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2 Kommentare

Hitler vor Gericht - Der Hitler-Putsch 1923

DEINE MEINUNG?


2009

Genre: Dokumentation

Spieldauer: ~ 60 Minuten

Regie: Bernd Fischauer

Cast: Johannes Silberschneider, Johannes Zirner, Andreas Nickl, Peter Fricke, George Meyer-Goll, Dieter Fischer

Kurzbeschreibung: Am 1. April 1924 wurde unter dem Jubel des Publikums eines der weitreichendsten Fehlurteile der Deutschen Geschichte verkündet: Der Putschist Adolf Hitler erhielt wegen Hochverrats die Mindeststrafe von fünf Jahren Haft. Die Richter stellten dem Angeklagten baldige Entlassung in Aussicht, eine Ausweisung unterblieb. Bereits neun Monate später war Adolf Hitler wieder in Freiheit Die 24 spektakulären Prozesstage, in denen der offen mit den Nationalisten sympathisierende Landgerichtsdirektor Georg Neidhardt dem Hochverräter Hitler die Gelegenheit zu mehrstündigen Propagandareden gab, werden jetzt vom BR unter der Regie von Bernd Fischerauer und mit einer hochkarätigen Besetzung verfilmt. Grundlage der Verfilmung sind die mitstenographierten Reden und Gegenreden des Prozesses gegen Hitler und die weiteren Putschisten. Szenische Rückblicke auf den von Hitler initiierten Putsch sowie die Schilderung der politischen Situation ordnen den Prozess historisch ein.


Filmkommentare (2)


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kurenschaub
16.01.17 - 21:18
"Jedes Tier paart sich nur mit einem Genossen der gleichen Art"
Der exzellente Film von Bernd Fischauer thematisiert den missglückten Hitlerputsch, welcher im Burgbräukeller am 8.November 1923 seinen Lauf nahm. Der darauf folgende Prozess dauerte mehrere Wochen und brachte Adolf Hitler, den jungen, leidenschaftlichen Fanatiker (mit dem viele bereits sympathisierten) eine fünfjährige Haftstrafe ein,
welcher er dann als " Festungshaft in Landsberg am Lech" verbüßte. Sie dauerte allerdings wie vorausgesagt nicht allzu lange, nach neun Monaten wurde Herr Hitler am 19.Dezember 1924 zur Bewährung freigelassen. Aber längst war die Glut bis zur Unerbitterlichkeit entfacht, es gab kein zurück mehr. Der Mann, der Geschichte schrieb, diktierte seinem Sekretär Rudolf Hess bereits die Zeilen für ein Buch welches ebenfalls Geschichte schrieb "Mein Kampf"!
Johannes Zirner verkörpert den späteren Führer und Massenmörder Adolf Hitler sehr stark, Drehbuch, Regie und sämtliche Schauspieler sind rundum bestens besetzt und die Dokumentation ist tadellos gelungen. Dialoglastig ohne Ende - aber klug und unlangweilig.
"Ich wusste, das ich diesen Stoff nicht nur machen wollte, ich war mir sicher, das ich "Hitler vor Gericht" unbedingt machen muss." (Bernd Fischauer)

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Filmosoph
10.06.09 - 11:52
Also wieder einmal ein »Hitlerfilm«, davon hatten wir ja in jüngerer Vergangenheit einige (Der Untergang, Mein Führer) – der eine »authentisch«, der andere macht sich schon von vorhinein (im Titel – »die wirklich wahrste Wahrheit«) über diesen Anspruch lustig.
Mit jenen Titeln ist Hitler vor Gericht kaum zu vergleichen. Der Film ist von vorhinein als Dokumentarspiel angelegt, soll heißen: Ersatz für fehlendes Bildmaterial als der Zeit 1924. Der Regisseur, Bernd Fischerauer, meint im Bonusmaterial er »musste« diesen Film machen, da er durch seinen Vater selbst vorbelastet sei (Mitglied der SS). Insofern sollte es auch eine Aufarbeitung seiner eigenen Geschichte gehen – zulasten der »Objektivität« des Filmes? Zum Glück nicht.
Film und Geschichte standen jahrelang insgesamt in einem scharfen Gegensatz. Erst in den letzten Jahren, unter dem Schlagwort »Visual History« gibt es eine interdisziplinäre Annäherung. Insofern sehe ich hier auch eine neue Chance für den historischen Film.
Der Film baut auf Protokollen aus der Gerichtsverhandlung auf (ähnlich wie bei Sophie Scholl, welche auf »neuen« (gefundenen) Gestapo-Akten aufbaute), welche vom jungen Darsteller erschreckend gut verkörpert wurde. Man sieht den jungen Hitler als großen Redner, welcher von der Staatsanwaltschaft kaum unterbrochen wird, er darf stundenlang im Gerichtssaal reden – als großer »vaterländischer« Patriot. Das Urteil ist bekannt - »Festungshaft«, soll heißen: Bevorzugte, »ehrenvoller« Haft; juristisch richtig hätte das Urteil in Leipzig gesprochen werden müssen, noch dazu war Hitler bereits vorbestraft. Wäre alles gesetzestreu vollzogen worden, hätte Hitler höchstwahrscheinlich das Todesurteil geblüht.
Soviel zur Geschichte – und man bekommt erstaunlich viel mit von »der Geschichte«; man darf das dargestellte eben nicht mit der »realen Geschichte« verwechseln, es ist ein Film.
Auf der anderen Seite verzichtet der Hitler vor Gericht meines Erachtens auf eine große, kinogleiche Inszenierung wie etwa im Untergang, was der »Authentizität« nur gut getan hat. Auch von der Länge her ist er mit 60 Minuten kurz, reiht sich also nicht in das bei Spielfilmen geforderte 90-Minuten Schema ein.
Ich bin von diesem Film sehr begeistert, auch wenn man ihn nicht für voll nehmen darf. Der Film erfüllt eindeutig die Enthüllungsfunktion, welchen allen Filmen über den Nationalsozialismus zukommen sollte, die sich selbst ernst nehmen. Dieses tut Hitler vor Gericht und kann er auch. Insofern spreche ich eine klare Empfehlung aus, ein Stück Geschichte – den größten Justizskandal der jüngeren deutschen Geschichte – wird hier mit Niveau und sehr gut gespielt aufbereitet. Und das alles gegen die derzeit gängigen filmischen Thematas. So sollte es aussehen und nicht wie der Untergangs »Mythenbrei«.

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