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Der große Diktator
80.3/100

Der große Diktator

FILM • 1940 • 2 Std. 0 Min.


Regie: Charles Chaplin

Darsteller/-innen: Billy Gilbert, Charles Chaplin, Jack Oakie, Reginald Gardiner, Henry Daniell, Grace Hayle, Carter DeHaven, Paulette Goddard

Genre: Drama, Komödie, Krieg



Heil oder Unheil - Charles Chaplin stellt sich jeder Herausforderung! Das Resultat ist dieser gefeierte Klassiker, der 2000 vom American Film Institute in die Liste der 100 besten amerikanischen Komödien aufgenommen wurde. Die USA waren noch nicht in den Zweiten Weltkrieg eingetreten, als Chaplin sich bereits mit seiner Comedy-Munition auf den "Führer" einschoss: In einer Doppelrolle spielt er sowohl den an Hitler angelehnten Adenoid Hynkel als auch einen jüdischen Friseur, der dem irren Tyrannen wie ein Zwilling gleicht. Mit Wortspielen, optischen Gags und Slapstick nimmt Chaplin den Faschismus aufs Korn, stellt aber seinen Attacken auch ergreifende Szenen im von Sturmtruppen terrorisierten Ghetto gegenüber. Zu den unvergesslichen Momenten zählen Hynkels machttrunkener Tanz mit dem Globus, der Kopfüber-Flug sowie Hynkel und Jack Oakie als Mussolini-Alter-Ego, die beide wie wahnsinning ihre Friseurstühle höher kurbeln. Der große Diktator vereint großartige Komik mit der Leidenschaft eines hervorragenden Filmemachers.


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8martin

8martin


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01.09.19 - 12:40
Das ist wohl Charlie Chaplins größter Film und außerdem die gelungenste Satire über den Nationalsozialismus. Der Plot ist so genial mit der Doppelrolle es Diktators Hynkel (die große Politik betreffend) und der jüdische Friseur im Ghetto (mit Bezug auf das Alltagsleben der kleinen Leute). Dabei ist fast nichts frei erfunden. Alles hatte sich so oder so ähnlich zugetragen. Angefangen von den Schützengräben des 1. Weltkrieges über die brennenden Häuser (Synagogen!?) bis hin zur namentlichen Verballhornung der Akteure: z.B. Benito Mussolini heißt Benzino Napoloni. Österreich heißt Osterlitsch und die Nazigranden erkennt man, wenn man ihre Namen hört: Feldmarschall Hering oder Dr. Gorbitsch (im Original klingt das nach ‘Abfall‘. Jüdische Konten werden eingefroren, die SA randaliert Geschäfte.
Chaplin muss gut recherchiert haben. So hört man z.B. Details wie ‘es gibt Sägemehl im Brot (stimmt!). Hynkels Tanz mit dem Globus als Luftballon, der am Ende zerplatzt, ist legendär. Die Auslosung des Attentäters mittels Cookies ist alter englischer Brauch. Hier die Variante: wer die Münze in seinem Cookie findet ist es. Nur hatte Hannah (Paulette Goddard) in jeden Kuchen eine Münze mit eingebacken. Und sie ist natürlich Teil der Liebesgeschichte, die dazugehört wie das Mehl zum Kuchen.
Nach Plot mit Doppelrolle und Namenangleichung kommt noch der Grammelot dazu. In einer Art Spielsprache mischt Chaplin deutsche Wörter ins allgemein unverständliche Kauderwelsch in Hynkels Reden: ‘Blitzkrieg, straff, Sauerkraut, Leberwurst, Schnitzel u.v.a.m.‘ Und er krönt sein Werk mit einer zeitlos gültigen Rede für Toleranz, Freiheit, Menschlichkeit und Güte. Die Volksmassen jubeln. Die Rede hält natürlich der kleine Friseur in Hynkels Outfit. Danke Charlie für dieses ernst gemeinte Meisterwerk, über das wir so herzhaft lachen konnten.

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kurenschaub

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21.11.10 - 19:36
Von 1940 bis 1942 in den USA gedreht, als großartige Slapstick Komödie mit ernsten Hintergrund.
Charlie Chaplin spielt den wahnwitzigen Diktator und parodiert ihn als zeitweiligen cholerischen und ungeschickten Tollpatsch, aber auch den armen Judenbarbier,mit herrlich komischer Pantomime und wirklich in seiner nur ihm eigenen Abgerissenheit.
Viele Namen sind verändert wie "Hail Hinkel" oder Osterlich statt Österreich, oder das tasmanische Vaterland statt dem deutschen Reich.
Beeindruckend und berührend Hilters Rede am Heldenplatz
(eigentlich ist es der arme Jude der da spricht) und die Massen mit Sätzen wie " die Habgier hat das Gute im Menschen verschüttet, ohne Menschlichkeit und Nächstenliebe ist unser Dasein nicht lebenswert - ihr als Volk habt allein die Macht."
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!

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