HIDE
86%
Herrlich überzeichnete Charaktere, skurrile Szenerien und ein urösterreichischer (steirischer) Wortwitz machen diese Komödie zu einem Unikat
Kritik von ( 238 ) am 09. 07. 2012 0 Kommentare
Im Jahre 2010 war die österreichische Komödie Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott in mindestens zweierlei Hinsicht eine Sensation: Erstmals übernahm die Theaterlegende Elfriede Ott eine Rolle in einem Kinofilm, und zweitens war der Film an den Kinokassen ein in dieser Form nicht zu erwartender Erfolg.

Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott steht trotz ihrer Hauptdarstellerin nicht in der Tradition der fast schon klassischen österreichischen Kabarettkomödie, wenngleich sich das Ensemble durchaus vor dieser Tradition verbeugt. Diese wird aber nur zitiert, nicht imitiert.
Regisseur Andreas Prochaska wollte eine Bildsprache erschaffen, welche im internationalen Vergleich reüssieren kann, aber gleichzeitig eine Bindung an eine konkrete Lokalität herstellt. Und dieser Schauplatz ist Graz, eine Studenten- und Pensionistenstadt, wie der Sprecher zutreffend in den Film einführt.

Die zusammen in einer anarchistischen Wohnung lebenden Freunde Horst (Naturgewalt Andreas Kiendl) und Toni (Co-Autor Michael Ostrowski) kassieren seit einigen Jahren die Pension der verstorbenen Großmutter. Blöd nur, dass sich der Bezirksvorsteher für einen Fototermin zum fünfundneunzigsten Geburtstag der Oma ankündigt. Was also tun? Eine Oma muss her, und zwar schnell! Das „Ausborgen“, besser, die astreine Entführung, gelingt – nur: Unglücklicherweise handelt es sich bei der zufällig ausgewählten Entführten um Elfriede Ott, die sich selbst spielt. Als ihre Identität bekannt wird, ist es natürlich längst zu spät, die Polizei belagert den Entführungsort und Toni erklärt (so etwas wie) entschuldigend, dass ihm die Entführte „eh irgendwie bekannt vorgekommen“ sei…

Das Tempo von Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott ist bemerkenswert. Ein Film mit einer derart dünnen Handlung konnte wohl nur dann gelingen, wenn gleichsam ein nicht enden wollendes Gagfeuerwerk abgebrannt wird. Und genau dies geschieht im Film: Herrlich überzeichnete Charaktere, skurrile Szenerien und ein urösterreichischer (steirischer) Wortwitz machen diese Komödie zu einem Unikat.

Fazit
Kurzweilig, aber extrem lustig: Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott schafft es über die Lauflänge des Films, das hohe Gagniveau zu halten. Dieser österreichische Erfolgsfilm macht durchaus vor, wie eine mit Brachialhumor angereicherte moderne Slapstick-Komödie funktionieren kann.

Die unabsichtliche Entführung der Frau Elfriede Ott


2010

Komödie

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Im Handel seit 18. 03. 2011


88%

Bildqualität


Bildformat: 16:9 Letterbox

Das Bild kann sich sehen lassen. Kräftige Farben und ein weitgehend hoher Schärfegrad geben keinen Anlass zur Kritik.
95%

Tonqualität


Es liegen zwei deutsche Tonspuren in Dolby Digital 2.0 und Dolby Digital 5.1 vor. Der Raumklang ist in Ordnung und die Dialoge sind gut verständlich. Da die Protagonisten teils in einem urigen Dialekt sprechen, dürften für bundesdeutsche Seher Untertitel (in Deutsch und Englisch auswählbar) eine Option darstellen. Darüber hinaus werden noch eine löbliche Hörfilmfassung und ein ziemlich witziger Audiokommentar mit Michael Ostrowski und Andreas Prochaska angeboten.
65%

Bonusmaterial


Folgende Extras befinden sich auf der DVD:
● Trailer und Teaser
● Making of
● Fotogalerien
● Probeaufnahmen
● Steirischlektionen für Nick Monu

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