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1 Kommentar

Warte, bis es dunkel ist

DEINE MEINUNG?


1967

Genre: Drama, Thriller, Krimi

Spieldauer: ~ 103 Minuten

Regie: Terence Young

Cast: Alan Arkin, Audrey Hepburn, Richard Crenna, Jack Weston, Efrem Zimbalist Jr., Samantha Jones, Julie Herrod

Kurzbeschreibung: Die drei Gangster Roat, Carlino und Mike suchen eine mit Heroin gefüllte Puppe. Dabei geraten sie an die blinde Susy Hendrix, die zufällig in den Besitz der Puppe kam. Die Verbrecher terrorisieren die Blinde und versuchen, sie mit Brutalität einzuschüchtern. Doch sie kann ihre Blindheit bald als Vorteil nutzen.


Filmkommentare (1)


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Filmosoph
02.07.09 - 12:23
Fünfte Oscar-Nominierung für Audrey Hepburn, und das vollkommen zu recht. Daneben spielt noch Alan Arkin die Rolle des Bösen, auch nicht gerade ein Unbekannter.
Bemerkenswert finde ich an diesem Thriller, dass er eigentlich nur in einem Raum spielt, also handelt es sich hierbei um ein richtiges Kammerspiel. Natürlich leben solche »beengten« Filme von ihrer (1) Story und (2) von der Darstellungskunst. Beides wird hier meisterhaft zelebriert; denn Hepburn zeigt hier einmal mehr, dass sie nicht nur »schön« ist, sondern eine wandelbare Charakterschauspielerin, andererseits ist ihr die Rolle auch irgendwie auf den Leib geschnitten: Da sie sowieso schon recht zart ist, wirkt sie durch ihre Blindheit noch schutzbedürftiger; andererseits kämpft sie ja gerade gegen diese Eigenschaftszuschreibung. Mit unglaublichem Scharfsinn entgegnet sie den Betrügern, Gangstern, wie man sie auch nennen will. Die kurze Einschaltung des Mädchens bleibt dabei immer zweckmäßig und spannungsbefördernd. Interessant finde ich, dass trotz der Enge sich keine Länge in den Film eingeschlichen hat, wie es in diesem Genre leicht die Gefahr ist. Dies ist nunmehr Verdienst ganz und gar des James Bond Regisseurs, Terence Young.
Nebenbei, aus sozialhistorischer Sicht, ist es auch interessant, welch starke Frau hier Hepburn spielen darf. Wir befinden uns hier ja noch in einer Zeit, wo es mit weiblicher Emanzipation nicht weit her war. Noch am Anfang fällt sie ihrem Ehemann um die Schulter und sagt ihm, sie werde »alles tun, was du von mir verlangst« - ganz und gar das konservative Weltbild wird hier bedient. Andererseits ist Mrs. Hendrix den ganzen Film lang auf sich gestellt, mit minimaler Hilfe (überdies scheint es keine Menschen in ihrem Wohnhaus zu geben). Als sie eine ihr gewohnte Umgebung schuf, wird sie letztlich die »emanzipierte Heldin«, einen Status, den sie sofort wieder abgeben muss, als der Mann heimkehrt. In einem Wort also, 95% des Filmes – in Abwesenheit des Mannes – ist sie emanzipiert, die restlichen 5% nicht. Aber gerade die Alltagssituationen, nicht die Ausnahmesituationen (wie eben im Film) sind es, die eine solche Gleichstellung ausmachen. Insofern ist der Film auch eine sehr interessante Quelle für idealisierte gesellschaftliche Vorstellungen der Zeit.
Zurück zum Film: Der Film hat einige Jahre auf dem Buckel, doch merkt man ihm dies in keiner Weise an, er ist auch heute noch spannend wie eh und je. Denn in erster Linie funktioniert er als Thriller und Charakterfilm.
Wer also Lust hat auf einen ganz großen Klassiker der Filmgeschichte, dem soll dieser Film wärmstens empfohlen werden. Hier findet man Filmkunst auf engstem Raum, eine durchdachte Story, ohne die heute obligatorischen Spezialeffekte. Ein Filmgenuss.

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