Montag, 18. Juni 2018
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1 Kommentar

Luther

DEINE MEINUNG?


2003

Genre: Biographie, Drama, Geschichte

Spieldauer: ~ 118 Minuten

Regie: Eric Till

Cast: Alfred Molina, Joseph Fiennes, Maria Simon, Bruno Ganz, Uwe Ochsenknecht, Anatole Taubman, Peter Ustinov, Benjamin Sadler, James Babson, Lars Rudolph, Christopher Buchholz, Torben Liebrecht, Mathieu Carriere, Herb Andress

Kurzbeschreibung: Anno 1505: Der junge Martin Luther gerät in ein schreckliches Unwetter und wird fast vom Blitz erschlagen. Dieses einschneidende Erlebnis veranlasst ihn, sein Leben in den Dienst Gottes zu stellen. 1510 beginnt er in Wittenberg mit dem Theologiestudium. Als er im Jahre 1517 aus Protest gegen den von Papst Leo X. initiierten Ablasshandel seine 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche schlägt, spitzen sich die Ereignisse dramatisch zu. Vom Papst exkommuniziert und vom Kaiser geächtet, weigert sich der zum Ketzer erklärte Luther standhaft, seine Thesen zu widerrufen, und erkennt nur die Bibel als Autorität an.


Filmkommentare (1)


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Filmfreak
16.09.10 - 12:27
Bei dieser amerikanisch-deutsch-englischen Koproduktion aus dem Jahre 2003 geht es um die Lebensgeschichte des Kirchenreformators Martin Luther.
Der Film nimmt uns in das Jahr 1505 mit:
Martin Luther (Joseph Fiennes) wird von einem Unwetter überrascht und nur knapp verfehlt ihn ein Blitz. Von Todesangst getrieben schwört Luther von nun an sein Leben nur noch Gott zu widmen, wenn dieser ihn verschont. Zur Enttäuschung seines Vaters gibt Martin sein Jurastudium auf und wird Mönch im Augustiner-Kloster zu Erfurt.
Er betet, fastet und beichtet im Kloster bis zur Erschöpfung, verzweifelt sucht er nach Gott sowie nach Antworten. Auf Wunsch seines Mentors (verkörpert von Bruno Ganz) macht sich Luther auf den Weg nach Rom und ist dabei über die Geldmacherei mit Reliquien, dem Ablasshandel sowie das Lotterleben des Klerus entsetzt. Seine religiösen Zweifel werden immer stärker, nach diesem Besuch in Rom studiert Martin Luther Theologie in Wittenberg, dort ist er ebenfalls als Pfarrer der Gemeinde tätig.
Luthers bekannte Geschichte ist hier natürlich noch lange nicht zu Ende und geht noch um einiges weiter, dafür sollte man sich dann aber bitte diesen Film hier ansehen. An dieser Stelle möchte ich inhaltlich aus dieser Produktion aussteigen.

Bei dieser Inszenierung lagen dem Regisseur Eric Till nicht nur die historischen Fakten über Luthers Leben in Bilder darzustellen am Herzen, sondern diesem Menschen Martin Luther ein Gesicht zu verleihen, sozusagen ihn zu erforschen. In dieser Verfilmung wird deshalb auch ein Mensch gezeigt, der schwach ist, der Fehler hat, unsicher, aggressiv, der eben jenen gewollten Anstoß erregt - kurzum der menschlich ist. Die Problematik in der von vielen Theologen verfassten heutigen Literatur besteht oftmals darin, das genau viele dieser Facetten über Luther nicht beleuchtet werden, anders so diese Verfilmung und dies gelang dem Regisseur auch gekonnt.
Ein besonderes Augenmerk legte der Regisseur dabei auf die jeweilige Epoche, in der die Ereignisse stattfanden. Die Lebensgeschichte von Luther entfaltet sich in einer der wichtigsten revolutionären Perioden der menschlichen Geschichte. Das Mittelalter macht der Renaissance Platz:
Kopernikus riskierte sein Leben für seine Theorie des Kosmos, derzufolge die Erde nicht das Universum darstellt, Gutenberg erfand die Buchdruckerkunst, Galileo wurde von der Inquisition für seine physikalischen Entdeckungen verurteilt usw.
Luther sollte eine Person darstellen, die unglaubliche Risiken auf sich nimmt, die sich dem Terror widersetzt und dabei große persönliche Stärke, Kraft und Unmittelbarkeit zeigt und beweist, dies alles wurde sehr gut von Joseph Fiennes meiner Meinung nach umgesetzt. Wobei dieser Inszenierung noch andere bekannte Schauspieler beiwohnten ich erinnere da gerne an Alfred Molina beispielsweise oder Sir Peter Ustinov ein ganz großer seines Fachs und auch leider seine letzte Filmrolle. Ustinov verstarb im März 2004.
Was dieser Produktion ebenfalls zu Gute kam waren die Drehorte, es wurde sehr oft an Originalschauplätzen wie z.B. in Deutschland darunter auch die Wartburg gedreht, oder in Italien und Tschechien, dies trug alles zur stimmigen Ambiente dieser Geschichte bei.
Natürlich wie schon so oft bei solchen Verfilmungen gibt es auch bei dieser historische inhaltliche Ungenauigkeiten, ein paar möchte ich an dieser Stelle aufzählen:
-Die Einteilung der Bibel wird in diesem Film in Kapitel und Versen angegeben. Diese Einteilung wurde allerdings erst 1551, fünf Jahre nach Luthers Tod vorgenommen.
-Als Martin Luther in Rom beispielsweise den Ablass erwirbt, beten Gläubige auf den Stufen zum "Lateran" das lateinische Vaterunser aber in einer falschen Form, mit der direkt angehängten "Doxologie". Dieser Brauch kam aber erst durch Luthers Bibelübersetzung in den reformatischen Kirchen auf.
-Auch ist die Begegnung Luthers mit Friedrich dem Weisen historisch nicht nachgewiesen.
-Ebenso vermischt dieser Film auch die Wittenberger Unruhen von 1522 mit dem Bauernkrieg von 1525.
...so gibt es noch andere historische Ungenauigkeiten, die ich jetzt aber nicht weiter aufzählen möchte, ich wollte damit nur einen kleinen Einblick schaffen.

Fazit:
Eine durchaus gelungene Produktion über Martin Luther trotz einiger Ungenauigkeiten. Die Schauspieler konnten in ihren Rollen überzeugen. Die Produktion ist auch nicht typisch amerikanisch ausgelegt, dies wird einem bei der Sichtung recht schnell deutlich, trotzdem wurde sie für ihre Verhältnisse gut in Szene gesetzt. Für Fans von der Person Martin Luther kann ich diese Verfilmung absolut empfehlen, jedoch wieder einmal nicht für das breite Filmpublikum, da diese das Leben und die Person Martin Luthers wahrscheinlich nur langweilen würden. Um sich diesen Film also anzusehen, sollte man auf jeden Fall Interesse an der Person Luthers sowie seinem Leben haben, bzw. sollte sich für die Historie interessieren.
Ich hatte mir nicht mehr aber auch nicht weniger vorgestellt, so wurde ich auch nicht enttäuscht und durfte nochmals Sir Peter Ustinov in seiner letzten Filmrolle vor seinem Tod erleben.

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