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Lost in La Mancha
80.0/100

1 Bewertung

Lost in La Mancha

FILM • 2002 • 1 Std. 33 Min.


Regie: Keith Fulton

Darsteller/-innen: Jeff Bridges, Miranda Richardson, Johnny Depp, Terry Gilliam, Tony Grisoni

Genre: Dokumentation



The story of the film project "The Man Who Killed Don Quixote" that was forced to shut down just days after filming started. Features surving footage and interviews with the cast and crew.


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Filmosoph

Filmosoph


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22.06.09 - 13:45
Eigentlich sollte hier ja der Kommentar zu The Man Who Killed Don Quixote stehen. Aber dieser Film ist der Film über das Scheitern von The Man Who Killed Don Quixote. Terry Gilliam ging sehr engagiert an diesen Film heran, wie an jeden Film. Über das Scheitern selbst lassen sich mannigfaltige Ursachen herausfinden, im Film heißt es etwa »Gilliam ging von Anfang an zu viele Kompromisse ein, um den Film realisieren zu können«. Gilliam hatte ja schon einen Riesen-Flop hinter sich, auch einen Produktionstechnichen: Baron Münchhausen. Dieser Film wird immer wieder als Beispiel erwähnt, »so soll es nicht mehr werden« oder Gilliam: »Erinnert mich nicht schon wieder an Münchhausen!« Aber im Prinzip geht der Film chronologisch vor, auch wenn man das Scheitern immer im Hinterkopf hat. Die Produktion war eine französisch-spanische, in Hollywood konnte Gilliam keinen Geldgeber dafür finden. Und die Planung war schon von Anfang an konfus. So waren wenige Wochen vor Drehbeginn noch immer nicht alle Verträge unterschrieben, ohne Darsteller natürlich keinen Film. Dabei spielt doch Johnny Depp mit, und es ist ein Gilliam Film! Starallüren von der schlimmsten Seite. Hier sieht man Gilliam erstmals richtig nervös, dabei scheint er jemand zu sein, der nicht so schnell aus der Fassung gerät Und überhaupt: Solch ein Film kann nur interesant sein, wenn der Regisseur interessant ist. Mit George Lucas hätte es wohl nicht funktioniert, da er nicht den Humor von Gilliam hat, auch wenn dieser gleichwohl ein Genie ist. Es handelt sich ja um eine »ungeschminkte Dokumentation«.
Man spürt förmlich, wie die Produktion ihrem Ende zutreibt, auch wenn man immer noch Dispositionsmöglichkeiten erkennt. Es gibt ja so ein Sprichwort - »Gibt es Probleme, einfach weiterdrehen« (oder so ähnlich). Jedenfalls funktioniert dies sicher sehr oft, wenn auch nicht immer (wie hier). In The Man Who Killed Don Quixote ist dies etwa die Szene, in der Depp mit einem Fisch »kämpft«. Der geplante Hauptdarsteller, Rochefort, welcher extra für diesen Film englisch lernte, mit Prostata Problemen im Krankenhaus liegt. Das war das eigentliche Ende. Etwas vorher sieht man aber die berechnendste Szene des Films: Mitten im Dreh geht auf einmal ein Wolkenbruch nieder, eine Überschwemmung sondergleichen. Die halbe Ausrüstung ist hinüber, die Kamera fängt die Regenmassen, die sich zu einem Strom gesammelt hat, ein. Hier hat man wirklich Mitleid mit Gilliam. Bei der folgenden Lagebesprechung wird Ernüchterung breit; durch die Regenfälle hat sich das ursprünglich staubtrockene Gebiet in Spanien zu einer Wiese entwickelt, das bereits gedrehte Material würde nicht mehr zum aktuellen passen.
Ich habe hier einige Symptome bzw. Gründe des Scheiterns aufgezählt; aber was sagt uns der Film? Das die meisten Making-Ofs lügen! Verloren in La Mancha ist wahrscheinlich das einzige Dokument, in denen das Scheitern einer Großproduktion unverfälscht gezeigt wird. Andere Filme haben auch oft riesige Probleme, welche dann im Bonusmaterial mehr als schöngeredet werden. Vielleicht ist der Film auch ein kleiner Trost an Hobbyfilmer, dass bei den »Großen« auch nicht immer alles so funktioniert wie geplant. Der Film ist zumindest Sehenswert, da man die Entstehung bzw. Nichtentstehung eines großen Films hautnah mitbekommt. Zu verdanken ist dies v. a. Terry Gilliam, welcher als Person einfach unglaublich interessant ist, sowie dem gut zusammen geschnittenen Material. Am Abspann ist dann zu sehen, dass Gilliam weiter probiert, den Film zu drehen. Angeblich wird es ja noch was, es wäre wirklich schön, sozusagen als späte Wiedergutmachung.

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