Der seltsame Fall des Benjamin Button
75.4/100

Der seltsame Fall des Benjamin Button

FILM • 2008 • 2 Std. 40 Min.


Regie: David Fincher

Darsteller/-innen: Brad Pitt, Cate Blanchett, Elias Koteas, David Jensen, Faune A. Chambers, Julia Ormond, Jason Flemyng, Tilda Swinton, Jacob Tolano, Danny Vinson

Genre: Drama, Fantasy, Mystery, Romanze



New Orleans, 1918. Das Aussehen seines eben geborenen Sohnes Benjamin stößt Vater Button derart ab, dass er das Baby mit der Physis eines 80-Jährigen vor einem Pflegeheim ablegt, wo es liebevoll aufgenommen wird. Benjamin wächst unter den Alten heran - außer dass er jünger wird statt zu altern.


Filmkommentare (2)


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8martin
08.06.18 - 18:31
Es ist ein wunderschönes Märchen von der großen, ewigen Liebe, die unabhängig vom Alter besteht, selbst wenn die Lebenszeiten der Verliebten in entgegengesetzte Richtungen laufen. Das schildert uns David Fincher in stimmungsvollen Bildern, die meist in Gelb- und Brauntönen gehalten sind und beweist damit einmal mehr, was er kann. Fast drei Stunden (schon etwas lang) sehen wir eine Story, die auf der Klaviatur der Emotionen wahre Symphonien abspielt und mit einem ungewöhnlichen Charme daherkommt. Durch die Rahmenhandlung bekommt das Ganze zwei Ebenen und eine zusätzliche Unterhaltungsgrundlage. Die Maskenbildner hatten hier Konjunktur und leisteten nicht nur bei Brad Pitt ganze Arbeit, sondern auch bei Cate Blanchett. Aber auch ohne die Mithilfe der Visagisten überzeugen Tilda Swinton, die durch ihren Auftritt den märchenhaften Charakter unterstreicht, sowie Julia Ormond, die die erlösende Aufklärung bringt.
Die Komik der Situation unterstreichen Sätze wie ’Wir enden alle schließlich in Windeln’. Der Wandel der Zeiten wird durch markante Musikbeispiele von den Platters oder den Beatles betont. Und das Ende der Liebesgeschichte ist so schön, dass es den Romantikern fast das Herz zerreißt. Durch die Gegenbewegung der Alterungsprozesse wird allerdings eine gewisse Zeitlosigkeit herausgearbeitet. Und durch den eingearbeiteten Exkurs über den Zufall kommt noch eine philosophische Komponente hinzu.
Ein Beispiel dafür, dass Gefühle nicht im Herz-Schmerz-Niveau ertrinken müssen, sondern wenn gut gemacht eine Bereicherung darstellen.

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Filmosoph
02.03.09 - 21:43
Grundsätzlich handelt es sich bei diesem Film um eine Literaturverfilmung der Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald. Das mag vielleicht verwundern – denn die Geschichte ist gerade mal 70 Seiten lang. Der Film hingegen hat Überlänge, mit gut 166 Minuten. Und allein diese Tatsache ist ein Sonderfall – während die meisten Literaturverfilmungen mit Kürzungen zu kämpfen haben (auch die tolle Der Herr der Ringe-Verfilmung), hatte David Fincher einigen Freiraum, was dem Film gut getan hat. (Im Gegensatz um Herr der Ringe galt diese Geschichte auch nicht als unverfilmbar, auch wenn sie sehr komplex ist)
Der Film ist an sich mehr Drama als Action oder Fantasy; denn die umgekehrte Alterung bleibt das einzige (wenn auch große) Fantasy-Element. Letztlich handelt es sich bei Benjamin Button um einen Film über Leben, Alterung, Liebe, Lust, Tod, Vergänglichkeit, ein wenig Humor, Familie.. – eben alles Dinge, die uns eben auch beschäftigen. Und mit diesem Film bekommt man eine ganz andere Sichtweise auf diese Dinge präsentiert – eine sehr sensible. Der Film ist lang, aber nie langatmig, oder langweilig. Man muss sich auf den Film einlassen, dann funktioniert er. Auch wenn die großen Höhepunkte auszubleiben scheinen, darf man nicht vergessen, dass der Film der Höhepunkt ist.
Benjamin Button ist trotz einer gewissen traurigen Seite ein sehr lebensbejahender Film, der uns zeigt, dass Alter eigentlich relativ sein sollte, man wird eher in die Rolle durch die Gesellschaft gepresst (etwa als Benjamin mit Daisy unter dem Tisch sitzt und die Kerze an ist).
An der Inszenierung ist wenig auszusetzen, auch die Schauspieler sind hervorragend besetzt. Julia Ormond erinnert hier ein wenig an Binoches Darstellung an Der englische Patient, auch wenn die Situation diesmal eine ganz andere ist. Dies ist wohl »der Film« mit Brad Pitt, auch wenn er schon viele gute (auch als Darsteller herausfordernde) Filme gemacht hat, setzt er sich mit diesem selbst die Krone auf. (Bislang war »der Film« mit Brad Pitt (auf sein schauspielerisches Talent bezogen) ja Sieben Jahre in Tibet. Keine Frage, in Benjamin Button übertrifft er seine ganzen eigenen bisherigen Leistungen.)
Äußerst spärlich, aber dann doch werden die Spezialeffekte eingesetzt. Dass Pitts Darstellung über mehr als die Hälfte des Filmes ein einziger Spezialeffekt ist, fällt eigentlich gar nicht auf. Aber der Film hat nicht umsonst 160 Mio. $ gekostet; Hauptverschuldung dieses Budgets war wohl die Darstellung der verschiedenen Jahrzehnte; während er gegen Ende des 1. Wk.s beginnt, merkt man Mitten im Film plötzlich, dass man schon die Beatles sieht – und die virtuelle Außenwelt hat dies perfekt mitgemacht. Und es stimmt schon – es gibt viele Nebengeschichten, die den Film ebenfalls sehenswert machen (etwa die Blitze), oder die penibel genaue Zeichnung der Umstände vor Daisy’s Umfall. So könnte es auch in Wirklichkeit laufen.
Der seltsame Fall des Benjamin Button überzeugt im Gesamten als sehr lebensnaher Fantasyfilm, der in einer großen Rahmenhandlung möglichst viel unterbringt. Hier steckt die große Stärke des Filmes, aber auch die einzige Schwäche – manchmal hätte man etwas mehr Dynamik erwartet. Alles in allem ein Meisterwerk, dass an gewissen Stellen etwas dynamischer sein hätte können.

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