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Operation Walküre
66.2/100

27 Bewertungen

Operation Walküre

FILM • 2008 • 2 Std. 0 Min.


Regie: Bryan Singer

Darsteller/-innen: Tom Wilkinson, Bill Nighy, Eddie Izzard, Thomas Kretschmann, Tom Hollander, Christian Berkel, Werner Daehn, Tom Cruise, Harvey Friedman, Carice van Houten, Halina Reijn, Kenneth Branagh

Genre: Drama, Geschichte, Krieg, Thriller



Der im Afrika-Feldzug schwer verwundete Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg (Tom Cruise) steht loyal zu Heimat, Volk und Vaterland. Doch als Europa und die halbe Welt in Flammen stehen und er um die Massenmorde und Verbrechen Hitlers weiß, ist auch von Stauffenberg überzeugt, dass dieser Krieg, nicht nur nicht zu gewinnen ist, sondern Deutschland ins Verderben führen wird. Der überzeugte Patriot begreift, dass Begriffe wie Ehre und Gerechtigkeit bedeutungslos geworden sind, dass Soldaten und ganze Völker sinnlos geopfert werden und sein Vaterland in eine ungeheure, umfassende Katastrophe steuert. 1943 schließt er sich einer Widerstandsgruppe an. Mit der genialen Strategie, Hitlers eigene Notfallplanung - die sogenannte "Operation Walküre" - zu nutzen, planen diese Verschwörer den "Führer" zu beseitigen, sein Regime zu stürzen und die Schlüsselressorts der Reichsführung mit ihren Männern zu besetzen. Für das Schicksal von Millionen Menschen setzen sie ihr eigenes und das Leben ihrer Familien aufs Spiel.


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kurenschaub

kurenschaub


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05.11.11 - 13:39
Auf Hitler wurden rund fünfzehn Attentate verübt. Das bekannteste von allen ist mit Sicherheit jenes von Oberst Claus Schenk Graf von Staufenberg. Dieser überaus geglückte Historienthriller zeigt die spannende Chronik der Planung und der Ausführung des Anschlages auf Adolf Hitler mit all seinen Konsequenzen für die Initiatoren.
Als nicht sehr großer Tom Cruise Fan kann ich sagen, das er sehr glaubwürdig in die Rolle des "Deutschland Retters" schlüpfte, wie auch allen sonstigen Darstellern dieses unwünschenswert ausgegegangenen Dramas bezüglicher ihrer überzeugenden Darstellergabe zu gratulieren ist.
Der Film selbst zeigt in der xten Neuverfilmung der Geschichte die wohl beste Version aller bisherigen, versteht die Dramatik um den missglückten Hochverrat beeindruckend zu vermitteln und läßt punkto fesselnder Vorantreibung der
historischen Tatsachen keinen Wunsch mehr offen.
Von Bryan Singer ungemein realistisch auf die Beine gestellt und mehr bei 4,5 Popkorntüten als bei 3,5 !

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Filmosoph

Filmosoph


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25.01.09 - 11:01
Viel ist geschrieben worden im Vorfeld dieses Filmes. Etwa über solche Belanglosigkeiten wie der religiösen Situation von Tom Cruise und der »moralischen« Frage ob er deshalb eine gewisse Rolle annehmen dürfe. Über den Originalschauplatz, über den Regisseur, über die Produktionsumstände (Filmmaterial ging ja kaputt) .. doch jetzt haben wir endlich das Ergebnis vor Augen.
Der Film hat von vorhinein einen großen Nachteil – man weiß, wie er ausgehen wird. (Tom Cruise sagte hierzu in einem Interview: »Bei Titanic wussten wir ja auch wie der Film ausgeht. Dennoch war der Film gut und spannend.« Dem kann ich nur beipflichten.) Ein zweiter Nachteil könnte die relativ gute Verfilmung mit Sebastian Koch sein.
Mit dem ersten Nachteil kann der Film abrechnen. Der Film hat eine sehr hohe Intensität, ist hervorragend gespielt von allen Akteuren (besonders überzeugen Terence Stamp und Kenneth Branagh); »alle« schließt auch Tom Cruise mit ein. Während er in sehr vielen Filmen zum Overacting tendiert, spielt er diesen Film minimalistisch, emotionslos, teilweise kalt. Und es funktioniert. So scheint er oft der einzige zu sein, der wirklich kühlen Kopf in all dem Chaos bewahrt, was ja auch den Tatsachen entsprechen dürfte. Bei Wetten dass…? am 24. 1. 2009 hatte Cruise gesagt, er habe zuerst das Drehbuch gelesen und dann erst erfahren, dass die »Story tatsächlich wahr war«. Das spricht zwar nicht gerade für ihn, tut bei der Geschichte selbst aber nichts zur Sache.
Während auch öfters vom angeblichen Unvermögen Singers geschrieben wurde, so muss ich sagen, verstand er es, diesen Film spannend zu inszenieren (trotz des bekannten Schlusses!) – während die deutsche Verfilmung noch mit wenigen finanziellen Mitteln auskommen musste, konnte Singer 95 Mio. $ verpulvern; man merkt dies an einer gewissen »Größe« des Filmes – soll heißen, die historische Umgebung wurde gut nachempfunden (auch wenn sich kleine Fehler wie der Betonkanaldeckel eingeschlichen haben).
Der Film hat auch einige starke Sätze auf Lager, auch wenn verhältnismäßig wenig im Film gesprochen wird, es handelt sich eher um einen Kulissenfilm – wo wir wieder beim zweiten Punkt wären: Man merkt selten, dass es sich um einen Hollywoodfilm handelt, zum Glück verzichtete Singer auf teilweise heroische Überhöhungen, die wohl eher das Gegenteil bewirkt hätten: Eine Unglaubwürdigkeit, denn was Singer drehte ist ein eiskalter Film über Militär, Macht, Fehlgeleitetheit, das Gewissen, Vertrauen, Ideologie – und in minimalistischer Art bringt er doch auch eine Message an den Tag wo die ganze Krankheit namens Nationalsozialismus offengelegt wird. Es wurden nun bereits mindestens fünf historische Ungenauigkeiten entdeckt: (1) Stauffenberg wurde erst 1944 (und nicht wie im Film dargestellt 1943) zum Oberst befördert. (2) Friedrich von Broich war kein überzeugter Nazi, sondern bereits früh ein Widerstandskämpfer (3) Die Soldaten mussten nicht bereits 1943 die Hand zum Hitlergruß heben, sondern erst nach dem gescheiterten Attentat (4) Hitler hat nicht den Walküre-Befehl unterschreiben (5) Hitler hatte auch keinen Wutanfall. Doch sind diese durchaus legitim und wurden für die Dynamisierung der Geschichte absichtlich eingebaut, was dem Film sichtlich gut tut. Man kann Operation Walküre also nicht als »historisches Dokument« einstufen, ein Anspruch, den der Film ohnehin nicht erhebt.
Für mich ein großer Film, gelungener als gedacht, sehr spannend und teilweise auch historisch von Interesse. Natürlich kann auch dieser Film nur als Annäherung an den Mythos Stauffenberg gelten, ist aber ein stark aufbereiteter Einstieg. Während ich auch die deutsche Verfilmung als Sehenswert erachte, haben wir mit dieser Variante eben einen großen Hollywoodfilm, von dem man dieses eben selten merkt.
Für mich ist der Film fast ein Meisterwerk, aber nur fast. Kritisch betrachtet vergebe ich für Operation Walküre insofern ein Sehenswert. Ein guter Film über Macht, Ideologie und einen »wahren Helden«.

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