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Kritik von ( 307 ) am 21. 02. 2010 0 Kommentare
Wieder einmal ist die Welt in Endzeit-Stimmung: die Erdbewohner sind kaltherzige Mörder, denen Vertrauen und Freundschaft fremd sind. Einst mühsam erbaute Brücken und Luxuskarossen sind nur noch schrottreife Erinnerungen längst vergangener Zeiten - und inmitten dieser Mischung aus Blut, Leid und Trostlosigkeit wandert Eli (Denzel Washington) umher, den das alles herzlich wenig interessiert. Nur wenn es jemand auf sein geheimnisvolles Buch abgesehen hat, wird der Kerl mit der dicken Sonnenbrille unangenehm. Leider gibt es einige, die sich davon nicht abschrecken lassen und alles daran setzen, das wertvolle Stück Literatur an sich zu reißen - und das bedeutet freilich nichts Gutes.

Denn wenn eines schon während der ersten Minuten klar wird, dann dass Eli zu der Sorte Mensch gehört, mit der nicht gut Kirschen essen ist. Das bedeutet leider auch, dass ihr nicht erwarten solltet, mit viel Realismus konfrontiert zu werden. Stattdessen erwartet euch knallharte Action, in der der vermeintliche Held schier ohne größere Anstrengung vier oder fünf Kerle umnietet, dazwischen noch ein paar coole Sprüche loslässt und anschließend gekonnt lässig verduftet. Das ist zwar alles nicht unbedingt neu, aber nach wie vor unterhaltsam, was nicht zuletzt an Denzel Washington liegt, der die Coolness glaubwürdig zu interpretieren weiß.

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Natürlich lässt der Hauptinteressent an dem Buch - Carnegie (Gary Oldman) - nicht lange auf sich warten. Allerdings muss er schnell einsehen, dass er mit seiner gewaltbereiten Bande bei Eli auf Granit beißt und schickt deshalb Solara (Mila Kunis) an die Front, die den Wanderer um den heißen Finger wickeln und das Buch an sich nehmen soll. Selbstredend bedeutet das kein Ende wilder Schießer- und Schlägereien, doch der Fokus rückt dann ein kleines Stück auf die sich entwickelnde Beziehung zwischen Solara und Eli. Leider geschieht das zu zögerlich und oberflächlich, so dass der mögliche Tiefgang nicht eintritt. Dabei hätte die Handlung weitaus interessantere Züge annehmen können, hätte man das Hauptaugenmerk ein wenig mehr auf die beiden gerichtet.

Davon abgesehen fügt sich Mila Kunis als Solara nahezu perfekt in das Endzeit-Szenario ein und spielt bravurös an der Seite von Denzel Washington. Positiv insbesondere, dass Solara keine wilde Rambo-Braut ist, sondern viel naiver durch die Welt irrt, als angebracht - das verleiht ihr eine gewisse Authentizität.
Apropos Endzeit-Szenario: Hervorgehoben werden muss die Detailtreue, mit der bei »The Book Of Eli« gearbeitet wurde. Der bräunlich-graue Kamerafilter taucht die postapokalyptische Welt in fast schon dramatischer Weise in die Perspektivlosigkeit. Das Gefühl, dass alles zu Ende ist und es nicht besser wird, zieht sich von der ersten bis zur letzten Minute des Films. Dazu trägt natürlich auch bei, dass alles zerstört ist und was noch halbwegs funktioniert, mehr provisorisch als sicher wirkt.

imh1g

So bleibt abschließend zu sagen, dass »The Book Of Eli« ein durchaus gelungener postapokylptischer Actionfilm ist, der sich mit Sicherheit nicht verstecken muss. Coole Sprüche, eine lässige Attitüde des Hauptdarstellers, namhafte Schauspieler und eine einmalige Atmosphäre machen den Film absolut sehenswert. Hätte er ein wenig mehr Tiefgang, würde er etwas mehr auf die Beziehung zwischen Solara und Eli eingehen und wäre er ein stückweit realistischer - was so manche Actionszene betrifft -, hätte er meiner Meinung nach Potenzial zum Meisterwerk.


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