HIDE

Braunschlag


2012

TV-Produktion

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Im Handel seit 09. 03. 2012


93%
Alle bekommen ihr Fett weg: In gnadenloser aber höchst amüsanter Manier zerlegte David Schalko in acht Folgen ein allzu typisches österreichisches Dorf in seine Einzelteile
Kritik von ( 238 ) am 12. 07. 2012 0 Kommentare
Regisseur und Drehbuchautor David Schalko gehört mittlerweile zu den Aushängeschildern der österreichischen Filmlandschaft. Spätestens nach dem sensationellen Erfolg von Aufschneider eilt ihm der Ruf eines spitzfindigen Diagnostikers der österreichischen Volksseele voraus. Wie nun Braunschlag zeigt, völlig zu Recht.

In diesem fiktiven, aber allzu wirklichen Dorf in Niederösterreich nehmen die Dinge ihren gewohnten Lauf. Dass Braunschlag pleite ist, nicht zuletzt, weil Bürgermeister Gerry (Robert Palfrader) einige Millionen aus dem Gemeindebudget in Osteuropa versenkt hat, passt ganz und gar in das Schema der methodisch betriebenen Zuspitzungen Schalkos. Gerry und sein bester Freund Richard (Nicholas Ofczarek), dessen Disco auch nicht mehr gerade der Renner ist, haben zur Sanierung der Haushaltsfinanzen eine Idee: Um Touristenströme, besser: Pilgerer in das Dorf zu ziehen, planen sie die Inszenierung einer Marienerscheinung. In Medjugorje hat dies schließlich ja auch funktioniert. Vom Erfolg dieses Unternehmens scheint tatsächlich viel abzuhängen, denn Katzelbrunner (Simon Schwarz), das personifizierte St. Pölten, sitzt Gerry wegen der Budgetmisere geradezu erpresserisch im Nacken. Nur gut, dass mit dem schwer esoterisch angehauchten Mattusek (grandios: Raimund Wallisch) ein für die Erscheinung Auserwählter schnell gefunden ist.

Aus der Ferne betrachtet geht es in Braunschlag tatsächlich weniger um eine stringente und alles erklärende Handlung, sondern schlichtweg um das keineswegs linear verlaufende Leben und Scheitern in Österreich. Schalkos Diagnose ist brutal und teils bitterböse, aber mitunter gar nicht so weit entfernt von der kommunalen Realität. Diente Folge eins der achtteiligen Serie noch der Vorstellung der Charaktere und ihres Umfeldes, nimmt Braunschlag ab Folge zwei zunehmend an Fahrt auf. Der Zyniker Robert Palfrader passt hier wie die Faust aufs Auge. In der insgesamt permanent zur Schau gestellten Unattraktivität verkörpert er die urösterreichische Grantigkeit nahezu perfekt. Als ihn seine Frau Herta (Maria Hofstätter, ähnlich überragend wie als überdrehte Autostopperin in Hundstage) morgens anstrahlt, fragt er sie geradeaus: „Bist no immer so!?“ – „Wie?“ – „Deppat guat auf'glegt!“

Mit Fortlauf der Serie zieht Schalko alle Register. Was anfangs möglicherwiese als skurril gelten mag, wirkt später fast schon harmlos. Die beispielgebende Folge fünf, Bauxi, muss als Feuerwerk grotesker Ideen gelten – grotesk bis zur Schmerzgrenze.

Fazit
Alle bekommen ihr Fett weg: In gnadenloser aber höchst amüsanter Manier zerlegte David Schalko in acht Folgen ein allzu typisches österreichisches Dorf in seine Einzelteile. Die durchwegs schwarzhumorigen Ergüsse stehen in bester Aufschneider-Tradition, vornehmlich verbal: Sager wie „St. Pölten am Apparat“, „Hände falten, Goschn haltn“ und nicht zuletzt: „Volksbank jawohl!“ werden nicht sobald dem Vergessen anheimfallen. Bei all dem Treiben auf dem Bildschirm leisten vor allem die Darsteller inbrünstige Überzeugungsarbeit: Erst durch sie wird der bizarre und tiefschwarze Humor von Braunschlag erst zu jenem Markenzeichen, welches die Serie zu dem macht, was sie ist: Ein nur teils verzerrtes, aber immer höchst unterhaltsames Spiegelbild der österreichischen Volksseele.

94%

Bildqualität


Bildformat: 16:9 - 1.77:1 (anamorph)

Das Bild ist für eine DVD phänomenal. Man kann durchaus sagen, dass das Maximus aus diesem Medium herausgeholt wurde. Die Farben sind kräftig und die Schwarzwerte hervorragend.
50%

Tonqualität


Braunschlag liegt nur in Dolby Digital 2.0 vor, der Raumklang ist insofern minimal. Die Dialoge sind dafür durchwegs gut verständlich.
30%

Bonusmaterial


● Setbesuch
● Ausgemusterte Szenen
● Bildergalerie
Wie so oft bei Serien fällt das Bonusmaterial minimal aus. Das vorliegende Material ist jedoch höchst unterhaltsam. Schade nur, dass David Schalko selbst hier nicht zu Wort kommt.

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