird holprig; als es zum Kampf kommt, wundert man sich wohl zurecht, warum auf Seite Moxica’s Indianer kämpfen, obwohl ja gerade dieser die Indigenen als »Affen« bezeichnet hatte. Der Kampfverlauf ist also absolut wirr, und ab hier geht es auch relativ schnell. Lies sich Scott bis zur zweiten Reise zurecht Zeit, werden hier die »Tatsachen« verkürzt, Ereignisse ausgewählt. Der Abstieg erscheint sehr schnell und teilweise zu einseitig. Scott erzählt seine Sicht der Dinge zu Ende, auch wenn das letzte Drittel der Qualität des restlichen Films unterlegen ist.
Was mich dennoch stört ist die Zeichnung der Indigenen; es ist bekannt, dass das »Paradies« keineswegs »erobert« wurde, eine Kolonisation war nur mit der engen Zusammenarbeit mit den Einwohnern möglich. Die Spanier erscheinen hier weitaus überlegen, was sie in Wirklichkeit nicht waren. Der Mythos der conquisitatoren lebt hier neu auf, auch wenn dies nicht wirklich gezeigt wird; aber der Ansatz, die Darstellung der überlegenen Feuerwaffe geht in diese Richtung. In Wirklichkeit waren die Musketen und die Rüstung für diese Art Kampfzone unbrauchbar. Es war eher der »Kulturschock«, welcher den Spaniern es möglich machte, überhaupt auf dem Kontinent zu verweilen. Immerhin lebten hier 12 Mio. Menschen, bevor die Spanier ankamen!
Um zusammenzufassen: 1492 ist kein Meisterwerk, 1492 ist aber auch nicht gescheitert – wie es manche Kritiker sehen. Scott erzählt hier seine Sicht der Dinge, und diese ist sehr ambitioniert. Leider ist der Film stellenweise etwas holprig, v. a. gegen Ende hin. Dennoch ist der Film insgesamt glaubwürdig, auch wenn es teilweise eine zu offensichtliche Schwarz-Weiß Zeichnung gibt (die absolute Verkörperung des Bösen in lediglich einer Person – Moxica). Wer Historienfilme mag, wird hier auf seine Kosten kommen. Wer es genauer wissen will, sollte sich aber nicht auf die Darstellung im Film verlassen, da er teilweise nicht alle Aspekte zeigt, was aber durchaus legitim ist, um die Dramaturgie zu steigern (ständiges »Wenn und Aber« wäre sicherlich hinderlich für den Erzählfluss gewesen). Insgesamt eine durchschnittliche Wertung, die der Gesamtleistung gerecht wird, auch wenn die Musik an der Kippe zum Meisterwerk steht. Aber die Musik alleine sollte man separat bewerten.

Antwort abgeben


Detailsuche:
Aktuelle News:
Foren:


Rebellinnen, 2019

mit Cécile De France, ...

vor 2 Tagen von Serendipity 2


Official Secrets, 2019

mit Natalie Dormer, ...

vor 3 Tagen von eichi 1


The Clovehitch Killer, 2018

mit Charlie Plummer, ...

vor 3 Tagen von eichi 2


All the Devil's Men, 2018

mit Sylvia Hoeks, ...

vor 3 Tagen von eichi 1

Dauerhaft
Amazon Prime Unbegrenzter Seriengenuss